Studie: Kleine Dino-Fans sind besonders intelligent

Wenn dein Kind von morgens bis abends über den Archaeopterix, den Albertosaurus und die Jagdtalente des Velociraptors referiert, ist es wahrscheinlich überdurchschnittlich intelligent. 

von Marie Stadler

Mein Sohn ist ein Dino-Fan. Er mag die ausgestorbenen Tiere nicht nur, er atmet sie. Morgens gilt sein erster Gedanke der Frage, ob ein Velociraptor schneller ist als ein Microraptor. Nach der Kita sitzt er stundenlang über ein Dino-Sachbuch gebeugt und vergleicht, ob die Schleichdinos auch wirklich die richtige Anzahl an Krallen haben. Abends würde er sein letztes Hemd dafür geben, eine (seien wir ehrlich: zwei) Folgen "Dino-Dana" zu gucken und beim Einschlafen möchte er sein "Was ist Was: Dinosaurier und ausgestorbene Tierarten"-Hörspiel hören. Klingt lustig, ist es eigentlich auch. Aber anstrengend finde ich es trotzdem manchmal, völlig ungefragt auch selbst zum Dinosaurier-Experten zu mutieren. Kommste ja nicht raus, aus der Nummer. 

Besonders Jungs interessieren sich für Fakten

Jedes dritte Kind im Alter zwischen 2 und 6 Jahren entwickelt ein sogenanntes "intense interest", also eine besonders starke Fixierung auf ein Thema wie Astrologie, Pferde oder eben Dinos. Während Mädchen eher dazu tendieren, ihre Interessen im phantasiereichen Spiel auszuleben, werden Jungs oft zu wahren Informationsschwämmen. Ganz besonders beliebt: Dinos. Die lateinischen Fachbegriffe, Merkmale und Lebensgewohnheiten der Urzeitechsen werden richtig aufgesogen und egal wo auch gerne (ungefragt) zum Besten gegeben. Da erfährt man dann im Ikea-Gang nebenbei alles über den gefährlichen Schlagschwanz des Ankylosaurus und soll mit Messer und Gabel beim Abendbrot üben, Gesteinsschichten vorsichtig abzutragen, falls man nicht doch mal noch eine Karriere als Paläontologe einschlagen möchte. Wer weiß das schon so genau?

Studie besagt: Kinder mit "intense interests" werden besonders intelligent

Das Thema ihres "intense interests" wählen die Kleinen ganz unabhängig von den Interessen der Eltern. Durch den großen Wissensdurst in  diesem einen selbstgewählten Bereich schulen kleine Dino-, Astro- und Pferdefans ganz intuitiv ihre kognitiven Fähigkeiten. Ganz besonders wenn es um Dinos geht, konnten die Wissenschaftler eine höhere Aufmerksamkeit, eine größere Kapazität für die Informationsverarbeitung und eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit feststellen. Ihre Erklärung dafür: Da Dinosaurier als ausgestorbene Tiere nicht zu der natürlichen Erlebniswelt der Kinder gehören, ist eine gründliche Forschung notwendig, um sich Fachwissen anzueignen. Diese Forschung schult die Kinder ganz automatisch in den genannten Kompetenzen, was ihnen zum Schuleintritt große Vorteile verschafft.

Wie man als Eltern unterstützen kann

Auch wenn Eltern offensichtlich keinen großen Einfluss auf die Wahl des Themas haben, ist ihre Unterstützung laut Forschung sehr wichtig für den Erhalt des Interesses. Denn nur mit genügend Input kann ein Kind, das noch nicht selbst lesen kann, seinem Hobby wirklich nachgehen. Was man tun kann? Sachbücher vorlesen, Dokus schauen und ins Museum gehen mit den Kids, solange sie es noch spannend finden. So viel Spaß wird ihnen Lernen nie wieder machen! Und auch wenn der Fachbereich vielleicht nicht der unserer Träume ist: Es kann nie verkehrt sein, sich ein bisschen weiterzubilden, auch um ein tolles Gesprächsthema mit seinem Kind zu haben. Selbst wenn es der Ankylosaurus-Schwanz ist. Irgendwann werden wir all das Wissen brauchen. Ganz bestimmt! Sollte es zum Beispiel tatsächlich je gelingen, Dino-DNA herzustellen und einen Jurrassic-Park zu bauen: Wir werden überleben, wenn der T-Rex ausbricht. Schließlich wissen wir alles über ihn. Und dann werden wir verdammt dankbar sein für unsere superklugen kleinen Dino-Experten, die uns als Vierjährige so gut ausgebildet haben.

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