Warum ein Garten entspannender ist als jeder Meditationskurs

Zum Glück genügt ein bisschen Erde, eine Harke und einigermaßen gutes Wetter: Wer einen Garten hat, braucht gar keine Yoga- oder Achtsamkeitsübungen, glaubt unsere Autorin.

von Viola Kaiser

Eine Sache auf der Welt macht mich wirklich sehr glücklich: Rasen mähen! Allein der Duft. Und dann sieht man sofort, was man getan hat, schon während man mäht. Das fand ich schon als Kind toll, wenn ich meinem Vater geholfen habe. Bereits als Achtjährige wühlte ich außerdem gern in der Erde, vergrub Kartoffeln, erntete Möhren und Radieschen. Meine Eltern hatten mir ein kleines Beet an der Hauswand überlassen, mit dem ich machen konnte, was ich wollte. 

Danach wohnte ich in Buden mitten in der City und hatte nicht mal einen Balkon. Als ich dann endlich einen bekam, wurde mir schnell klar, dass ich Pflanzen vermisst hatte – und dass diese vier paar Quadratmeter einfach nicht alles sein konnten.

Ich wünschte mir auf einmal einen Garten für meine Kinder, damit sie wie ich früher auch Kartoffeln einbuddeln können und sehen, dass daraus noch mehr Kartoffeln werden. Ich wollte, dass sie Tomaten direkt vom Strauch pflücken und sich darüber freuen könnten. 

Der Garten beruhigt mich

Wir zogen also um. Jetzt haben wir einen sehr alten Baum, eine etwas mickrige Hecke und einen Nistkasten für Vögel. Wir haben Tomaten, einen paar Blumen und einen Zitronenbaum im Topf. Ich liebe diesen sehr kleinen, aber für mich absolut feinen Garten.

Im Herbst haben wir vor allem extrem viel Laub. Überall. Kurz habe ich überlegt, ob es mich sehr nervt, jeden Tag diese Riesenhaufen zusammenzuharken oder im Sommer jeden Abend zu wässern. Dann ist mir aufgefallen, dass es mich entspannt. Es ist – wie das Rasenmähen auch – simpel, es hat ein Ziel, es ist sinnvoll. Für mich ist das besser als jede Yogaübung oder eine Meditation. Auch wenn es dasselbe Resultat hat, es beruhigt mich und lässt mich zufrieden zurück. 

Laut Studie reduziert Gartenarbeit Stress

Nicht nur ich finde übrigens Gartenarbeit toll. Bei einer Studie des Marktforschungsinstituts Norstat im Auftrag des Herstellers Fiskars gaben ganze 69 Prozent der Befragten in Deutschland an, Gartenarbeit reduziere Stress und Nervosität. Auf den Seiten der TKK-Krankenkasse werden Gründe angeführt, warum Gartenarbeit so gesund ist. Es stärkt das Herz, die Muskeln, die Sinne und beschert uns selbstangebautes Obst und Gemüse.

Der Garten kann noch etwas, was ich woanders nie schaffe: Dort kann ich einfach auch mal nichts tun. Manchmal sitze ich einfach nur da und mache minutenlang wirklich rein gar nichts. Eins kann ich mit Sicherheit sagen: Seit ich den Garten habe, ist mein Leben schöner.  Stundenlang könnte ich zum Beispiel das Eichhörnchen beobachten Tatsächlich ist das sehr viel interessanter als eine Serie zu bingen. Entspannender ist es außerdem. Alleine der Anblick meiner blühenden Clematis macht mich wirklich froh – und es ist mir egal, ob das klingt, als wäre ich schrullig, 75 und trüge permanent  Strohhut.

Er hat mir den Perfektionismus abgewöhnt

Außerdem hat mich dieses Stück Natur eine Lektion gelehrt: Es hat mich dazu gezwungen, nicht perfektionistisch zu sein. Ich hatte erst ganz genaue Vorstellungen davon, was ich wo pflanzen wollte. Aber der Garten hatten andere Pläne für mich. Erst fraßen mir Schnecken alles weg, dann stellte ich fest, dass es in der Ecke, wo ich gepflanzt hatte, zu viel Schatten und mir die Hälfte aller Sträucher eingegangen war. Ich fing wieder von vorn an, kaufte neue Pflanzen, sammelte abends Schnecken von den Beeten, schnitt angefressene Blätter ab. Manchmal vergaß ich, wie spät es war und mein Mann rief irgendwann von drinnen, wo ich eigentlich bliebe. Dann hatte ich völlig vergessen, dass ich noch waschen oder fernsehen oder einen Text schreiben wollte. 

Das hätte ich mit einem Meditationskurs alleine niemals geschafft. 



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