Endlich Januar: Warum ich mich nach Weihnachten aufs Büro freue!

Jaja, natürlich hat keiner so richtig Bock, arbeiten zu gehen. Aber mal ehrlich – Zuhause mit den Lieben ist es oft mindestens genauso nervig. Unsere Autorin weiß, warum sie sich Anfang des Jahres immer wieder aufs Büro freut.

von Theresa König

"Mein Mann soll heute mal richtig schön trinken, vielleicht entspannt er sich dann wenigstens ein bisschen", presste meine Freundin Simone direkt nach der Ankunft zur Silvesterparty bei uns zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Meine andere Freundin Tanja erschien gleich ganz ohne die bessere Hälfte. "Er hat Schnupfen", sagte sie nur in extrem genervtem Ton und mit verdrehten Augen. Ich verstand sofort, was los war. Bei uns war auch seit ein paar Tagen dicke Luft, die Weihnachtsfeiertage hatten uns arg strapaziert. Eine Umfrage der American Psychological Association hat übrigens ergeben, dass mehr als 60 Prozent der Befragten nach Weihnachten über Beziehungsprobleme klagen und die Feiertage oftmals als Belastung empfinden. 35 Prozent sind an Weihnachten verärgert oder wütend.

Irgendwann reicht es einfach!

Mich überrascht das nicht im Geringsten. Nachdem wir alle Verwandten abgeklappert, viel zu viel gegessen und uns über das ein oder andere bescheuerte Geschenk oder die ein oder andere noch bescheuertere Bemerkung von Tanten, Onkeln, Müttern, Vätern, Schwiegermüttern (hier kann man beliebig den Verwandten einsetzen, der einem am meisten auf den Keks geht!) aufgeregt hatten, war neben aller Dankbarkeit für den wunderbaren Teil der Familie und das Erste-Welt-Leben, das wir führen dürfen, ein fades Gefühl der Restaggression geblieben. Klar, natürlich hatte es auch schöne Momente gegeben, natürlich liebt man den Großteil der Menschen, mit denen man die letzten Tage und Wochen im Jahr verbringt. Aber es ist im echten Leben eben nicht halb so harmonisch wie in Bullerbü. Und irgendwann reicht es einfach!

Es ist jedes Mal dasselbe: Die Kinder sind total aufgedreht von zu viel Schokolade, Fernsehen und Aufmerksamkeit. Die Erwachsenen gestresst von zu viel Essen und Nähe und zu wenig Alleinesein. Bis zum 24. freuen sich alle auf Weihnachten, danach geht es nur noch bergab. Stimmt nicht? Gut, dann seid ihr glücklich – und ich beneide euch. Bei uns gibt es zwischen dem 25. und 31. Dezember eine kontinuierliche Spannungssteigerung. Damit mich hier keiner falsch versteht: Es ist schön, mal etwas länger zu schlafen, sich nicht ordentlich anziehen zu müssen und mit Nachwuchs und Mann abzuhängen. Auch in meinem Leben gibt es diese halben Stunden, in denen alle glücklich ihre neuen Bücher lesen, einen Film schauen oder ein Spiel spielen. Aber mal ehrlich, zwölf Stunden am Stück zusammen zu sein, macht nur begrenzt Spaß, so ein bisschen Distanz verbessert jede Beziehung. Außerdem kann man nur eine gewisse Zeit im Bett liegen und Süßkram essen. Und man braucht das "normale" Leben und eine Pause bis zum nächsten Familienfest – Ostern zum Beispiel!

Endlich geht es weiter

Ich bin jedes Jahr gegen Ende Dezember froh, wenn das neue Jahr beginnt. So düster es draußen ist, jetzt ist klar, es geht endlich, endlich weiter. Der Frühling wird bald kommen. Und selbst ins Büro zu gehen, ist nach dem Urlaub (natürlich nur, wenn man zwischen den Jahren welchen hatte) gar nicht so schlecht. Alles läuft noch auf halbem Tempo, oft ist es sogar noch ruhig und leer – und die anderen Kolleginnen, die die ein oder andere Familienfehde hinter sich haben, erscheinen mit freundlichem Lächeln. Warum? Weil sie sich hier nur um sich und ihre Arbeit kümmern müssen und nicht um Onkel Gerts sexistische Witze oder den Unmut der Kinder über zu viel Langeweile. Mir ist völlig klar, dass meine große Freude über diesen Neuanfang absolut kurzfristig ist, aber es gibt sie nun mal. Sie ist etwas Gutes, weil sie mich am 2. Januar dazu treibt, meinen Schlafanzug auszuziehen und rauszugehen. Weil ich nicht mehr gestresst bin, dass ein Kind rumnölt, sondern mich darauf freue, es nach der Kita abzuholen. Ich weiß, jetzt werden die Tage länger, jetzt geht es bergauf. Und ich gehe erstmal ins Büro, wo ich in Ruhe Kaffee trinken und mal zur Toilette gehen kann. Ganz ohne meine Familie. 

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