Darf man heute eigentlich noch "nur" Hausfrau und Mutter sein wollen?

Hausfrau ist heute fast schon so etwas wie ein Schimpfwort. Daniela, 38, verheiratet, zwei Kinder (8 und 5 Jahre) erzählt hier, warum sie sich trotzdem dafür entschieden hat.

von Nele Justus

"Vergangenes Wochenende auf einer Party: „Und, was machst du so?“, fragte mich eine Frau, mit der ich mich gerade eine halbe Stunde lang bestens über unsere ersten CDs und Engtanzpartys unterhalten hatte. „Ich bin Hausfrau und Mutter“, sagte ich. Und schon entglitten ihr die Gesichtszüge. „Na, da hast du ja alle Hände voll zu tun“, antwortete sie ein bisschen gequält und schaute mich dabei an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Danach war unser Gespräch dann ziemlich schnell beendet.

Ich habe mich an solche Reaktionen gewöhnt. Das heißt aber nicht, dass sie mich weniger ärgern. Hausfrau und Mutter zu sein, das hat in unserer Gesellschaft heute keinen Wert mehr. Häufig wird es mit asozial, faul und ein bisschen dumm gleichgesetzt. Denn welche halbwegs intelligente Frau sucht sich das schon freiwillig aus?

Hat Hausfrau und Mutter sein keinen Wert mehr?

Ich. Ganz bewusst. Nicht, weil ich keine Alternativen gehabt hätte. Ich hatte einen Job, der mir gefiel, in einer Marktforschungsfirma. Aber ich wollte meinen Kindern den besten Start in ihr Leben geben. Ich habe mir für sie gewünscht, dass sie voller Selbstbewusstsein aufwachsen. Dass immer jemand für sie da ist, wenn sie ihn brauchen. Dass sie sich sicher und geborgen fühlen und eine Konstante in ihrem Leben haben. Und die wollte ich sein. Deswegen bin ich nach dem ersten Jahr nicht wie die meisten wieder in meinen Job zurückgekehrt, sondern Zuhause geblieben.

Meine Mutter war alleinerziehend. Sie musste immer viel arbeiten, anders ging es gar nicht. So war ich viel allein. Mir hat eine engere Bindung zu meiner Mutter gefehlt. Früher war ich oft neidisch auf Klassenkameraden, die mittags mit ihrer Mama zusammen gegessen haben. Oder die bei Verabredungen aus ihrem Zimmer gebrüllt haben „Mama, wir haben Durst!“ und schon kam umgehend ein Tablett mit Saft, Süßigkeiten und Obst um die Ecke. Meine Mitschüler haben manchmal ihre Augen verdreht und gesagt „Ohhh, die nervt voll.“ Aber ich habe mir insgeheim auch so eine Mutter gewünscht.

Die moderne Hausfrau: Ist doch auch Selbstbestimmung! 

Manche Frauen tun so, als wäre meine Entscheidung Hausfrau und Mutter sein zu wollen, eine Beleidigung für sie. Ein Schlag ins Gesicht. Als würde ich damit den ganzen Feminismus abschaffen wollen. Dabei geht es beim Feminismus doch um Selbstbestimmung! Darum, dass wir heute genau das tun können, was wir wollen. Und ich will eben keine Karriere machen, sondern mich um meine Familie kümmern. Vollzeit.

„Willst du dich denn nicht verwirklichen?“, fragen mich Freundinnen häufig. Klar will ich das. Aber ich setze Selbstverwirklichung nicht mit einem 40-Stunden-Job, einem tollen Auto oder viel Kohle gleich. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen. Jeden Tag. Ich möchte ihnen zeigen, wie man eine Schleife bindet, sie trösten, wenn sie einer in der Schule geärgert hat, und ihnen alle „Warum-Fragen“ beantworten, die ihnen in den Sinn kommen. Zuhause zu bleiben, das muss man sich leisten können. Mein Mann und ich haben uns dazu entschieden, dass wir uns diesen Luxus gönnen wollen. Am Anfang mussten wir finanziell schon knapsen. Als unsere Tochter kam, hatte sich mein Mann gerade selbstständig gemacht. Aber es hat immer für das Nötigste gereicht. 

Als Hausfrau und Mutter verdient man kein Geld

„Nervt es dich nicht, dass du immer das Geld deines Mannes ausgibst und kein eigenes hast?“, hat mich mal eine Freundin gefragt. Und ja, damit habe ich die erste Zeit schon gehadert. Aber dann habe ich im Kopf einen Schalter umgelegt. Denn ich ackere den ganzen Tag. Ich manage die Familie, die Finanzen und den Haushalt. Ich bin die, die in er Kita und der Schule die ehrenamtlichen Jobs übernimmt und die der Oma Suppe vorbei bringt, wenn sie krank ist. Ich habe einen Fulltimejob. Nur eben keinen, der gesellschaftlich wahnsinnig anerkannt ist.

Für meine Kinder bin ich selbstverständlich. Weil ich eben immer da bin. Weil ich nicht die Mama bin, die morgens zur Arbeit geht. Ich werde nie vermisst. Dafür nerve ich umso mehr. Ich bin die, die schimpft, die erzieht, meckert, sagt, dass die Kinder ihre Zimmer aufräumen sollen und Strafen verteilt, wenn einer mal wieder durchgedreht ist. Das ist anstrengend. Ich bin nicht gerne die Mecker-Kuh. Und ein „Danke“ wäre auch mal schön. Aber da warte ich wahrscheinlich noch die nächsten 30 Jahre drauf. Bis meine Kinder selber Kinder haben.