Wieder hip? Warum genau machen jetzt alle Hausgeburten?

Als eine Bekannte in Berlin von ihrer glücklichen Hausgeburt erzählte, glaubte unsere Autorin noch an einen absoluten Ausnahmefall. Doch Geburten abseits von Krankenhäusern sind total im Trend.

von Franziska Steinberg

„Es war total schön. Und ich bin einfach so stolz auf mich, dass ich es ohne ärztliche Hilfe geschafft habe.“ Meine Bekannte berichtete von der Hausgeburt ihres ersten Kindes und ich hörte gespannt und ziemlich beeindruckt zu. Ist schließlich superselten, dachte ich. Doch nach ein paar Nachforschungen stellte sich heraus: Gefühlt entbindet der komplette Prenzlauer Berg zu Hause zwischen Stuck und Dielenfußboden. Die Nachfrage nach Hebammen, die Hausgeburten betreuen, ist mittlerweile kaum zu bändigen. Ehrlich gesagt: Meine ersten Gedanken waren, ob die denn nicht alle von guten Geistern verlassen worden sind? Das ist doch saugefährlich! Was da nicht alles passieren kann? Haben die sich denn überhaupt nicht informiert? Immerhin habe ich schon die eine oder andere Horrorstory von Freundinnen gehört – da war die eine Geburt schlimmer als die andere. Notkaiserschnitte aufgrund unregelmäßiger Herztöne, die Nabelschnur wickelte sich um den Hals des Babies, Ohnmachtsanfälle, nicht wirkende PDAs, böse Dammrisse – die Liste von Komplikationen ist lang. Was da nicht alles passieren kann! 

Pro: Warum entscheidet man sich also für eine Hausgeburt?

Unterhält man sich jedoch mit Frauen, die eine Hausgeburt planen oder erlebt haben, wird schnell klar: Diese Damen sind weder ängstlich noch uninformiert – der Vorwurf war sehr unbegründet. Sie sind ziemlich abgeklärt und wissen ganz genau um die Risiken und alles, was unter einer Geburt passieren kann. So gibt es auch einen Plan für eben einen solchen Notfall: Die Geburt wird von einer erfahrenen Hebamme – hat man denn eine gefunden – betreut und ein Krankenhaus über die anstehende Hausgeburt informiert. Im Notfall, der sich in der Regel rechtzeitig ankündigt, würde ein Rettungswagen die Gebärende ins nächstgelegene Krankenhaus fahren. Die Frauen, die sich für die Hausgeburt entscheiden, wissen auch sehr genau, woraus die meisten Komplikationen und sich ewig in die Länge ziehendem, kräftezehrenden Geburten resultieren: Nämlich durch eine unentspannte Schwangere, durch Ängste vor Krankenhäusern oder weißen Kitteln, durch das Verkrampfen, durch eine grausame Fahrt ins Krankenhaus, durch das Gefühl des Ausgeliefertseins an das medizinische Personal, das oftmals selbst sehr gestresst ist. Daher spricht doch einiges für die Geburt in den eigenen vier Wänden: Eine intime, vertraute Atmosphäre, Ruhe und eine Hebamme, die sich ausschließlich um die werdende Mutter kümmert und ganz auf ihre Vorstellungen und Bedürfnisse eingehen kann. Ist die Schwangere entspannt, kann auch die Geburt deutlich schneller und unkomplizierter vorangehen. So heißt es auch immer wieder, dass Hausgeburten als weniger schmerzhaft und schlimm empfunden als viele Klinikgeburten. Klingt schon verlockend, oder?

Contra: Was spricht gegen eine Hausgeburt? 

Verläuft die Schwangerschaft komplikationslos, geht’s der Schwangeren gut und traut sie sich selbst eine Geburt ohne ärztliche Begleitung zu, spricht grundsätzlich nichts gegen eine Hausgeburt. Das Go gibt hier der Frauenarzt. Liegt das Baby jedoch nicht korrekt im Becken, gibt es Probleme mit dem Muttermund oder ist die werdende Mutter durch die Strapazen der Schwangerschaft geschwächt oder gesundheitlich angegriffen, wird sich der Gynäkologe vermutlich gegen die Hausgeburt aussprechen und eine ärztliche Versorgung unter den Wehen anraten. Der Standort der Wohnung könnte ebenfalls ein Grund sein: Schnelle ärztliche Hilfe sollte in naher Umgebung im Notfall beispielsweise einen Kaiserschnitt durchführen können. Auch Probleme mit Diabetes oder Bluthochdruck sind oft ein Ausschlusskriterium. Gynäkologen sind hier mittlerweile etwas offener, aber doch noch immer sehr zögerlich dabei, einer Hausgeburt zuzustimmen. Und wie sehe ich das jetzt? Die Entscheidung obliegt letztendlich der Gebärenden selbst, ob sie den Mut hat, es mehr oder weniger allein durchzuziehen – dafür gemacht sind wir Frauen ja. Eigentlich. Mittlerweile kann ich die Motivation schon sehr gut nachvollziehen, warum man sein Baby nicht in einem sterilen und überfüllten Krankenhaus auf einem unsexy Gynäkologiestuhl bekommen möchte, sondern ganz entspannt im heimeligen Reich. Ganz so wie man es sich selbst vorstellt. Doch für viele werdende Mamas ist die Hausgeburt gegenüber der Geburt im Krankenhaus mit gesicherter medizinischen Versorgung weiterhin keine Alternative – so auch nicht für mich. 

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Warum Hausgeburt?
Wieder hip? Warum genau machen jetzt alle Hausgeburten?

Als eine Bekannte in Berlin von ihrer glücklichen Hausgeburt erzählte, glaubte unsere Autorin noch an einen absoluten Ausnahmefall. Doch Geburten abseits von Krankenhäusern sind total im Trend.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden