Hamburg, Berlin & Co mit Kindern: Ist Leben in der Großstadt wirklich gut?

Noch nie eine echte Kuh gesehen, nie allein mit dem Rad die Nachbarschaft erkundet und noch niemals in einem Wald gewesen: Kinder in der Großstadt haben es scheinbar schlecht. Dabei bietet es durchaus Vorteile, nicht auf dem Land aufzuwachsen. Oder?

Wer in der Großstadt lebt, aber vom Land kommt, kennt beide Welten: Die Hektik des Großstadtlebens, aber auch die vielen Möglichkeiten für Familien, die einem Städte wie Hamburg, Berlin oder München bieten können. Genauso aber auch die Ruhe und Unbeschwertheit auf dem Dorf, aber auch die Langeweile und Einfachheit, die einem manchmal verzweifeln lassen. Als Schwangere oder Mutter stellt man sich schon oft die Frage, was die beste Umgebung für die eigenen Kinder sein könnte. Bleibt man in der Großstadt? Zieht man lieber raus?

 

Leben auf dem Land für Kinder besser? 

Als Schwangere oder Mutter stellt man sich schon oft die Frage, was die beste Umgebung für Kinder sein könnte und tendiert schnell zum Land: Weniger Gefahren, die Verbundenheit mit der Natur, das Beschränken aufs Wesentliche und die pure Idylle. Bienchen beobachten, im Bach angeln, den Weg zur Schule einfach zu Fuß gehen und dabei seine Freunde treffen – und zwar die, die man schon immer hat und die auch für immer bleiben. Man selbst stellt sich vor, dass es für Kinder dort einfach schöner sein muss. Wer will schon ständig über die vielen merkwürdigen Menschen in der großen Stadt, tägliches Verkehrschaos, Unverbindlichkeit, überfüllte Spielplätze und den Mangel an Kita-Plätzen nachdenken? Studien geben Land-Befürwortern ebenso ein gutes Gefühl: Kinder, die in kleinen Städten oder dem Land aufwachsen, werden angeblich schneller selbstständiger. Sie kommen eher von zu Hause los, ihre Eltern trauen ihnen mehr zu – sie probieren sich mehr aus. Und natürlich wirken sich Eltern, die entspannt sind und mehr Zeit haben, positiv auf die Entwicklung ihrer Kinder aus – Eltern in Großstädten sind oft beruflich stärker eingespannt.

 

Großstadt mit Kindern: Mehr Gestaltungsspielräume?   

Schaut man sich die Studien näher an, reichen die genannten Aspekte jedoch nicht für ein klares Pro für das Dorfleben aus. Zum einen sehen Kinder die Natur ganz anders als wir Erwachsene: Nichts mit Idylle oder Ruhe und Entspannung. Es ist für sie ein Lebensraum, den sie mit ihren Entdeckungen und Handlungen selbst gestalten. Dafür findet sich in der Großstadt zahlreich Ersatz: Spielgruppen, Park- oder Zoobesuche, auch die eigene Wohnung, Sportvereine, der Spielplatz vor der Tür – und vor allem finden sich viele gleichaltrige Kinder, mit denen sie täglich in Kontakt kommen. Und die brauchen Kinder für ihr persönliches Glück und ihre Entwicklung ganz besonders. So sind Kinder in der Großstadt oft deutlich weiter in der Sprachentwicklung und ihre soziale Kompetenzen sind eher und stärker ausgeprägt als von Kindern, die in ländlichen Gegenden aufwachsen. Es macht demnach keinen Unterschied, ob sie dafür in einem Haus am Feldrand oder in einer Hamburger Altbauwohnung wohnen. Sie suchen sich ihre Gestaltungsräume, in denen sie entdecken können, sich viel ausprobieren und lernen.

  

Stadt oder Land? Eltern finden das Beste für ihre Kinder 

Letztendlich ist es eine ganz individuelle Entscheidung der Eltern, wo sie für sich und ihre Kinder den perfekten Lebensraum erschaffen möchten. Wichtig ist dabei, dass sie versuchen, die Umgebung aus Kinderaugen zu sehen und sich dafür regelmäßig Zeit zu nehmen. Gibt es für die Kinder genug Gestaltungsspielräume? Probieren sie sich viel aus? Haben sie genug Gleichaltrige um sich herum? Dann steht einer glücklichen Kindheit nichts im Weg – egal, ob in der Großstadt oder dem Landleben.

Wer hier schreibt:

Jessica Seiffert