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Katzenjammer Wenn er einen Vierbeiner mit in die Beziehung bringt

Sonja Niemann: eine Frau mit dunklen Haaren sitzt auf dem Sofa mit einer Katze auf der Brust
© Evrymmnt / Adobe Stock
Seine Kinder sind schon aus dem Haus, dafür bringt er Katze mit in die Beziehung. Unsere Kollegin greift zum Äußersten.

Den Winter vergangenen Jahres verbrachte ich viel Zeit mit Katze. Katze ist die Katze meines Freundes, sie hat natürlich auch einen Namen, aber weil ich den immer etwas zu prätentiös für ein Tier fand, war sie für mich eben einfach Katze. Mein Freund hat Katze länger als mich, sie war schon viele Jahre da, bevor ich dann anlässlich des coronabedingten Lockdowns begann, mich zunehmend in seiner und Katzes Wohnung einzuquartieren. Ich würde sagen, Katze war nicht überenthusiastisch über meine Präsenz. Aber sie tolerierte mich. So, wie man jemanden halt tolerieren kann, der in ein gewachsenes, inniges Beziehungsgefüge und Revier eindringt. Wenn ich tagsüber im Homeoffice an meinem Laptop tippte, schlief sie im am weitesten entfernten Zimmer.

Meine kläglichen Versuche, sie ab und zu zum Spielen mit einem Flummi oder einer Katzenangel zu animieren, würdigte sie noch nicht mal eines Blickes. Ab und zu ließ sie sich ein paar Sekunden gnädig von mir streicheln, bevor sie leicht angewidert aufstand und ging. Dann war ich dankbar und wusste ihre Bemühungen um unser gutes Verhältnis zu schätzen. Abends, wenn mein Freund von seiner systemrelevanten Arbeit nach Hause kam und Katze sich stundenlang von ihm durchknuddeln ließ, begeistert mit ihm "Laserpointer" spielte und selbst auf dem Klo nicht von seiner Seite wich, versuchte ich, nicht allzu gekränkt zu sein. Ich verkniff mir auch jegliche Bemerkung, ob Katze nicht vielleicht ein klein bisschen zu verwöhnt sei und man sie vielleicht nicht doch mal versuchsweise an ein anderes Futter gewöhnen könnte als das, das preismäßig äquivalent zu jedem Tag Thunfischsteak in Sashimi-Qualität ist. Aber wer bin ich, mich da einzumischen: nur die spät dazugekommene Katzenstiefmutter. Nun aber haben wir seit einigen Monaten Zuwachs bekommen, denn: Kiki ist im Haus! Kiki, unsere neue Katze, kommt aus dem Tierschutz, ich habe sie mit ausgesucht, oder eher: sie sich uns. Natürlich schenke ich beiden Katzen zu gleichen Teilen Liebe und Aufmerksamkeit. Wenn Kiki sich vor mir auf den Boden wirft, um sich schnurrend von mir kraulen zu lassen, unterbreche ich nach spätestens 45 Minuten, um auch mal nach Katze zu sehen. Wenn Kiki (wahlweise auch Kickel oder Kikilikik oder kleine Mausekatze) mit mir Flummi spielt, dann sage ich ihr immer, dass wir auch Katze einbeziehen sollten, selbst wenn sie nie will. Es ist auch nicht so, dass sich Kiki alles erlauben darf: Wenn sie tagsüber von ihrem Sitzsack neben meinem Schreibtisch aufsteht – darauf liegt sie fast so gern wie nachts mitten auf meiner Bettdecke, ich lass dann zum Schlafen meine Beine einfach seitlich am Rand etwas runterbaumeln, damit sie genug Platz hat –, also, wenn sie aufsteht und dann auf meinen Laptop springt, sich quer über die Tastatur legt, in meinem gerade geschriebenen Text ganze Absätze löscht und stattdessen "hvdasahhsvadsabsD-JBDAJ" einfügt, dann sage ich schon mal: Nein, Kikilikik, geh doch lieber auf deinen großen Katzenspielteppich oder spiel mit deiner Murmelbahn, dafür habe ich doch extra das Bücherregal rausgeschmissen.

Trotzdem meint mein Freund nun, wir hätten ein Katzen-Patchworkfamilien-Problem. Ich würde die neue Katze, die wir gemeinsam angeschafft hätten, gegenüber der alten bevorzugen, die er schon vorher hatte. Ich verneine natürlich energisch und beteuere, dass beide gerade wegen ihrer unterschiedlichen, individuellen Charaktere auf ihre jeweilige Art und Weise gleichermaßen großartige Katzen sind, die weltbesten, ich liebe beide gleichermaßen. Er aber glaubt mir nicht. Und weil es zu diesem Problem keine von Menschen erdachte Patentlösung gibt, lass ich einfach Kiki den Schluss schreiben, wo sie ohnehin gerade da ist: 箆®®«««R7W-DO-UPIJNQ FKMOP,+GLQÜ.ZÖQI.

Sonja Niemann fühlt sich von Eigenwilligkeit angezogen und wünschte sich deshalb schon als Kind eine Katze.

Barbara

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