Kaffeeklatsch unter Müttern – Muss ich die alle mögen?

Wenn man kleine Kinder hat, kommt man plötzlich mit den verschiedensten Menschen zusammen. Da reicht die Gemeinsamkeit, einfach Muttis zu sein, um sich plötzlich wie alte Freunde zu benehmen. Unsere Autorin findet das nicht immer schön. Und fragt sich: Muss ich die jetzt echt alle gut finden und zum Kaffee einladen?

von Marie Stadler

Ich halte mich per se für einen eher toleranten Menschen. Meine Devise: Jeder darf so leben, wie er es für richtig hält und ich lebe, wie es zu mir passt. Total relaxed, Leben und leben lassen. Seit ich Mutter bin, hat die Sache allerdings einen kleinen Haken. Denn aus unerfindlichen Gründen bin ich nur noch halb so entspannt, wenn Menschen mit sehr anderer Lebenseinstellung mir viel zu nah kommen und auf der Krabbeldecke in meinem Wohnzimmer missionarisch ihre Wahrheit über das Leben verbreiten. Wenn sie mir erzählen: "Nee, ein Milligramm Zucker wäre fatal für das überdurchschnittliche Gehirn meines Benjamins!" oder "Also, Mütter, die Vollzeit arbeiten, da versteh ich echt nicht, warum die überhaupt Kinder haben!" Dann wütet in mir nicht selten ein tosender Sturm furchtbarer Flüche, den ich natürlich ganz im Sinne der Harmonie und der Kinder runterschlucke. Aber tut das gut?

Ich mag dich einfach nicht

Ich frage mich, ob ich als Mutter so tun muss, als würde ich wirklich jeden so gerne mögen, dass wir Freunde werden könnten. Der kurze Moment, in denen einen die Gemeinsamkeiten (manchmal leider einfach nur die Kinder) über die Tatsache hinwegtäuschen, dass man grundverschieden ist, ist leider trügerisch. Und zack - bist du plötzlich mit einer Frau verabredet, die über keinen deiner Witze lacht, deinen Kleidungsstil obszön findet oder über Menschen schimpft, die vor den Kindern schon mal "scheiße gesagt haben." Und auch sie merkt es erst zu spät, nämlich wenn du sagst, dass Fluchen vor Kindern ja auch megakacke ist. Da sitzt ihr aber schon fest an der gedeckten Kaffeetafel, es ist viertel nach drei und ihr wisst, bis halb sechs müsst ihr durchhalten, das verlangt die Mutti-Ettikette einfach. Gott, würde ich manchmal gerne die Wahrheit sagen. "Du, hab grad gemerkt, dass ich dich gar nicht mag. Wenn es ok ist, würd ich dann jetzt lieber ne Runde staubsaugen als mir diesen Mist anzuhören."

Andersrum ist auch nicht schön

Es geht auch andersrum. Alles schon erlebt. Einmal hab ich mich pudelwohl gefühlt bei einer neuen Pseudo-Freundin. Es war - anders als bei mir - so schön aufgeräumt, ich hatte einen tollen Kirschkuchen bekommen, wir unterhielten uns gut. Aber je länger wir zusammen waren, desto unsicherer wurde ich. Ich merkte, dass mein Lachen zu laut war für den vornehmen Hausflur, meine Erziehungsmaßnahmen zu undurchdacht für eine studierte Pädagogin und mein Kind zu wild für das stille Töchterchen. Ständig wurde der akkurate Pferdeschwanz der Kleinen nachgezogen, während das Ronja-Räubertochter-Haar meiner Tochter störrisch durch die Gegend flatterte. Ich glaube, diese Mutter hätte auch gerne gestaubsaugt, anstatt mich mit ihrem tollen Kirschkuchen zu mästen. Aber was soll man machen? Die Mutti-Ettikette, ihr wisst schon.

Elternzeit ist wie ein Job

Ich habe mich lange gefragt, ob dieser Eiertanz wirklich sein muss, aber letzten Endes ist es doch einfach mal so: Muttis sind halt auch nichts anderes als arbeiten, mitsamt dem Umstand, Kollegen zu haben. Mit manchen versteht man sich, mit manchen tauscht man nur Fachwissen aus. Manche sind der gleichen Meinung, manche sind unangenehm inkompatibel. Das wird immer so sein und kommt vielleicht noch deutlicher zu Tage, wenn die Kids dann irgendwo in der Schule sind oder man mit Teenies die Fragen klären muss, ob und wie lange sie den Dancefloor auf der Reeperbahn rocken dürfen (mir graut es jetzt schon...). Das Schöne an einem Job ist aber, dass es einen Feierabend und im Idealfall freie Tage gibt. Sozusagen schöne freie Zeiten, in denen man nur die Kollegen trifft, die man mag. Hab mir überlegt, dass ich nur noch freitags als Supermom arbeiten werde. Nur an diesem einen Nachmittag treffe ich Muttis, deren Gesellschaft ich unter "muss halt sein" deklariere. Ich bin dann höflich. Ist halt mein Job. Bis Mai sind meine Freitage übrigens schon ausgebucht. Und dann mach ich erstmal sechs Monate Sommerpause oder so.