Schatz, da steht ein Klo in unserem Schlafzimmer!

Modernes Hotelbadezimmerdesign wirkt vielleicht offen und schick – hat mit Privatssphäre aber wenig zu tun. Unsere Autorin kann sich Romantischeres vorstellen, als morgens mit Blick auf ihren Liebsten auf dem Klo aufzuwachen.

von Paula Becker

Urlaub ist das Beste für jede Beziehung. Nein, nicht voneinander – miteinander! Ja klar, viele Partnerschaften gehen gerade direkt nach dem Urlaub auseinander, unken jetzt viele. Das waren dann aber die, die eh schon nicht mehr zu retten waren, glaube ich. Für Paare, die im Alltag nicht immer genug Zeit füreinander finden, können so ein paar gemeinsame Tage wahre Wunder bedeuten. Dachten wir.

Besonders als wir dieses kleine, frisch renovierte Boutique Hotel unter der Sonne Spaniens im Internet fanden. Modern und in überwiegend strahlendem Weiß eingerichtet, mit hellen Holzmöbeln und schicken maritimen Glasaccessoires – ja hier könnten wir ein paar entspannende Tage der Zweisamkeit verbringen, da waren wir uns sicher.

Nicht meine Art der Zweisamkeit

Meine Mutter sagt manchmal abfällig über allzu aneinander klebende Pärchen, dass "die miteinander bis auf die Toilette gehen". Natürlich meint sie das nicht wörtlich, sondern das ist einfach die groteskeske Übertreibung, die sie sich vorstellen kann. Dennoch hatte ich genau dieses Bild vor Augen, als ich dann endlich in unserem "romantischen" Hotelzimmer stand. Dieses Zimmer war nämlich tatsächlich genau ein Raum – bestehend aus Schlaf- UND Badezimmer! Immerhin gab es eine Schiebetür zur Dusche – aus Milchglas. Das WC hingegen stand so gut wie frei im Raum, drei Armlängen entfernt vom Kopfende des Bettes, daneben Waschbecken und Spiegel. Einzig die dieses Bild umrahmenden Fliesen schienen eine Trennung zwischen Bad- und Schlafbereich zu markieren. Mir war direkt klar: Auch nach vielen Jahren Partnerschaft ist und bleibt dies nicht meine Art der Zweisamkeit. Nicht daheim, nicht im Urlaub, nirgendwo. Da muss ich Mutti diesmal tatsächlich Recht geben.

Völlig überrascht von diesem Szenario war ich dennoch nicht. Vor einigen Jahren hatte ich bereits ein ähnliches Hotel-Erlebnis mit einer sehr, sehr frischen Liaison. Die ganze Nacht lag ich wach und traute mich nicht aufs Klo. Auch nicht im Dunkeln. Er hätte doch immernoch das Plätschern gehört!  Welche Art von satanischem Hoteldesigner hat sich das eigentlich ausgedacht?

Ich möchte keine Sonnenkönigin sein

Klar, der Raum insgesamt wirkt so größer, offener, das macht mehr her fürs wenige Geld. Aber kann denn das das Problem des Hotelgasts sein? Sollen sie doch einfach größere Zimmer bauen – mit einem extra GESCHLOSSENEN Badezimer gleich nebenan!

In der neunten Klasse erzählte uns unsere Geschichtslehrerin, dass es für den Hofstaat Ludwig des XIV. eine besondere Ehre war, morgens an seinem Toilettenritual teilzunehmen. Das fand ich furchtbar und furchtbar faszinierend zugleich. Und ich war heilfroh, dass in unserem Jahrtausend und Kulturkreis die Privatssphäre inzwischen eines der höchsten Güter war – gerade wenn es um die Intimhygiene ging.

Diesen Fortschritt scheinen die Architekten modernen Sanitärdesigns nun rückgängig machen zu wollen. ODER WAS? Manchmal fragt man sich doch wirklich, was die damals im Studium eigentlich geraucht haben.

Der Urlaub war dennoch wunderbar für die Beziehung. Voller gutem Essen, schöner Strandtage und einem Balkon auf den so gut wie immer die Sonne schien. Und auf den man gehen konnte, um dem anderen eine kurze Pause von der Zweisamkeit zu gönnen. Genau. Ihr wisst schon was ich meine.