Oh Gott, sie hat Katzen!

Unsere Autorin kaufte sich zwei Kater. Als Frau über 40 sollte man das niemals tun – man wird für eine bedürftige Irre gehalten.

von Wiebke Brauer

Wirst du jetzt so eine komische Katzenfrau?“ lautete der erste Kommentar, den ich mir einfing. Der Blick dazu war so argwöhnisch, als hätte ich eröffnet, dass ich ab jetzt nur noch rückwärts über Zebrastreifen gehe. Dabei erzählte ich nur, dass ich neuerdings zwei kleine Kater besitze. Bis zu dieser Bemerkung hatte ich angenommen, dass es nicht weiter ungewöhnlich ist, wenn man sich ein Haustier zulegt.

Der Platz ist da, die Zeit und das Geld – da kann man schon mal auf die Idee kommen, sich eine Katze zu kaufen. Aber kaum einer sagt: „Toll. Und wie isses so?“ Stattdessen sehe ich mich mit einem Rudel von Klischees konfrontiert. Wildfremde Menschen halten mich für irre. Auch weil es Rassekatzen sind – was man sieht. Der Klempner warf nur einen Blick auf die beiden und fragte: „Können die auch fliegen?“ Ja, sie haben große Ohren, nein, sie stammen nicht aus einem Tierheim. Das hätte die Viecher vielleicht noch legitimiert. Stattdessen sind es hochgezüchtete Luxusprodukte, wenn auch günstigere B-Ware. Das macht mich zur Mariah Carey unter den „Crazy Cat Ladies“.

In den ersten Monaten beäugte mich die eine Hälfte meines Freundeskreises misstrauisch. Man fragte sich, wann ich anfange, Selbstgespräche zu führen. Oder ob meine Ehe in Gefahr sei, weil ich zu sehr damit beschäftigt bin, Kratzbaum-Wälder in der Wohnung anzulegen und an meinem kostenlosen Katzen-Gedichtband mit dem Titel „Miau für lau“ zu arbeiten.

Die andere Hälfte meines Freundeskreises bedachte mich mit dem Satz: „Das hätte ich nicht von dir gedacht“ – plus Mitleidsblick und dem unausgesprochenen Zusatz: „ ... dass du das nötig hast.“

Ich bin jetzt eine dieser „Crazy Cat Ladies“

Katzenbesitz wird ja popkulturell mit weiblicher Vereinsamung gleichgestellt. Okay, die Biester versauen die Urlaubsplanung, kosten ein Schweinegeld, kratzen und erbrechen – und das ist offenbar nur deshalb zu ertragen, weil sie Fehlendes kompensieren. Insbesondere natürlich einen fehlenden Partner oder Kinder. Dass ich keine Kinder habe und über 40 bin, macht die Sache also richtig verdächtig. Auch für meine Schwiegermutter, die mir sofort ein Paket mit Katzenspielzeug schickte. Meine Mutter wiederum erkundigt sich regelmäßig, wie es „den Kleinen“ denn so geht. Mein Bruder hat übrigens einen röchelnden Mops, den sie nicht ausstehen kann. Sie nennt ihn „das Tier“. Aber das nur nebenbei.

Ich hatte schon einmal eine Katze, mit Mitte 20. Doch die galt als hamsterähnliches Relikt aus der Kindheit und wurde kommentarlos akzeptiert. Aber ab einem bestimmten Alter kann man niemandem mehr weismachen, dass man Tiere schlicht mag und sie gern um sich hat.

Was ich weiß, aber niemand glauben will: Keiner meiner Kater soll Freunde ersetzen. Meine Kater sind auch nicht meine Kinder. Es sind Tiere. Genau als solche bereichern sie mein Leben und machen alles ein bisschen schöner. (Und haariger.) So einfach ist das. Aber das glaubt mir eh keine Sau.