Neuer Job? Vielleicht werde ich auch Instagram-Hausfrau

Influencer sind ja sowieso das Ding: Also Blogger und YouTuber, die sehr viel Geld verdienen, ihrer großen Followerschaft, Produkte zu präsentieren. Auf Instagram beobachte ich was Neues: Hausfrauen, die Putzmittel bewerben.

Mir war das Ausmaß nicht ganz klar, bis ich selber anfing, Müttern auf Instagram zu folgen. Eigentlich war ich auf der Suche nach Interior-Inspirationen für die Wohnung. Ich hatte schon immer Freude daran, mir die Wohnungen anderer Menschen anzusehen – Wohnungsbesichtungen sind für mich oft eine wahre Freude. So sammelten sich einige Accounts in meinem Feed an, auf denen die Instagrammerin ihre hübsch eingerichtete Wohnung täglich aus einem neuen Blickwinkel zeigten. Ich verteilte fleißig Herzchen – sie inspirierten mich. 

Ihr Job: Hausfrau, Mutter und Instagrammerin 

Irgendwann fing ich an, mich zu fragen, wie die das so hinbekommen. Immer mehr Deko, immer einen schön gedeckten Tisch, immer ist die Bude sauber und ordentlich. Es zeigte sich: Ok, die Frauen sind hauptberuflich zu Hause. Oft beginnt ihre Hausfrauen-Influencer-Karriere in der Elternzeit. Aus Langeweile setzen sie einen Instagram-Account auf und über die Monate werden sie mit ihren Bildern tatsächlich erfolgreich – meistens haben sie so zwischen zehn- und zwanzigtausend Follower. Reicht, um nicht ganz unwesentliche Kooperationen an Land zu ziehen. Vorzugsweise Putzmittel, das so viel kostet wie eine Flasche Gin. Aber auch gern mal Designer-Accessoires oder Möbel für die sowieso schon so hübsche Wohnung. Oder der Klassiker: Einen Thermomix

Hausfrauen-Influencer: Eigentlich ja ganz geil 

Auch wenn ich es nicht verurteile, kam für mich selbst ein Leben als Hausfrau nie in Frage. Jetzt überdenke ich das nochmal ernsthaft. Für mich schien das Hausfrauen-Sein zu einsam und Unabhängigkeit ist mir einfach wichtig. Außerdem liebe ich Anerkennung für etwas, das ich gut kann. Die bekomme ich am ehesten in meinem Job, den ich dazu sehr gerne mache. Aber diese Ladies bekommen genau das alles, einfach dadurch, dass sie ihren Hausfrauen-Lifestyle auf Instagram teilen. Sie haben sich nicht ihrem Dasein ergeben, sondern ein echtes Business daraus gemacht. Sie können besonders toll aufräumen, besonders gut Fenster putzen und besonders toll dekorieren, gärtnern und den Tisch decken. Und ihren Kindern die Brotboxen vorbereiten. Sie dokumentieren alles, sie helfen und inspirieren andere, bekommen dafür Herzchen und Kommentare und Nachrichten. So viel Annerkennung und Kommunikation ist im Berufsalltag doch eher eine Seltenheit. Außerdem verdienen sie damit ihr eigenes Geld. Die Follower sind alle supertreue Seelen, kaufen brav alles nach. Die Firmen lieben Hausfrauen-Influencerinneren. Nachmittags liegen sie dann auf der Sonnenliege im Garten, trinken Kaffee aus ihrer sponsored Hightech-Espresso-Maschine und machen ein Foto davon. Mal ganz ehrlich: Wer will das nicht?