Perfekte Pflege für jedes Haar

Zu dünn, zu dick, zu störrisch? Den meisten Frauen wachsen ihre Haarprobleme regelrecht über den Kopf. Zum Glück lässt sich mit guter Pflege und dem passenden Styling ganz viel tun

Kraus und widerspenstig? So sehen Locken einfach toll aus

Unsere natürliche Pflege, das Fett aus den Talgdrüsen, kann lockiges Haar nicht so leicht mit einem zarten Schutzfi lm überziehen wie glattes. Es bleibt einfach stecken, deshalb ist besonders naturkrauses Haar von den Ohren abwärts häufig trocken und braucht viel Feuchtigkeit. Pflegeprodukte für welliges Haar enthalten daher vor allem befeuchtende (hydratisierende) Wirkstoffe, zum Beispiel Rhabarbersäure. Um den Locken mehr Sprungkraft zu verleihen, setzen einige Shampoos und Conditioner zudem auf Inhaltsstoffe wie Aloe vera und Weizenproteine, die sich beim Trocknen zusammenziehen und so die Wellenstruktur unterstützen. Locken können durch ihre ungleichmäßige Oberfläche das Licht nicht so gut reflektieren und wirken schnell stumpf.

Fürs Styling ist deshalb eine Glanzlotion toll, die das Haar zum Strahlen bringt und gleichzeitig die Wellen betont. Wer seine Naturkrause dagegen lieber bändigen möchte, nimmt glättende Pflege- und Stylingprodukte mit dem Hinweis "Anti-Frizz" auf der Packung: Der hohe Anteil an pfegenden Silikonen und Ölen legt sich wie eine beschwerende Hülle ums Haar und zieht es in die Länge. Spezielle Finish-Sprays mit wasserabweisenden Pflegemolekülen (Polymere) sollen die Strähnen davor schützen, sich bei Feuchtigkeit sofort zu kringeln - das funktioniert zwar nicht bei einem richtigen Schauer, zumindest aber bei kurzem Nieselregen.

Weniger Haare, weniger Kraft? Das hilft bei älter werdenden Haaren

Mit etwa 30 beginnt das Haar jedes Jahr etwa 0,5 Prozent dünner zu werden. "Das liegt vor allem daran, dass die haareigenen Lipide abnehmen - bei Frauen ist es besonders das Cholesterol", erklärt Professor Dr. Jean Krutmann, Direktor des Instituts für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich- Heine-Universität in Düsseldorf. Am Anfang merkt man den Unterschied noch nicht so stark, mit etwa 40 wird das Haar aber spürbar feiner und brüchiger. Um das zu verhindern, wollen spezielle Pflegelinien die entstandenen Lücken z. B. mit Ceramiden und Proteinen auffüllen oder das einzelne Haar mit einem Polymerfilm umhüllen und ihm so mehr Fülle verleihen. Der Effekt hält bis zur nächsten Wäsche, dann lösen sich die Wirkstoffe und können durch neue ersetzt werden. Mit den Jahren kommt es häufiger zu Haarausfall - besonders nach Beginn der Wechseljahre, wenn der Körper vermehrt das männliche Hormon Testosteron produziert, auf dessen Abbauprodukte viele Frauen empfindlich reagieren. Um die Haarwurzel zu kräftigen, setzen viele Pflegelinien durchblutungsförderndes Koffein ein: Studien der Universität Jena bestätigen seine Wirkung, und neue Untersuchungen der Berliner Charité zeigen, dass es bereits nach zwei Minuten Einwirkzeit bis zum Haarfollikel vordringt. Eine weitere Möglichkeit sind Tinkturen mit dem Wirkstoff Minoxidil: Das Mittel wurde ursprünglich gegen hohen Blutdruck eingesetzt - erst später erkannte man, dass es auch Haare schneller sprießen lässt. Beim Auftragen muss man jedoch aufpassen: "Durch Verlaufen der Flüssigkeit kann es im Schläfen- und Wangenbereich zu verstärktem Wachstum kommen", so Dr. Gerhard Lutz, Hautarzt der "Hair & Nail"- Sprechstunde in Bonn. In einigen Ampullenkuren steckt der Wirkstoff Aminexil: Er regeneriert geschwächtes Bindegewebe, verhindert so, dass die Haarwurzeln zusammengedrückt werden, und sorgt für besseren Halt in der Kopfhaut. Viele Kosmetikhersteller wollen dem Haarausfall zudem mit Nahrungsergänzungsmitteln vorbeugen: "Allerdings helfen diese höchstens bei sogenanntem diffusem Haarausfall, der z. B. durch Eisenmangel, Crash-Diäten oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten kann", so Dr. Lutz. Ganz neu: ein Pflaster, das mit Rosmarin- und Hopfen-Extrakten die Überreaktion auf das männliche Hormon blockieren soll. Und eine Kopfhautlotion, die Mikrozirkulation und Sauerstoffversorgung der Kopfhaut mit dem Inhaltsstoff Adenosin optimieren und das Haarwachstum verbessern soll - Studien belegen bisher allerdings nur bei Männern einen Erfolg.

Coloriert, blondiert oder getönt? So strahlt die Farbe noch länger

Um die Farbpigmente ins Haarinnere zu schleusen, muss die natürliche Schutzhülle geöffnet werden - daher ist gefärbtes Haar häufig strapaziert und benötigt intensive Pflege. Feuchtigkeitsspender wie zum Beispiel Hopfen-Extrakte oder Panthenol helfen dabei, die Schuppenschicht zu regenerieren; so verblasst die Farbe nicht so schnell, und das Licht wird gleichmäßig strahlend reflektiert. Um den Farbton zudem vor ausbleichendem Sonnenlicht und anderen schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen, enthalten Pflegeprodukte für coloriertes Haar zusätzlich Antioxidanzien und einen UV-Schutz, in der Regel chemische Filter wie auch in Sonnenschutzprodukten für die Haut. Genau wie bei ihr hält der Schutz jedoch nur einige Stunden - in der Sonne muss man also immer wieder mit speziellen Schutzsprays nachsprühen. Praktisch sind auch Pflege- und Stylingprodukte, die zusätzlich Farbpigmente enthalten: Sie lagern sich von außen an das Haar an und frischen die Farbe zumindest bis zur nächsten Wäsche etwas auf. Dabei unterscheiden viele Kosmetikhersteller mittlerweile zwischen feinen Farbnuancen, zum Beispiel einem warmen und kühlen, hellen und dunklen Braunton. Für Blondinen funktioniert das nicht, hier sind sanft reinigende Inhaltsstoffe ideal, die von dunklen Rückständen befreien - und am besten selber farblos sind, so dass das helle Haar nicht getrübt wird und matt wirkt. Ebenfalls gut sind Shampoos und Conditioner mit lilafarbenen Pigmenten: Die Komplementärfarbe bringt die blonde Farbe richtig zum Strahlen und kann sogar einen leichten Gelbstich kaschieren.

Fein, schlapp, ohne Volumen? So bekommt dünnes Haar richtig viel Power

In Deutschland klagen die meisten Frauen über dünnes Haar: Immerhin 56 Prozent wünschen sich mehr Fülle, so eine Studie des Haarpflege-Unternehmens Kao. Ist das Haar gesund, lässt sich das mit speziellen Volumenprodukten erfüllen. Also mit Shampoos, die das Haar sanft von beschwerenden Rückständen befreien, Conditionern und Kuren, die weniger Ölanteil haben, und Stylingprodukten, die einen feinen Polymerfilm um jedes einzelne Haar legen und es so üppiger erscheinen lassen. Schwieriger wird es bei feinem, strapaziertem Haar: Es braucht besonders intensive Pflege, soll aber gleichzeitig nicht beschwert werden. In diesem Fall sollte man auf sogenannte 2-in-1-Produkte verzichten. Sie enthalten häufig hohe Konzentrationen an Pflegestoffen, die das feine Haar irgendwann schlapp herunterhängen lassen. "Besser ist es, Kuren für strapaziertes Haar wie einen Conditioner zu verwenden, also einfach kürzer einwirken lassen", so Dr. Elisabeth Poppe, Leiterin der Produktentwicklung Haarpflege bei Schwarzkopf & Henkel. Dabei ist zwar der Repair- Effekt des Haarinneren nicht ganz so stark, dafür wird die Kämmbarkeit verbessert und das Haar beim Bürsten nicht noch zusätzlich geschädigt. Außerdem sind es oft nur einzelne Partien, die intensive Fürsorge benötigen (z. B. die Längen oder der Hinterkopf), und der Rest sieht ohne Extrapflege besser aus. Beim Styling die Haare mit einer Skelettbürste gegen die Wuchsrichtung kämmen, föhnen und anschließend auf mehrere Rundbürsten gewickelt ein paar Minuten auskühlen lassen. Ab und zu kann man auch mal die Ansätze toupieren und mit Spray fixieren - das stresst die Haare zwar, für einen besonderen Anlass ist das aber ein toller Trick.

Splissig und brüchig? Das braucht trockenes Haar

Während trockenes Haar von der Wurzel mit zu wenig Fett versorgt wird, ist strapaziertes Haar durch äußere Einflüsse (z. B. UV-Licht, Salzwasser oder Dauerwelle) so stark geschädigt, dass die schützende Schuppenschicht nicht richtig anliegt, teilweise sogar ganze Schuppen herausgerissen sind und Feuchtigkeit nach außen verloren geht. In beiden Fällen kommt es schneller zu Bruchstellen und Spliss - das Haar braucht intensive Pflege, z. B. nach jedem Waschgang eine Spülung oder Kur. Inhaltsstoffe wie etwa feuchtigkeitsspendende Joghurt-Extrakte oder reichhaltiges Mandelöl regenerieren das Haarinnere und, ganz wichtig, verbessern die Kämmbarkeit: Im nassen Zustand sind die Haare nämlich besonders empfindlich. Unsanftes Bürsten kann sie überdehnen, so dass sie reißen, gleichzeitig wird die Struktur noch mehr geschädigt. Viele Pflegeprodukte enthalten positiv geladene Pflegestoffe, die wie kleine Mini-Magnete an die kaputten, negativ geladenen Stellen des Haarschaftes andocken und dort die Oberfläche kitten. Während es in der Drogerie und im Kaufhaus meistens Pflegeprodukte für sowohl trockenes als auch strapaziertes Haar gibt, wird bei Friseurmarken häufig unterschieden - so kann man noch genauer auf die einzelnen Probleme eingehen: Trockenes Haar bekommt insgesamt mehr feuchtigkeitsbindende Lipide, strapaziertes Haar wird punktgenau an den geschädigten Stellen repariert.

Strähnig und platt? Alle Tipps für fettiges Haar

Häufiges Waschen regt die Talgproduktion noch zusätzlich an - dieses Gerücht stammt aus Zeiten, in denen die Shampoos deutlich aggressiver waren. Heute sind sie so mild, dass man sie ruhig täglich anwenden kann, nur beim Verteilen sollte es möglichst sanft zugehen: "Massiert man die Kopfhaut zu kräftig, wird der in den Drüsen enthaltene Talg herausgedrückt. Besser ist, das Produkt aufzuschäumen und dann mit flachen Händen auf dem Kopf zu verstreichen", erklärt Manjana Dietrich, Fachtrainerin bei Schwarzkopf Professional. Einmal im nassen Haar verteilt, entfernen Anti- Fett-Shampoos überschüssigen Talg und Schmutzpartikel zum Beispiel mit sanft reinigenden ätherischen Ölen oder Mikroschwämmchen, die sich vollsaugen und anschließend ausgespült werden. Auch für Frauen, die einen fettigen Ansatz und trockene Spitzen haben, gibt es eine Lösung: Neben den Waschsubstanzen enthalten Spezial-Shampoos positiv geladene Pflegestoffe, die nur an den porösen, negativ geladenen Spitzen andocken sollen. Und nach dem Waschen? Lässt sich das Haar nur schwer bürsten, kommt ein leichter Conditioner ins Haar: "Bei langen Haaren reicht es meistens aus, das Produkt nur in die am meisten beanspruchten Partien, also die Längen und Spitzen, einzuarbeiten", rät Dr. Martin Sugár, Leiter der Produktentwicklung Haarpflege und Styling bei Beiersdorf. Einmal pro Woche hilft zudem eine beruhigende und klärende Heilerde-Packung, die vor der Wäsche auf die Kopfhaut gegeben wird und etwa zehn Minuten einwirkt.

Fotos: iStockphoto/Thinkstock (1), Ray Parker Produktion: Birgit Potzkai Haare und Make-up: Amelie Holmberg/Bigoudi, Diana Schairer /M4motion
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