Die Wahrheit ist: Getrennte Wohnungen sind super für die Liebe

Worüber streiten Paare am meisten? Genau, über den Haushalt. Dabei ließe sich das umgehen. Unsere Autorin wüsste auch wie.

von Viola Kaiser

Gwyneth Paltrow hat mich darauf gebracht. Die sagte nämlich neulich in einem Interview, dass sie mit ihrem derzeitigen Mann bewusst nicht zusammenlebe – und dass sie zwar viel Zeit miteinander verbringen würden, aber doch ein eigenes Zuhause hätten. Was zu meiner Begeisterung über dieses Idee beitrug, war übrigens auch, dass mein Mann gerade am Tag, nach dem die Putzfrau da war, seinen Bart rasiert hatte – und ich die Überreste davon wirklich überall fand. 

Natürlich sind wir nicht alle Gwynnie 

Klar haben wir nicht alle die gleichen wirtschaftlichen Verhältnisse wie Gwynnie. Die Grundidee aber finde ich hervorragend. Zwei Menschen, zwei Wohnungen – was spricht dagegen? Es müssten ja nicht wie in Paltrows Fall gleich zwei Villen sein – und auch nicht sehr weit auseinander. Sie könnten sogar idealerweise nebeneinander liegen, in einem Haus zum Beispiel. Trotzdem müsste man sich nicht mehr über abrasierte Stoppeln im Waschbecken oder die zum 1000. Mal ignorierte Spülmaschine, die aufs Ausräumen wartet, ärgern. Wer jetzt denkt, solche Problem müsse man in einer Beziehung ja wohl geregelt kriegen, hat natürlich auch irgendwie Recht. Trotzdem stelle ich es mir manchmal schön vor, mich nicht mehr über unsinniges Haushaltszeug oder unfairen Mental Load streiten zu müssen. 

Kinder machen LAT ein bisschen kompliziert

Es wäre allerdings etwas übertrieben, das Ganze als Trend zu bezeichnen: Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung beträgt der Anteil der bilokalen Paarbeziehungen – so heißt es unter anderem, wenn Paare nicht unter einem Dach leben – in der Altersgruppe der 18- bis 79-Jährigen knapp über 7 Prozent. Neudeutsch wird das Ganze auch LAT genannt, das ist die Abkürzung für "Living Apart Together".Bei den über 50-Jährigen erhöht sich dieser Anteil übrigens wieder auf fast 10 Prozent. Vermutlich hat das auch etwas mit den Kindern zu tun, die das ganze Unterfangen erschweren.

Die Kinder, ja, die machen LAT etwas kompliziert, wobei sie sicher davon auch profitieren würden, dass ihre Eltern nicht stundenlang über irgendwelchen Haushaltsunsinn diskutieren, sondern das harmonische Paar sein können, das sie mal waren. Sie würden verschiedene Welten kennenlernen, die ihres Vaters, voller Platten, ein bisschen Chaos und mit Spielzeug, das einfach rumliegen darf. Und die ihrer Mutter, die etwas strukturierter ist, aber bei der es mehr Bücher, mehr Regeln und mehr Kissen auf der Couch gibt. Einzelne Personen haben einfach mehr Platz für ihre autonome Lebensweise. Am Ende ist zusammenzuwohnen sicher auch schön, aber doch ein ständiger Kompromiss. 

Zwei Wohnungen können eine Beziehung retten

Das System mit zwei Wohnungen kann einer Liebesbeziehung wirklich gut tun, sie vielleicht sogar retten, da bin ich sehr sicher. Denn worüber streiten wir uns alle in unserer Partnerschaft am meisten? Genau, über den Haushalt. Bei denen, die sich vor allem Küche und Bad (das Bett kann man ja trotzdem zusammen nutzen!) teilen, dominiert einfach der Alltag. Das ist nicht immer schlimm, aber eben Fakt. 

Nun ist es so, dass wir leider etwas weniger verdienen als Gwyneth und ihr Mann, deswegen müssen wir die LAT-Nummer  downsizen. Ich habe mir da Folgendes überlegt: Unser Gästezimmer wird zukünftig mein Zimmer, – das ist ja so ähnlich wie eine Wohnung  – und dann verabreden  uns eben einmal die Woche, um uns woanders zu treffen. Außerdem soll der Mann sich den Bart bitte professionell beim Barbier stutzen lassen. Das ist auf jeden Fall günstiger als eine zweite Bude. Über die können wir dann noch mal reden, wenn wir über 50 sind.



Themen in diesem Artikel