5 Alternativen zu Shampoo – ein Erfahrungsbericht

Tonerde, Mehl oder Waschnüsse statt Shampoo? So natürlich wie möglich ist umweltschonend. Aber macht das die Haare auch schöner? BRIGITTE-Autorin Silke Amthor hat es ausprobiert.

Wer seine Haare täglich wäscht, fragt sich manchmal, ob die gigantischen Schaumberge auf dem Kopf wirklich nötig sind. Oder ob sie das ohnehin noch nicht so fettige Haar durch Power-Tenside wie Sodium Laureth Sulfat oder Sodium Lauryl Sulfat vielleicht nur austrocknen. Auf die Idee, Haare sulfatfrei und damit sanfter zu waschen, sind mittlerweile alle großen Firmen gekommen.

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Milde Zucker-Tenside stecken heute nicht mehr nur in Biokosmetik, sondern inzwischen auch in vielen konventionellen Shampoos. Doch viele Frauen gehen noch viel weiter – und waschen ihr Haar komplett tensidfrei, auch No Poo (von No Shampoo) genannt. Und das mit so Kuriosem wie Tonerde, indischen Kräuterpulvern, Natron – oder sogar Roggenmehl! Oder sie lassen nicht mehr als Wasser und harte Bürsten an ihr Haar. Silke Amthor hat dafür einfach mal den eigenen Kopf hingehalten.

1. Indische Kräuterpulver

Ihre Namen muss man erst mal üben: Shikakai (asiatische Akazienart), Amla (Indische Stachelbeere) und Sidr (Christusdorn). Als fein gemahlene, hellbraune Pflanzenpulver werden sie in Asien traditionell zur Haarwäsche und -pflege verwendet.

Wie geht das? 1 bis 3 Esslöffel des jeweiligen Pulvers werden mit kochendem Wasser zu einem dünnen Brei angerührt und nach dem Abkühlen in die feuchte Kopfhaut einmassiert. 10 bis 20 Minuten warten, gründlich ausspülen.

Funktioniert es? Schaum ist Fehlanzeige. Nach dem Ausspülen fühlt sich das Haar allerdings bei allen drei Pulvern quietschsauber an. Nach dem Trocknen: Geschmeidigkeit, ein unglaublicher Glanz – und mein Haar kommt mir deutlich dicker vor. Nebeneffekt: Shikakai verleiht meinen ersten grauen Haaren einen ganz leichten Goldhauch.

Was steckt Gutes für die Haare drin? Sidr enthält die leicht basische Pottasche, die reinigend wirkt. Amla ist reich an Vitamin C und soll Enzyme hemmen, die für Haarausfall verantwortlich sind. Und in Shikakai stecken viele Pflanzengerbstoffe, die die Kopfhaut beruhigen und außerdem das einzelne Haar fester wirken lassen.

Kosten: 100 Gramm der Pulver kosten rund 5 bis 10 Euro, pro Wäsche braucht man 10 bis 30 Gramm (in Asia-Shops).

Das sagen die Experten: Dr. Stefan Duve, Dermatologe aus München: "Die Inhaltsstoffe sind gut. Tannine verwenden wir in der Dermatologie seit Jahrzehnten bei Entzündungen." Seine Kollegin, Dr. Yael Adler, Hautärztin aus Berlin, ergänzt: "Generell haben all diese Pulver eine leicht durchblutungsfördernde Peeling-Wirkung und saugen zudem sanft Fett von der Kopfhaut auf."

2. Mehl

(glutenfreie Mehle wie Roggen-, Kichererbsen- und Mungbohnenmehl)

In Indien waschen sich viele Frauen die Haare mit Mungbohnenmehl, in Deutschland steht Roggenmehl bei No-Poo-Aktivistinnen und Verpackungsmüll-Vermeiderinnen hoch im Kurs.

Wie geht das? 2 bis 3 Esslöffel Roggenmehl werden mit lauwarmem Wasser zu einem sehr dünnen, shampooähnlichen Mix verrührt; der wird auf das feuchte Haar von der Kopfhaut bis zu den Spitzen aufgetragen. Alles muss rund 5 Minuten einwirken.

Funktioniert es? Die Haare sind schon beim Ausspülen sehr weich, fast schon flutschig. Nach dem Trocknen fühlt es sich wie mit Schaumfestiger gestylt an.

Was steckt Gutes für die Haare drin? Roggenmehl enthält neben vielen Mineralien viel Vitamin B5 (Panthenol), das die Kopfhaut beruhigt und die Feuchtigkeit im Haar bindet. Zudem stecken Aminosäuren drin, aus denen sich Keratin, der Hauptbestandteil unserer Haare, zusammensetzt.

Kosten? 1 Kilo Bio-Roggenmehl kostet ca. 1,50 Euro. Mungobohnenmehl, 500 Gramm, gibt es für ca. 4 Euro (in Asia-Shops).

Das sagen die Experten: "Roggenmehl hat einen leicht sauren pH-Wert von 5,5, das gefällt der Kopfhaut", so Dr. Adler. "Der hohe Vitamin-B5-Anteil ist gut für Haare und Kopfhaut", so Dr. Duve.

3. Waschnüsse

Waschnüsse sind die haselnussgroßen Früchte des Seifenbaums. Ihre Schalen enthalten besonders viele Saponine, schaumbildende Substanzen auf Zuckerbasis. Die sollen nicht nur Kleidung (umwelt-)schonend sauber machen, sondern auch die Haare.

Wie geht das? Man wirft 5 bis 6 halbierte Waschnussschalen in 250 Milliliter warmes Wasser und lässt das Ganze am besten über Nacht im Kühlschrank ziehen. Oder kocht die Schalen für 10 Minuten in Wasser auf und schüttet es dann durch ein Sieb. Den gewöhnungsbedürftig riechenden Sud über das nasse Haar kippen, einmassieren (schäumt leicht) und sehr gründlich ausspülen.

Funktioniert es? Das Ergebnis steht und fällt mit der Wasserhärte. Zu Hause, in der Nähe von Potsdam, mit stark kalkhaltigem Wasser, bleibt nach dem Waschen immer ein schmieriger Film auf dem Haar, der es stumpf und leblos wirken lässt. Das nennt der Fachmann "Kalkseife". Die lässt sich durch eine sogenannte saure Rinse (1 Esslöffel Essig auf 1 Liter Wasser) etwas mildern. Auf einem Kurztrip in der Nähe von Dresden, wo sehr weiches Wasser aus der Leitung rinnt, ist das Resultat hingegen top: sauberes, fluffiges Haar, das so richtig nett schwingt. Für mich ist das Waschnuss-Ergebnis aber irgendwie zu unberechenbar...

Was steckt Gutes für die Haare drin? Neben den reinigenden Saponinen eigentlich nichts.

Kosten: 1 Kilo Waschnüsse kostet rund 10 Euro (z. B. über Amansi Products oder indische Läden).

Das sagen die Experten: Dr. Stefan Duve: "Saponine wirken gegen Pilze und Bakterien." Das bestätigt auch Haarexpertin Adler: "Saponine machen nicht nur sauber, sondern können sogar gegen Hefepilze wirken, die Schuppen verursachen."

4. Wascherde

Wascherde hört auch auf den Namen Lavaerde, Ghassoul oder Rasul. Sie besteht aus gemahlenem Ton, ist sehr mineralstoffreich und besonders in den Maghreb-Staaten als Seifenersatz beliebt.

Wie geht das? 2 bis 3 Esslöffel des Wascherdepulvers (es gibt auch Erdestückchen) werden mit der gleichen Menge lauwarmem Wasser übergossen. Das Ganze dann eine halbe Stunde quellen lassen, bis es gelig wird. Auf das feuchte Haar auftragen, in Haar und Kopfhaut ganz sanft einmassieren. Kurz einwirken lassen und gründlich ausspülen.

Funktioniert es? Die Tonerde, ob grün oder braun, und ich sind auch nach rund zehn Haarwäschen keine Freunde geworden. Nass fühlte sich das Haar immer wunderbar weich an, nach dem Trocknen war es stumpf und wirkte starr wie nach zu viel Haarspray.

Was steckt Gutes für die Haare drin? Neben den Mineralien ist es eher Physik, die da zum Tragen kommt: Mit Wasser angerührt, quillt die Erde enorm auf. Ihre einzelnen Partikelchen können dann besonders viel Fett und Schmutz aufnehmen, einhüllen und lassen sich zudem gut wieder ausspülen.

Kosten: 1 Kilo Wascherde kostet zwischen 15 und 20 Euro, pro Wäsche braucht man rund 20 Gramm (z. B. von Logona).

Das sagen die Experten: "Eine mögliche Alternative zu Tensiden. Allerdings sollte man bei geschädigtem Haar unbedingt darauf achten, die Erde nicht in das Deckhaar einzumassieren. Denn die mit dem Auge nicht sichtbaren, winzigen Kanten der Tonerdepartikel können sonst zu Schäden und Haarbruch führen", warnt Yael Adler. Stefan Duve bestätigt das: "Bei strapaziertem oder sehr trockenem Haar wäre ich mit Tonerde vorsichtig, sie kann mechanische Schädigungen verursachen."

5. Natron

Natron oder Natriumhydrogencarbonat heißt auch Speisesoda und ist Bestandteil von Backpulver. Es gilt als Hausmittel-Allrounder, soll schlechte Gerüche vertreiben, gegen Sodbrennen helfen sowie Flecken entfernen. Als Shampoo-Ersatz soll es die Kopfhaut entfetten.

Wie geht das? 1 Esslöffel Natron wird mit 1 Esslöffel lauwarmem Wasser verrührt, das Natron löst sich aber nicht vollständig auf. Dieser Mix wird nur in die feuchte Kopfhaut einmassiert und nach kurzer Einwirkzeit wieder ausgespült. Da die Natronlösung schwach basisch ist, sollte man den pH-Wert der Kopfhaut hinterher mit einer sauren Spülung (1 Esslöffel Essig oder Zitronensaft auf 1 Liter Wasser) absenken.

Funktioniert es? Das Einmassieren geht fix, das Ausspülen auch. Nichts schäumt, brennt oder juckt. Doch das Haar ist strohig und steif. Mit 1 Liter saurer Rinse fühlt es sich weicher an. Nach dem Föhnen wirkt das Haar flauschig und sauber, hat Volumen. Nur gegen Abend wird es starr. Dafür die Überraschung am nächsten Morgen: Meine Haarwäsche kann ich verschieben, keine Ölkrise am Ansatz! Und die Kopfhaut riecht selbst an Tag 3 ganz neutral.

Was steckt Gutes für die Haare drin? Pflegend ist an der Natronwäsche eigentlich nichts, sie reinigt die Kopfhaut nur recht gründlich ohne Tenside.

Kosten: 250 Gramm Natron kosten rund 1,60 Euro, pro Wäsche braucht man ca. 15 Gramm.

Das sagen die Experten: Dr. Stefan Duve: "Bei einer fettigen Kopfhaut kann Natron durchaus helfen. Allerdings sollte man das Haar immer sehr gründlich ausspülen, damit es zu keinen Reizungen durch Natronreste kommt." Dr. Yael Adler hält wenig davon: "Es ergibt überhaupt keinen Sinn, den normalerweise leicht sauren pH-Wert der Kopfhaut ins Basische zu verschieben. Neutralisiert man das Ganze nicht mit einer Essigspülung, kann die Haut anfälliger für Erreger werden."

Darf's auch nur Wasser sein?

Zum Ende meines Haarwasch-Experiments geht’s noch mal buchstäblich back to the roots. Eine Woche lang wasche ich mein Haar nur mit klarem Wasser. Das soll die Talgdrüsen erziehen, weniger Fett zu produzieren. In der Woche drauf sind weder Wasser noch Shampoo angesagt; ich soll ausschließlich mit einer recht harten Wildschweinborsten-Bürste kämmen, um das Fett von der Kopfhaut zu den meist trockeneren Spitzen zu verteilen.

Das Ergebnis: Ab Tag 4 nervt der fettige Ansatz. Noch mehr aber die Tatsache, dass die Kopfhaut irgendwie müffelt. An Tag 7 gebe ich auf und greife begeistert zum Shampoo. Und zwar zu einem mit richtigen Tensiden. Experiment gescheitert! Dr. Adler klärt auf: "Die Talgdrüsen sitzen sehr tief im zweiten Untergeschoss der Haut. Denen ist es ziemlich egal, was auf der Kopfhaut passiert. Sie produzieren unbeeindruckt weiter fleißig Fett."

Info

Die Kokosöl-Krise – für schneller langes Haar

Neben alternativen Haarwaschideen teste ich auch, ob Kokosöl die Haare schneller wachsen lässt. Dazu steige ich vier Wochen lang jeden Abend mit Ölpampe auf dem Kopf ins Bett – und dufte wie eine Kokosmakrone. Ich teste die Inversion-Methode, die mir aufgrund der verbesserten Durchblutung der Kopfhaut ein Haarwachstum von 4 cm pro Monat bescheren soll. Normal sind 1 bis 1,5 cm. Jeden Abend massiere ich dafür meinen Kopf mit Kokosöl. Vier lange Minuten. Ich starte mit 32 cm Haarlänge und muss jeden Morgen Haare waschen. 

Der Check an Tag 30: 2 cm sind dazu gekommen! Das liegt zwar über dem Durchschnitt, aber für den halben Zentimeter mehr ist mir das alles dann doch zu mühsam. Dr. Stefan Duve: "Neben der Tatsache, dass das Ganze ziemlich aufwendig ist, gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit."

Silke Amthor war überrascht, dass man mit Mehl, Natron & Co. tatsächlich Haare waschen kann.

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Wer hier schreibt:

Silke Amthor
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