Sex, Crime und Trinkgelder: 3 Zimmermädchen packen aus

Zimmermädchen kennen oft intime Details der Gäste. Die sind mal komisch, oft aber auch eklig. Hier gewähren sie uns den Blick durchs Schlüsselloch

von Stefanie Höfle

Lieblingsgäste

Magda Nowak: In ein Luxushotel checkte regelmäßig ein echt schräges, aber sehr nettes Paar ein. Er um die 40, sie Anfang 70. Beide sehr verliebt ineinander und von Kopf bis Fuß in Latex gekleidet. Ich musste die ganze Zeit kichern, wenn ich um deren Klamotten, die sie gern auf dem Boden ausbreiteten, diskret herumputzte.

Jacob Tomsky: Ein berühmter Schauspieler – aus der Liga Tom Hanks – hatte mal das Penthouse für um die 10 000 Dollar die Nacht gebucht, während seines Drehs in New Orleans. Als meine Kollegin zum Putzen kam, bat er sie, sich zu setzen und auszuruhen. Sie nahm irritiert Platz, und er spielte ihr eine Stunde etwas auf dem Piano vor. Dann bat er sie, nur alle vier Tage zu reinigen, das würde genügen.

Stefanie Hirsbrunner: Stammgäste, für die Luxus alltäglich ist, sind mir die liebsten. Ich erinnere mich da an Claudia Anders, die Frau des Modern-Talking-Sängers Thomas. Sie begegnete allen immer sehr freundlich, nie arrogant. Und jeder bekam viel Trinkgeld.

Respekt

Jacob: Meine Theorie zur Respektlosigkeit mancher Gäste: Viele Menschen werden im Hotelzimmer wieder zu Kindern. Alles stehen und fallen lassen, rumsauen. Die Mutti, also wir, werden es schon richten.

Stefanie: Während der Ausbildung routiert man oft – Roomservice, Putzkommando, Rezeption. Es war sehr interessant, wie unterschiedlich ich in den jeweiligen Uniformen behandelt wurde. Im Hosenanzug wurde ich höflich gegrüßt und ernst genommen. In der Putzuniform war ich für viele Gäste wie Luft.

Ekelmomente

Magda: Nach einer Firmenfeier hat sich jemand übergeben, quer durch das ganze Zimmer. Das war überall: auf dem Teppich, im Bad, im Bett, sogar die Wand war voll. Da war leider nichts mehr mit Putzen, das Zimmer musste renoviert werden. Ich frage mich bis heute, wie ein Mensch so etwas hinbekommt.

Stefanie: Ein Gast rief an und wollte, dass wir seine Schuhe reinigen. Als ich hochkam, stand schon mein Kollege vor der Tür und starrte sprachlos auf die eleganten Budapester. Erst dachten wir, sein Hund hätte sein großes Geschäft in die Schuhe gemacht. Aber er hatte gar keinen. Wir machten alles sauber und polierten das Leder. Ohne ein Sterbenswörtchen stellten wir das Paar zurück. Das nennt sich dann „Service First“, 5 Sterne.

Jacob: Manche Gäste checken aus und gehen mit der angeblich verlorenen Zweitkarte noch mal aufs Zimmer, nachdem geputzt wurde – zum Beispiel für einen Quickie. Wenn der nächste Gast dann ein zerwühltes Bett mit Sexflecken und gebrauchten Kondomen vorfindet, dann ist das echt unangenehm.

Sex and Crime

Stefanie: Wir hatten einen Gast, der immer seine Unterwäsche auf dem Balkon zum Trocknen aufhing. Mich hat er einmal mit den Worten „Ich habe da schon mal etwas vorbereitet“ empfangen – im Pay-TV lief ein Porno. Es kam auch schon mal vor, dass er weibliche Angestellte anfasste. Das Schlimmste daran war, dass die Hotelleitung das abtat. Die redeten nur von „dem nackten Irren“, der ja harmlos sei. Keine Rüge und erst recht keine Anzeige.

Magda: Das ist mir zum Glück nie passiert. Dafür hatten wir einen Gast, der immer im Cowboy-Look kam und vorab schon mal 100 Euro Trinkgeld gab. Weil er wusste, dass er uns eine Menge Arbeit machen würde. Das haben wir einmal mitgemacht, danach haben wir sein Bett mit Gummilaken bezogen. Ist heute übrigens überall Standard.

Jacob: Ich kam mir manchmal vor wie bei der Spurensicherung. Mein Scannerblick beim Zimmercheck fand jedes Schamhaar. Wenn ich heute als Gast ein Hotelzimmer betrete, gehe ich zwanghaft die Checkliste durch, gucke unters Bett, schaue, ob alles in der Minibar ist.

Stefanie: Gäste klauen aber auch alles – von der Plastikblume auf dem Klo bis zur kompletten Inneneinrichtung. Keine Ahnung, wie das geht. Das hatte im 5-Sterne-Hotel keine rechtlichen Folgen. Als hingegen eine Kollegin mal eine alte Ananas mitnahm, die sonst im Müll gelandet wäre, flog sie raus. Zimmermädchen verdienen rund 1000 Euro netto, etwa genauso viel kostet eine Nacht in einem Luxushotel.

Trinkgeld

Magda: Wird für uns leider oft vergessen. Oder die böse Hausdame krallt sich das Trinkgeld schon vorher beim Zimmercheck. Daher mein Rat an Hotelgäste, die fair sein wollen: Verstecken Sie das Trinkgeld so, dass es erst von der Putzfee beim Wischen gefunden wird.

Jacob: Die höchste Summe, die ich gekriegt habe, waren 300 Dollar von einem Businessmann, der mir meine Hilfsbereitschaft dankte. Ich glaube, dass es Karmapunkte gibt, wenn man Menschen anständiges Trinkgeld gibt, und gebe immer reichlich. Dafür bekomme ich meist Upgrades und eine besondere Behandlung.

DIESE GESCHICHTEN trugen sich alle in 5-Sterne-Hotels rund um den Globus zu. Auch nachzulesen in „Hotel Fünf Sterne – Reichtum, Macht und die Leiden einer jungen Angestellten“ von Stefanie Hirsbrunner (Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro) und in Jacob Tomskys Enthüllungsbuch „Wer eincheckt, hat verloren“ (Ullstein, 8,99 Euro). Der Name Magda Nowak ist erfunden, ihre Geschichte aber nicht.

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