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Unterhaltspflicht: Wenn der Vater für die Kinder nicht zahlen will

Unterhaltspflicht für Kinder: Wenn der Vater nicht zahlen will
© Getty Images
Wenn Eltern sich scheiden lassen, stehen dem Elternteil, bei dem die Kinder leben, Unterhaltszahlungen zu. Doch oft führt die Unterhaltspflicht zu ewigem Streit, in dem - egal, wie er ausgeht - die Kinder verlieren.
von Marie Stadler

Wenn über Unterhalt gesprochen wird, scheint alles ganz einfach. Hört man dem Vater zu, schüttelt man den Kopf über die böse Ex. Spricht man mit ebendieser, hört sich alles schon ganz anders an. Auch gern gehört: Die neue Partnerin, die das Geld des Partners ständig aufs Konto der Verflossenen wandern sieht. Dabei gerät aber ein wichtiger Fakt aus dem Sinn: Unterhalt ist für das Kind da. Doch das scheint in der Debatte kaum vorzukommen.

Vater zahlt keinen Unterhalt? Kind und Geld werden abstrahiert

In Deutschland werden jährlich viele hundert Millionen Euro an Unterhaltszahlungen vom Staat vorgestreckt. Grund dafür ist in den meisten Fällen nicht etwa fehlende Zahlungskraft der Väter, sehr viele der Nichtzahler oder Zu-spät-Zahler sind gut verdienende Männer. Laut einer Umfrage sind diese Väter aber nicht generell desinteressiert an ihren Kindern. Sie abstrahieren das Thema Geld einfach vom Kind und ihrer Liebe zu diesem. Dass das auch für dieses Kind schlimme Folgen haben kann, bedenken sie dabei oft nicht. Viele Männer gaben in einer Umfrage an, nicht einzusehen, „so viel Geld an die Ex“ zu zahlen. Dabei geben alleinerziehende Mütter im Durchschnitt prozentual an den Einkünften gemessen sogar mehr Geld für die Kinder aus als Paare, die noch zusammen sind. Außerdem können sie oft nicht so viel arbeiten gehen wie der Partner, da sie im Alltag die Kinderbetreuung übernehmen. Der Vorwurf, sie würden den Unterhalt für sich selbst nutzen, ist also zumindest in den meisten Fällen haltlos.

Umgangsrecht - Alle 14 Tage am Wochenende?

Doch wie so oft im Leben kann man auch diese Sache von der anderen Seite betrachten. Dass die Kinder im Alltag zumeist bei der Mutter leben, ist ja nicht unbedingt immer dem Unwillen der Väter geschuldet. Nur alle vierzehn Tage ein Wochenende mit den eigenen Kindern verbringen zu können, ist für viele Väter ein schmerzendes Übel, dass sie zum vermeintlichen Wohl des Kinders mittragen. Dass sie so aber kaum teilnehmen können am Leben der Kinder, eher der unbeteiligte Spaß-Onkel werden, während die Mutter all die wirklich wichtigen Momente miterlebt, stört die Bindung zwischen Vater und Kindern. Nah liegt da der Gedanke: Wenn SIE schon die Kinder haben darf, warum soll ich ihr dann noch mein Geld geben? Das das ein irrsinniger Zusammenhang auf Kosten des Kindes ist, ist leider nicht allen Vätern klar. Das sollte er aber. Denn das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Über das andere ist eine Debatte allerdings längst überfällig. Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, sollte auch mal der Umstand diskutiert werden, warum die Welt davon ausgeht, Kinder sollten grundsätzlich besser bei der Mutter aufwachsen als beim Vater.

Unterhaltspflicht verweigern ist auch keine Lösung

Es ist vielleicht zu viel verlangt, aber die eigentliche Lösung des Problems wäre Reden. Für Ex-Paare ist das aber noch schwerer als für Paare. Zu tiefe Verletzungen, zu große Eifersucht, enttäuschte Träume, Selbstvorwürfe, Überforderung mit der neuen Situation auf beiden Seiten... Wie soll man da eine gute Einigung finden? Eine gute Idee ist deshalb immer ein Vermittler, der hilft, die Gefühle des anderen zu verstehen und einen für alle gangbaren Kompromiss zu finden. Doch dafür nehmen sich die wenigsten Familien Zeit. Leider auf Kosten der Kinder. Denn wenn Mama über Papa herzieht und Papa kein Wort mehr mit Mama spricht, dann stellt sich das Kind – genetisch halb Mama, halb Papa - unweigerlich die schrecklichste Frage der Welt: Welcher Teil an mir ist nicht richtig? 
 


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