Selbstsicherheit: Warum wir nicht immer alles erklären sollten

Entscheidungen zu rechtfertigen, kostet Zeit und wirkt unsicher. Deswegen sollten wir öfter einen Punkt machen, findet unsere Autorin.

von Viola Kaiser

Das mit dem Punkt ist richtig. Tatsächlich kann es aber auch ein Ausrufezeichen sein. Ja, ein Ausrufezeichen ist sogar noch besser! Frauen haben nämlich sehr häufig ein Problem: Sie rechtfertigen sich für Dinge, die absolut okay sind. Das ist anstrengend und vor allem unnötig. Dabei ist es gar nicht schwierig diesen Automatismus abzustellen.

Überklärung bringt nie was. Sie nervt höchstens.

"Ich kann am Samstag nicht, weil Christian nicht da ist, um auf die Kinder aufzupassen. Wir hatten das eigentlich anders geplant, aber jetzt geht es nicht, weil Thomas Christian dringend braucht für den Umzug, Martina muss nämlich arbeiten", übererklärte meine Freundin Daniela neulich einen Sachverhalt. Überklärung bringt aber nie was. Sie nervt höchstens. Sagen wir mal so: "Ich kann am Samstag nicht" und dann ein Punkt hätte auch gereicht. Versteht ja jeder. Wenn es nicht gerade um einen Notfall geht zumindest. Und darum ging es in diesem Fall nicht, sondern nur um einen gemeinsamen Kinobesuch. Natürlich war Danielas ausuferndes Erklärbedürfnis mir gegenüber völlig in Ordnung, im Büro oder beim Elternabend hätte es eventuell die falsche Botschaft gesendet. Eine, die Daniela als leichtes Opfer, als unsichere Kandidatin, als die, die man doch besser noch mal fragt (bis sie ja sagt), ob sie nicht doch vier Kuchen backen und außerdem den Rasen mähen  kann...

Es kostet nur Zeit – und wirkt unsicher

Daniela ist nicht mal eine Person, die sehr viel redet, sie ist nur ein gutes Beispiel für Menschen (davon sind etwa 99 Prozent Frauen), die dazu neigen, erklären zu müssen, was sie tun – oder besser gesagt nicht tun. Das bringt nämlich nie etwas. Es kostet nur Zeit und wirkt wenig selbstbewusst. "Ich habe keine Kapazitäten für die vier Zusatzaufgaben im Büro" kann man ruhig mal so stehenlassen. Ganz ohne Zusatz. Ich habe selten weniger Widerspruch erhalten, als das eine Mal, als ich gefragt wurde, ob ich Elternvertreterin werden möchte und laut antwortete "Das mache ich auf gar keinen Fall!". Ich muss das mit so inbrünstiger Überzeugung von mir gegeben haben, dass alle mich kurz verdutzt anguckten und dann andere mit diesem leidigen Thema belästigten.

So klingt Selbstsicherheit!

Wie ich es geschafft habe? Ich wusste, ich muss das nicht erklären, weil ich ein anderes Amt hatte. Ich wusste, es war völlig okay, das so zu sagen und ich war absolut überzeugt von dem, was ich da von mir gab. Ich war mir hundertprozentig sicher.  Und selbst wenn etwas nicht okay wäre, würde sich zu rechtfertigen oder stundenlang umständliche Erklärungen abzugeben, auch nicht helfen. Der Sachverhalt bleibt ja derselbe.

Menschen denken ohnehin das, was sie denken wollen, daran kann man nur sehr bedingt etwas ändern. Es kann außerdem wirklich sehr befreiend einfach mal "Das möchte ich nicht" zu sagen. Nachdrücklich und bestimmt. So klingt Selbstsicherheit. Das ist kein Straftatbestand, sondern völlig legitim. 

Zusätze sind absolut überflüssig – nicht nur bei Zigaretten 

Was also tun, wenn man zu den Rechtfertigern und Erklärern gehört? Üben. Üben. Üben! Es ist ganz einfach, sich in schwierigen Situationen liebevoll daran zu erinnern, dass das alles verschwendete Zeit ist. Mit manchen Dingen ist es nämlich wie bei Fertigessen und Zigaretten: Zusätze sind absolut überflüssig. 

Wer hier schreibt:

Viola Kaiser
Themen in diesem Artikel