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Handy aufräumen: Fotos, Chats & Apps - jetzt lösche ich alles


Der Frühjahrsputz für’s Smartphone war lange fällig: Unsere Autorin hat viel Datenmüll angesammelt und will jetzt ihr Handy aufräumen. Fotos, Nachrichten und Apps – alles muss jetzt weg. Gar nicht so leicht...
von Franziska Steinberg

Ich liebe Ordnung! Erst neulich schrieb ich hier über meine befreiende Erfahrung mit der Konmari-Methode: Säckeweise Klamotten, Deko und so-called Erinnerungsstücke wanderten aus meiner Wohnung und brachten mir Platz. Viel Platz für Neues. Oder einfach nur Raum für Ideen. Und das Gefühl, etwas wirklich Produktives vollbracht zu haben. Herrlich! Mit dem Handy ist das anders. Man kann die Daten nicht in die Hand nehmen und wie bei einem T-Shirt erst einmal fühlen, ob einem das Teil noch glücklich macht oder nicht. Ich kann es nicht in einen Müllsack werfen. Oder zunächst Häufchen machen mit „Behalten“, „Vielleicht“ und „Weg damit“ – man entscheidet sich vor dem „Löschen“ und dann gibt’s auch meistens kein Zurück mehr. Ihr merkt es selbst: Meine Wohnung ist fast leer und schön aufgeräumt – auf meinen digitalen Geräten herrscht das Chaos. Meine größte Schwachstelle: Fotos. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mich belastet schlichtweg das Wissen, dass dort auf diesem kleinen Gerät eine Menge Müll lagert. Das wollte ich schon lange angehen. Auf geht’s!   

 

Handy richtig aufräumen: Wie geht man das am besten an? 

Ich wusste, dass das Fotos sortieren und löschen die größte Räumaktion werden wird. Es sind wirklich nicht nur ein paar, sondern tausende Bilder, die meinen Speicherplatz schlucken und ich davon vermutlich keine fünf Prozent wirklich brauche. Aber wie ich von Marie Kondo gelernt habe, fängt man beim Ausmisten mit dem einfachsten Dingen (Klamotten) an und arbeitet sich langsam zu den emotionalen Themen (Erinnerungsstücke) vor. Das muss doch auch mit Datenmüll funktionieren. Also los geht’s!

 

Schritt 1: Apps vom Handy löschen 

Alle Apps, die ich einen Monat lang nicht verwendet habe, fliegen. Selbst Apps, bei denen ich mir dachte, dass ich sie vielleicht nochmal brauche, gab es keine Gnade. Zack, zack, zack, runter damit. Wir müssen mal ehrlich sein: So eine App ist in wenigen Sekunden geladen – ich werde nicht wirklich in Not oder finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn ich eine viel zu selten benutzte App vom Handy haue, oder? Das war wirklich einfach. Noch ein bisschen meine Handy-Oberfläche aufräumen, Apps sortieren und schon geht’s mir besser. Easypeasy!

 

Schritt 2: Kontakte löschen 

Warum sollte man das tun? Nehmen ja nicht wirklich Platz weg und stören diese Handynummern auch nicht. Und praktisch könnte es auch irgendwann mal sein. Doch ich bin teilweise wirklich erschrocken, wer da noch alles in meiner Kontaktliste rumschlummert: Die Teilnehmer eines Projekts aus dem Studium vor fünf Jahren, Mitfahrgelegenheiten, verflossene Liebschaften sowieso. Wenn ich die Personen in meinem Leben nicht (mehr) brauche, brauche ich sie auch nicht auf dem Smartphone; einem Gerät, das ich immer bei mir trage. Zack, gelöscht. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich plötzlich die Projektgruppe nochmal kontaktieren möchte, bieten mir Facebook oder andere Plattformen vielleicht bessere Möglichkeiten.

 

Schritt 3: Nachrichten (iMessage oder WhatsApp) löschen 

Jetzt wird’s langsam schwieriger. Ich weiß, ich bin damit nicht alleine: Ich lösche einfach nie den Nachrichtenverlauf. Über manche Nachrichten hat man sich gefreut, über manche hat man gelacht, sich geärgert und manche Unterhaltungen sind einfach Kult – man kann sie nicht so einfach löschen. Was früher Briefe waren, sind heute WhatsApp-Chats. Die haben doch einen Wert! Doch hier muss ich wieder an meine persönliche Aufräum-Koryphäe Marie Kondo denken, die mir mit ihrem Buch Folgendes eingetrichtert hat:

  1. Dinge haben in den meisten Fällen im Moment des Schenkens (oder hier des Verschickens/Empfangens) ihren Zweck erfüllt. Ich habe mich bereits mit dieser Nachricht befasst und sie emotional verarbeitet. Ich muss sie nicht aufheben, sie hat ihren Auftrag erledigt. 
  2. Mal ehrlich: Suche ich mir ernsthaft unter meinen zigtausenden WhatsApp-Nachrichten diesen einen Dreizeiler nochmal raus, der mich damals so berührt hat? Ein klares Nein! Es muss also alles runter vom Handy.

Das ist schon deutlich schwieriger, als per Drag & Drop die Apps in den symbolischen Mülleimer zu schieben. Ich packe demnach jeden einzelnen Chat an, bedanke mich innerlich für diese schönen Konversationen und bestätige das „Wirklich löschen?“. Ich habe zwar meinen „Brieffreunden“ gegenüber ein schlechtes Gewissen. Doch heben die alle Unterhaltungen auf? Wohl kaum. Und ich wäre darüber auch nicht böse. Mein Vorhaben für die Zukunft: Sollte mal wirklich eine Nachricht dabei sein, die mich in dem Moment so berührt, dass sie einen Ehrenplatz verdient hat, wird sie gescreenshottet. Da wären wir auch schon bei den Fotos.

 

Schritt 4: Fotos vom Handy löschen 

Das kann jetzt dauern – es sind einfach tausende Handybilder, die sich da so angesammelt haben. Die hängen dann ja auch noch irgendwie in der Cloud und überhaupt: Wie soll ich mich da nur zurecht finden? Ich habe wirklich nicht die geringste Lust, mich damit auseinanderzusetzen Das zeigt ja eigentlich schon: So wichtig können sie mir nicht sein. Praktisch: Mein iPhone legt automatisch schon mal ein paar Alben an. Zuerst widme ich mich den Screenshots: Bilder, die ich schnell gemacht habe, um sie schnell jemandem zu schicken. Das ist echt nur Müll. Dann geht’s weiter mit den Selfies: Unglaublich, wie oft ich mich selbst fotografiere – warum mach ich das? Ich bin ja kein Influencer, der Material für Instagram braucht. Okay, ein paar Selfies bleiben – die vor den Hot Spots dieser Welt. Ja, ich war auch da: Auf dem Top of the Rocks, vor dem Weißen Haus oder am berühmtesten Infinity Pool der Welt in Singapur. Doch dann beschließe ich, den Laptop zur Hilfe zu nehmen. ALLE Bilder wandern erst einmal von der Cloud rauf auf die Festplatte. Ich beginne, wie ein Weltmeister zu sortieren. Neue Alben entstehen für Reisen, für Hochzeiten, für Familienfeiern – alles schöne Erinnerungen – nun endlich geordnet. Ein Album mit Schnappschüssen gibt’s, die keine Zuordnung finden und ganz, ganz, ganz viel wandert in den Müll.

 

Handy aufräumen: So schlimm war es nicht 

Okay, geschafft. Es hat wirklich einige Stunden gedauert, aber ich fühle mich gut. Fast so gut wie nach dem Frühjahrsputz. Mein Handy fühlt sich leichter an, bilde ich mir ein. Die größte Erkenntnis: Es war natürlich nicht so ätzend wie ich dachte. Es ist wie mit dem Putzen oder der Steuererklärung: Einmal angefangen, ist die Aktion befreiend - und gar nicht mehr so fürchterlich wie erwartet. Ich beschließe, mich mit einer neuen Handyhülle zu belohnen. Und plane direkt das nächste Projekt: Den Laptop decluttern! 

 

 


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