Ordnungsfreaks mit Steingärten: Ihr seid doch nicht mehr sauber!

Überall Kieselvorgärten, Platten, Geröll und Steinmauern... Weil Blumen und Sträucher zu wild aussehen. Ja nee, ist klar!

von Marie Stadler

Freunde.... wir müssen reden. Und zwar über Unordnung. Zunächst aber über Ordnung. Mit der kennt ihr – die Kieselvorgartenexperten – euch ja auch besser aus. Ihr wisst, wann was abgeschnitten werden muss, wie man verhindert, dass überhaupt irgendwas wächst und ihr seid Profis darin, eine unüberwindbare Festung zu bauen, damit sich auch ja kein Insektchen zwei Meter zu nah an eure Hausmauern wagt. Ih pfui, Insekten, die sind Natur. Und Natur ist böse. Weil sie ein bisschen eklig und vor allem sehr sehr unordentlich ist. Ja, es ist hart. Aber ganz vielleicht ist die Natur ja gar nicht das Problem, sondern eure Wohnzimmermentalität, die ihr leider mit nach draußen nehmt. 

Erzähl das mal einem Bewohner der Wüste

Nichts gegen ein sauberes Wohnzimmer und Gästehauspuschen. Jedem das seine. Vor allem in den eigenen vier Wänden. ABER die "Gärten des Grauens", wie sie im Internet gerne genannt werden, sind echt eine Beleidigung für die Anstrengung meiner Augen und meines Hirns, mir ein scharfes und richtig herum gedrehtes Bild zu liefern. Einfangen, bündeln, projizieren, scharf stellen, belichten, umdrehen, puh, echt eine Hochleistung... nur um dann – tadaaa – eine einwandfreie Darstellung einer grauen Einöde zu sehen, die mir direkt das Blut apokalyptisch in den Adern gefrieren lässt. In Deutschland, einem Land, in dem 590 Liter Regenwasser pro Quadratmeter und Jahr fallen. Nun ja. Erzähl das mal einem Oasenbewässerungsbeauftragten in der Wüste. Dass es hier Menschen gibt, die mit Unkrautvlies, Steinen und Pflanzengift verhindern wollen, dass vor ihrer Haustür bunte Blumen und in ihren Beeten grüne Stengel aus der Erde wachsen. Der lacht sich scheckig. Ich lach nicht. Und das hat leider noch mehr Gründe als ästhetische. 

Bitte nicht der Regenwald

Ich bin mir sicher, ihr unterschreibt gerne gegen die Abholzung des Regenwalds. Toll, wirklich toll! Weit weg ist Natur nämlich super. Nur hier ist sie halt ein bisschen BÄ, ich weiß. Weil sie total unordentlich ist. Allein der Herbst, dieses Scheusal. Macht einem einen Haufen Arbeit. Blatt für Blatt muss man auflesen. Äste muss man kleinhäckseln. All die kleinen Halme ausrotten, die es durch die Unkrautfolie geschafft haben. Denn ganz ehrlich: Wer will denn bitte, dass ein Igel unter dem Laub überwintert? Und wer möchte sehen, wie ein Vogel im Winter noch Insekten in den Astlöchern findet? Und wieso sollte man Gras dulden? Gras ist nicht mal legal in Deutschland, verdammt! Echt ey. Alles romantischer Firlefanz, und außerdem eure Sache.

Was ihr anrichtet mit eurem Wahn

Ihr sagt, es geht mich nichts an, wie es in euren Gärten aussieht? Ihr habt (ein bisschen) Recht. Wie ich eure paar Quadratmeter finde, kann euch schnurz sein. Leben und leben lassen, nicht wahr? Was meine Augenanstrengung angeht, liegt ihr richtig. Nicht euer Problem. Aber was die Bienen, die Igel, die Vögel, die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht angeht, da sitzen wir nunmal alle im selben Boot. Und jede zugepflasterte Fläche stört dieses Gleichgewicht massiv. Wir sind eh schlimme Schmutzfinke, was das betrifft. Lasst es uns also bitte nicht komplett übertreiben. Ja, der Regenwald ist wichtig. Aber jeder Vorgarten ist es auch. Und auch, wenn man das ganze Gutmenschtum mal aus der Gleichung rausstreicht: Sie sind hässlich. Superhässlich. Und peinlich. Finde offensichtlich nicht nur ich... 

Gärten des Grauens

Auf dem Instagram.Kanal "Gärten des Grauens" werden die grausigsten Vorgärten und Gärten gezeigt. Mal einen Blick riskieren? Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt... 






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