Mein Mann und sein Handy – in unserem Bett

Unsere Autorin hat keine Angst vor anderen Frauen in ihrem Bett. Würde ihr Mann eh nicht mitkriegen. Schließlich hat er sein Handy.

von Marie Stadler

Letztens habe ich in einem Anflug von Nostalgie mal wieder Sex and the City geschaut. Da gab es unter anderem eine Szene, in der Mr. Big und Carrie nebeneinander im Bett sitzen und beide jeweils mit Lesebrille auf der Nase ein Buch lesen. Ich fand das irgendwie süß und romantisch. Ja, so hatte ich mir das mit der Ehe damals mal vorgestellt. Jetzt hab ich das "eigentlich" auch. Nur dass mein Mann abends kein Buch in der Hand hält, sondern sein Handy. Meist macht er tatsächlich nichts anderes als das, was er auch mit einem Buch machen würde, nämlich: Lesen. Manchmal hört er auch ein Hörbuch. sehr selten schaut er mal eine Folge Game of Thrones. Also echt keine verwerflichen Abendbeschäftigungen... und trotzdem hasse ich es und frage mich gleichzeitig: Warum eigentlich?

Das Handy als Endgegner

Zugegebenermaßen bin ich nicht die subtilste Person. Wenn ich etwas erzählen will, platzt es aus mir heraus, auch wenn es manchmal vielleicht nicht so passt. Das heißt, es ist manchmal eh schon etwas schwer für mich, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ich meine zu brauchen. Einfach, weil das tatsächlich etwas viel verlangt wäre... Aber wenn der Gleichmut meines Mannes Level 1 ist, seine irgendwann versiegende Geduld Level 2 und unsere Kinder an und für sich Level 3, dann ist sein Handy ganz sicher der Endgegner für mich und meinen Drang, beachtet zu werden. Das blauleuchtende Drecksteil ist jedenfalls sehr viel erfolgreicher als ich darin, ihn zu unterhalten. Und ja, verdammt, ich bin eifersüchtig!

Warum lesen Männer keine Frauenzeitschriften?

Dabei ist es längst erwiesen: Smartphones sind echt die Pest für Beziehungen. Weniger Sex, weniger Gespräche, weniger Augenkontakt. Das steht in jeder verdammten Frauenzeitschrift dieser Welt. Nur liest die mein Mann leider nicht. Und er versteht auch mein Problem nicht. Für ihn ist das Handy ein Rückzugsort, das bisschen Ich-Zeit, das man sich im stressigen Familienalltag vorbehalten sollte. Jederzeit für alle verfügbar sein? Für meinen Mann eine Horrorvorstellung! Deshalb hat er nicht den Hauch eines schlechten Gewissens, wenn er mit Kopfhörern auf den Ohren und dem Handy vor der Nase auf der Terrasse einen Kaffee schlürft. Da sitzt er dann, wie ein leerer Bildschirm mit Tastensperre, einzig und allein für Notrufe störbar.

Beneidenswert oder verwerflich? Ich weiß es nicht!

Tatsächlich kann ich nicht mal behaupten, sehr viel seltener am Handy zu sitzen. Nur dass ich über Whatsapp im Klassenchat antworte, dass wir auch 2 Euro geben für das Geschenk der Referendarin, dass Emma gerne zu uns kommen kann und dass ... ach, Zeug halt, dass mich jetzt nicht unbedingt persönlich bereichert. Eher Orga-Kram. Und egal wie versunken ich auch wirken mag, wenn meine Kinder etwas von mir wollen, bin ich da. Ist der Neid auf ein Leben ohne Mental Load also vielleicht einfach der neue Penisneid? Bin ich sauer, weil er sich angrenzen kann und ich nicht? Oder ist es einfach nur unhöflich von ihm, so abzutauchen? Hand aufs Herz – ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Was ich aber weiß: Im Schlafzimmer hat das Handy in meinen Augen nichts zu suchen. Hab jetzt einen neuen Plan. Werde mir einen Aluhut basteln und große Angst vor Strahlenschäden simulieren. Für mehr Sex. Weniger Aggression, Und für ein Buch in den Händen meines Mannes. 




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