Die Wahrheit ist: Wir brauchen mehr Teilzeitväter!

Alle reden von mehr Kitaplätzen: Dabei wäre es doch viel besser, wenn die Männer mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Das ginge ganz leicht: Wenn sich nur eine Sache ändert...

von Viola Kaiser

In diesem Text geht es nicht nur um Gleichberechtigung, es geht um Zufriedenheit. Dazu muss man wissen, dass deutsche Männer, die viel arbeiten, glücklicher sind als Männer, die weniger arbeiten. Das zumindest sagt der Soziologe Martin Schröder, der zum Thema "Wie Arbeitszeiten die Lebenszufriedenheit von kinderlosen Männern und Frauen sowie Vätern und Müttern beeinflussen". Wichtig ist aber eine andere Tatsache: Warum genau das so ist, ist unklar. Ob die Zufriedenheit der arbeitsamen Väter daran gekoppelt ist, weil sie eben wirklich glücklicher mit 40 oder mehr Arbeitsstunden sind, weiß man nicht. Es könnte auch sein (und es ist sogar wahrscheinlich), dass die traditionellen Rollenklischees einen happy machen, weil die anderen ja auch genauso leben. Schließlich ist das Modell des 50-Stunden-Job-Vaters und der Teilzeit-Mutti das gängigste im guten alten Germany. 

Fakt ist, dass es zumindest in meinem Umfeld kaum Väter gibt, die Teilzeit arbeiten. Dagegen arbeiten etwa alle meine Freundinnen nur zwischen 20 und 30 Stunden. Und ich kenne genau ein Paar, bei dem Mutter und Vater gleich viel Stunden beim Job verbringen: Beide 30. 

Wollen Frauen gar nicht, dass der Mann mehr zu Hause ist?

Jetzt ist es natürlich so, dass die Männer in der Regel mehr verdienen – und deswegen die Frauen erstmal nach dem Baby zuhause bleiben. Dann steigen sie meistens nach ein paar Monaten oder einem Jahr mit einer verminderten Stundenzahl ein, sie sind ja schließlich die Mutter (heiliger Begriff in diesem Land!). Aber egal, das ist ja alles völlig okay, zumindest wenn man mal davon absieht, dass das für die Rente der Frauen semioptimal ist. Die Zufriedenheit von Müttern hängt auf jeden Fall laut Studie kein bisschen davon ab, wie viel sie arbeiten. Das heißt aber im Umkehrschluss ja nicht, dass sie deswegen Teilzeit arbeiten müssen. Ihr Lebensglück hängt allerdings davon ab, wie viel ihr Mann arbeitet: Sie steigt zunächst mit der Arbeitszeit des Mannes. Wenn er  jedoch mehr als 50 Stunden arbeitet, sinkt sie wieder. Keine Ahnung, was man jetzt daraus ableiten soll. Vielleicht, dass viele Frauen ganz froh sind, wenn er mindestens 40 Stunden weg ist?  Oder dass es zufrieden macht, wenn er ein volles Gehalt hat? Ich weiß nur:  Ich fänd es toll, wenn mein Mann weniger arbeiten würde und mehr Zeit für die Familie hätte. 

Mir geht es aber gar nicht um mich, mir geht es um die Kinder. Die wollen nämlich meistens mehr mit ihren Vätern abhängen als sie können. So kenne ich das zumindest 

Warum ist es verpönt, als Mann Teilzeit zu arbeiten?

Tatsächlich wird in der öffentlichen Debatte wahnsinnig viel über mehr Betreuung gesprochen. Und ich bin natürlich für mehr Kitaplätze, die schaden sicher nicht. Ich bin aber vor allem für Väter, die Teilzeit arbeiten. Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen können, nicht nur am Samstag und Sonntag oder zwischen 19.30 und 20 Uhr. Komischerweise habe ich das Gefühl, dass ich damit alleine dastehe. Wenn ich das laut sage, kommt außerdem meist als erstes Gegenargument, dass das finanziell aber nicht geht, oft dann noch der Zusatz, das sei in dem natürlich sehr wichtigen Job des Vaters einfach nicht möglich.

Das Gehaltsargument verstehe ich noch ansatzweise. Dafür gibt es nur eine Lösung: Frauen im Jahr 2019 müssen einfach endlich so viel verdienen wie Männer. Das allerdings ist eine andere Diskussion, die auch sehr wichtig ist. Sie bietet das Fundament für den Wandel, den ich mir wünsche.

Was mich aber abgesehen davon stört, ist, dass es anscheinend irgendwie verpönt ist als Mann und Vater in Deutschland weniger als 40+ Stunden zu arbeiten. Und, ja, es mag sein, dass es männliche Arbeitnehmer gibt, die tatsächlich absolut unabkömmlich sind. Aber warum soll es bei einem durchschnittlichen männlichen Büroangestellten weniger möglich sein 30 Stunden zu arbeiten als bei einem weiblichen?

Rollenverteilung wie 1953

Tatsächlich hängen wir bei vielen Rollenbildern hier in Deutschland etwa 1953 fest. Es ist einfach der Klassiker, dass die Frauen sich mehr um die Kinder kümmern und die Männer das Geld ranschaffen. Ich habe da auch gar nichts gegen, das kann jeder machen, wie er möchte. Hausfrau und Mutter zu sein ist ein 24/7-Job und in meinen Augen ein ehrenwerter Beruf. Ich habe nur zwei Töchter und fänd es gut, wenn sie zukünftig mal die Wahl hätten, ob sie 25 oder 50 Stunden arbeiten und natürlich, was sie so haupt- oder teilzeitberuflich tun. Mal abgesehen davon, dass Jungs, die sehen könnten, dass es so ewas wie Männer gibt, die weniger als 40 Stunden arbeiten, sich eventuell als Vorbild nehmen würden.  

Sehr sicher wird nämlich kein gesellschaftlicher Wandel stattfinden, wenn die Väter sich weiterhin darauf ausruhen, dass es als Mann schlicht nicht möglich ist Teilzeit zu arbeiten. 

Deswegen finde ich, dass jeder Mann, der auch nur eine Stunde seine Arbeitszeit in der Woche reduziert, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen ein Vorbild ist. Je mehr Männer sich trauen, je mehr Frauen das einfordern, desto mehr Teilzeitväter wird es geben. Und vielleicht trägt das dann irgendwann auch dazu bei, dass Männer und Frauen gleich viel verdienen. 



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