PMS-Wut: Hilfe, meine Familie schwebt in Gefahr

Wenn Männer die Gefühle von Frauen auf ihre Hormone reduzieren, könnte unsere Autorin schreien. Eigentlich ist sie nämlich ganz froh über die PMS-Wut, die sie einmal im Monat überkommt.

von Marie Stadler

Ich spüre es schon beim Aufwachen: Es ist mal wieder so weit. Ich, eigentlich umgänglich, unkompliziert und nett, mutiere zu einem unzufriedenen Zombi. Schon das Aufstehen fällt mir schwerer als sonst und wer zum Teufel hat nochmal diesen besch******* Weckton eingestellt? Ach ja, ich. Bescheuert! Ich stoße mir beim Ins-Bad-Schlurfen den kleinen Zeh und ärgere mich, noch während ich vor Schmerz wüst fluche, über unseren zu hoch hängenden Spiegel über dem Waschbecken. Leider ist er aber niedrig genug, um mir die beiden Pickel zu offenbaren, die sich am Kinn durch schmerzende kleine Knubbel ankündigen, als wäre ich 14. Nein, die Tage vor den Tagen sind nicht einfach mit mir. Vor allem für mich selbst. 

Hilfe, meine Familie schwebt in Gefahr

Als wäre das Leben mit mir selbst an diesen Tagen nicht hart genug, steht dann auch noch der Rest der Familie auf. Einer nach dem anderen kommt mit seinen Nöten zu mir. Der eine hat keine Socken mehr, der nächste mag den Käse nicht, der aufs Schulbrot soll, das Pubertier hat verschlafen und will gefahren werden, der Mann findet sein Handy nicht. Ich könnte doch mal kurz anklingeln. Ein Morgen wie jeder Morgen, nur ich hab heute keine Geduld. Ich atme kurz... dann flipp ich aus. Denn auch ich muss heute morgen zur Arbeit. Deshalb habe ich mir schon abends meine Sachen zurecht gelegt, bin rechtzeitig aufgestanden und sehe verdammt nochmal echt nicht ein, selbst zu spät zu kommen, nur weil die anderen all das nicht getan haben. 

Warum ich froh um die PMS-Wut bin

Wenn irgendwer nun meint, ich sei an diesen Tagen eine Zumutung, der hat ganz sicher recht. Das bin ich. Mich jetzt auf meine Hormone zu reduzieren und meine allmonatlichen Ausraster zu belächeln, wäre trotzdem falsch. Denn ich bin froh, dass meine Sicherung zumindest einmal im Monat genau dann durchbrennt, wenn sie überlastet wird. Viel erschreckender ist es doch eigentlich, dass sie das sonst nicht tut. Im Grunde sind meine Hormone kurz vor Zyklusende sowas wie Wahrheitspillen. Sie bringen raus, was ich sonst manchmal selbst nicht spüre. Dass es unfair ist, wenn alle ihre Probleme zu meinem machen und dass die Kinder ihre blöden Schulbrote selbst schmieren sollen, wenn ihnen der Käse nicht passt. Oh, und außerdem, dass es mehr als bescheuert ist, den dämlichen Aufwachton "Sonnig" einzustellen, der eigentlich "saunervig" heißen müsste. 

PMS macht mich zu einer besseren Mutter

Ich gebe es also zu: Die echte Ich-Version kommt selten zum Vorschein, eigentlich nur einmal im Monat. Das freut mich für mich und meine Mitmenschen, denn offensichtlich bin ich in der Rohversion ganz schön anstrengend, auch für mich selbst. Gut also, dass ich meist die Haltung wahre und geduldig tue, aber ich bin trotzdem froh um meine unzensierten Momente. Da kommen Beziehungskamellen auf den Tisch, die mich sonst auffressen würden, ich setz Erziehungsziele um, für die mir sonst der Elan fehlt und danach fühlt sich mein Geist so klar an wie die Luft nach einem fetten Gewitter. Ich glaube, am Ende macht es mich sogar zu einer besseren Mutter, dass mich das Hormonchaos zwischendurch ausflippen lässt: Ich versteh meine Pubertier-Tochter nämlich besser als ihr Vater es je könnte. Wenn sie rumkeift, tötende Blicke versendet, mit den Augen rollt und die Türen knallt, dann weiß ich, dass ich gut zuhören muss. Denn manchmal liegt die Wahrheit nämlich im Sturm und nicht in der Ruhe. Also hört verdammt nochmal gut zu, wenn es stürmt um euch herum, liebe Männer. Es könnte wichtig sein, was wir brüllen.