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Hausmann Von wegen Frauensache: Mann kann!

Hausmann: Vater staubsaugt mit Kleinkind
© Halfpoint / Shutterstock
In Sachen Haushalt hat unsere Autorin nicht allzu viel auf der Pfanne. Ihr Mann dagegen schon. Doch ist der meist gar nicht zu Hause. Und sie weigert sich, dazuzulernen. Na sauber ...
von Lena Schindler

Als mein Mann mir damals seine Großmutter vorstellte, wollte ich alles richtig machen. Denn kaum ein Mensch auf der Welt bedeutete ihm mehr als Oma Klara, mit der er als Kind Knödel rollte und Grießnockerlsuppe kochte. Es lief gut, wir aßen Kekse, ich erzählte von meiner Arbeit. Doch mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet: "Aber die Hemdn vom Steffen, die bügelsch’ du scho, gell?" Anstatt mit einer kleinen Lüge den ruhigen Schlaf der alten Dame zu sichern, antwortete ich, dass ich mich dafür gar nicht zuständig fühlte. Danach war die Stimmung irgendwie gedrückt. Gut, dass ich nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte.

Haushalt muss nicht Frauensache sein 

Denn seit ich mich entgegen meiner Prinzipien doch mal mit dem Dampfbügeleisen seinen Oberhemden genähert hatte, worauf sie und er tief geknickt reagierten, habe ich strikte Anweisung, Abstand davon zu halten. Meinem Unvermögen vorauseilend, erledigt er jetzt meine Bügelwäsche. Klaglos. Souverän und geschickt.

Gleichberechtigung ist eben das eine, Talent das andere. Putze ich die Fenster, lässt sich danach kaum mehr erkennen, ob draußen Pollenflug oder Schneegestöber herrscht. Übernimmt er, kann man sich vor lauter Glanz nur noch mit Sonnenbrille in der Wohnung aufhalten. Darum ist klar: sein Part! Ist aber auch nicht so, dass ich in der Zeit mit einem Glas Cremant auf dem Sofa abhänge und Anweisungen gebe: "Schatz, da oben ist es noch etwas schlierig!" Ich kümmere mich dann um die Dinge, die alle Mütter, die ich kenne, so selbstverständlich übernehmen, als wäre es ihre göttliche Bestimmung: Arzttermine, Elternabende, Geschenke kaufen, zum Kinderturnen begleiten ... Mental Load nennt man heute diesen penetranten Stress, neben der Arbeit noch das Leben aller im Haushalt befindlichen Menschen zu regeln, während man darüber den eigenen Geburtstag vergisst.

"Was er tut, tut er gern"

Darum sollen sich Männer bei der Hausarbeit ruhig reinknien – auch bei einem angestaubten Rollenmodell wie unserem: Wir arbeiten beide in Vollzeit. Er im Job, ich fifty-fifty im Job und in der Kinderbetreuung. Damit hadere ich vor allem dann, wenn der berüchtigte Durchfall-Anruf aus der Kita kommt und klar ist, wer den Stift fallen lässt. Hatte ich mir auch mal anders gedacht. Denn nicht nur hat mein Mann die Profi-Skills in Parkettpflege und Armaturenentkalkung, einen Fusselrasierer und den Traum von einem Dampfsauger mit Punktstrahldüse, er verdient auch als Wirtschaftsingenieur deutlich mehr als ich. Wenn der Mann meines Lebens allabendlich Zwiebeln hackt oder Spargel blanchiert, merke ich aber, dass in mir doch leise das schlechte Gewissen pocht: "Der Arme, da muss er sich nach einem langen Arbeitstag noch ums Abendessen kümmern!" Aber immerhin sehe ich es. Dabei kann ich mir das schlechte Gewissen wirklich sparen. Denn: Was er tut, tut er gern. Mit spielerischer Leichtigkeit. Während er den Wasserkocher entkalkt und nebenbei zu Verlagerungsstrategien telefoniert, scheitere ich am Auftauen von Fischstäbchen. Meist geht es dann ohnehin weniger ums Kochen und mehr um Schadensbegrenzung: Verkohltes abschaben, stoßlüften, Kinder in Sicherheit bringen.

Ich bilde mich in diesen Dingen trotzdem nicht fort. Denn möglicherweise ist mein Nichtkönnen doch ein kleiner Akt der inneren Auflehnung. Bei den meisten meiner Freundinnen läuft es nämlich umgekehrt. Sie fürchten um Leib und Leben, wenn der Gatte eine Packung Mirácoli öffnet, müssen ihm nach 15 Jahren Beziehung erklären, wo die Staubsaugerbeutel liegen. Dann denke ich: Nö, alles gut bei uns zu Hause! Wir Frauen haben uns nur erschreckend stark daran gewöhnt, dass alles, wofür es keine Kohle gibt, Frauensache ist, finden es seltsam, wenn es mal gerecht zugeht. Doch Männer wie meiner sind leider selten. Und gerade denke ich: Vielleicht wäre der innovative Spray Mop mit Wassersprühwischer und XXL-Powerzone, von dem er kürzlich so flammend erzählte, eine wirklich hübsche Geste meiner Dankbarkeit.

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