Blonde Locken

Ich will blonde Locken! BRIGITTE-Mitarbeiterin Stephanie Neumann möchte ihren glatten Blondschopf gegen eine lockige Prachtmähne eintauschen.

"Seit ich denken kann, habe ich immer die gleiche Frisur: einen Zopf am Hinterkopf. Schluss damit! Wenn Nicole Kidman, Charlotte Gainsbourg, Gwyneth Paltrow & Co. mit offenen Haaren schick aussehen können, kriege ich das doch auch hin, oder?" Stephanie Neumann, BRIGITTE-Mitarbeiterin in Paris, machte eine Woche den Selbstversuch. Ziel: blonde Locken.

1. Tag: Zähneputzen, Haargummi rein, Gesicht waschen, anziehen - halt!

Haargummi wieder raus. Dieser Reflex muss aufhören, denn seit mein Haar zum ersten Mal lang genug war, trage ich die gleiche Frisur, den Klassiker Pferdeschwanz. Wahnsinnig praktisch, aber wahnsinnig langweilig und unglamourös. Das soll sich jetzt ändern. Ich werde üben, eine lange, würdevolle Mähne wie ein Star zu haben. Aber: Haben berühmte Menschen auch so komische Haare wie ich? Was auf meinem Kopf wächst, würde ich als Gelegenheitslocken bezeichnen. Denn die Kriterien, nach denen es sich da oben lockt, habe ich in meinen ganzen 32 Jahren nicht verstanden. Manchmal hat es etwas mit dem Wetter zu tun. Manchmal auch nicht. Erster Schritt: bürsten. Das war ein Fehler. Blonde Locken à la Carrie Bradshaw: Fehlanzeige! Ich habe jetzt ein Haarvolumen wie ein Königspudel. Vielleicht sollte ich nicht mehr mit nassem Kopf einschlafen, um mir die Föhnprozedur zu ersparen. Was jetzt? So kann ich nicht vor die Tür! Ein Produkt muss her, irgendetwas muss Ordnung schaffen da oben. Einstweilen stopfe ich die Haare in meinen Rollkragen. Wollen doch mal sehen, wer hier stärker ist.

2. Tag: Vielleicht war es die Schwerkraft, oder der Trick mit dem Rollkragen.

Mein Königspudel legte sich jedenfalls im Laufe des Tages so weit, dass ich abends aus dem Haus und in den Supermarkt gehen konnte und auch mein Freund mir ein aufmunterndes Nicken schenkte, als ich ihm von dem Eine-Woche-Haare-offen-lassen-Plan erzählte. Aber ich habe ab sofort noch einen neuen Freund: ein Stylistenmarken-Haarbändiger-Gel. Und das knete ich jetzt hingebungsvoll auf meinen Kopf. Es wird Ordnung schaffen da oben, es wird mein Haar zum Glänzen bringen, sanfte Löckchen zaubern und dabei gar nicht fetten. Wetten?

3. und 4. Tag: Nie wieder setze ich meine Mütze ab, ich habe die hässlichsten Haare der Welt.

Und seit heute weiß ich auch, dass sie gelb sind und nicht goldblond. Ich traf nämlich eine Bekannte, die ich länger nicht gesehen hatte, in der U-Bahn. Ein Satz von ihr genügte: "Deine Haare sind ja gelb." Aus, vorbei, die Freundschaft und das Selbstbewusstsein. Nie wieder werde ich ohne Kopfbedeckung das Haus oder am besten noch das Bett verlassen. "Nie wieder solltest du deine teuer blondierten Strähnen dem Pariser Metro-Licht aussetzen", klärte mich eine befreundete Visagistin auf. "Darunter sieht jedes Blond nach Pudding aus". Alles klar.

5. Tag: Wenn es einen Haargott gibt, dann hat er sich heute Nacht nur um mich gekümmert.

Ich wache auf und stehe noch ganz zerknittert vor dem Badezimmerspiegel, als ich plötzlich das Wunder entdecke: Ich habe eine Hollywood-Frisur! Sanfte, blonde Locken umrahmen mein Gesicht und laufen ab dem Kinn in perfekten Stufen aus. Strähnen so golden wie die Sonne. Hurra! Ab jetzt ist die Straße mein Laufsteg. Ich gehe aus dem Haus, der Wind spielt mit meinem Haar, ich trage einen leuchtend roten Lippenstift und fühle mich unwiderstehlich. Kann man sich so auch mit Zopf fühlen? Kann man sich mit Pferdeschwanz so lässig-sexy und ganz nebenbei eine Strähne aus dem Gesicht schütteln? Nein!

6. Tag: Der größte Feind einer jeden noch so tollen Frisur heißt Wasser.

War ja klar, dass das Haarwunder nicht von Dauer ist. Einmal waschen und aus der Traum. Fast. Denn ich habe mir inzwischen auf den Rat meiner Schwester hin noch einen neuen Freund zugelegt, sozusagen einen Zweitfreund für den Fall, dass der andere mich mal im Stich lässt. Es ist ein Haarreifen. Waschen, bürsten, ein bisschen kneten, ein bisschen Styling, trocknen lassen, Reifen rein und fertig! Haarnot macht eben ganz schön erfinderisch.

7. Tag: An meinem Hinterkopf prangt wieder mein Ex-Freund, das Haargummi.

Ja, ich habe gemogelt. Aber: Es gibt einfach Tage, an denen es aus rein ästhetischer Sicht einfach unvertretbar ist, dass ich das Haus ohne ihn verlasse. Haarglück kann man nicht erzwingen. Zu dieser Erkenntnis bin ich am Ende dieser Woche gekommen. Und da ich keine Haarartistin bin, die aus jedem Königspudel im Handumdrehen eine Hollywood- Mähne zaubern kann, muss ich mich auf die Tagesform meiner Haare verlassen. Sind sie schlecht drauf, gibt's Gummi. Sind sie unentschlossen, ist der Reifen dran. Aber wenn ich jemals wieder mit einer Hollywood-Frisur aufwache, dann werde ich mein hübschestes Kleid anziehen, den roten Lippenstift auftragen und mit fliegenden Haaren durch Paris flanieren. Versprochen!

Sie hätten auch gern TOLLES HAAR, das gesund und seidig glänzt? Hier sind sieben Pflege- und Styling-Tipps für mehr Fülle und einen schönen Schimmer

Glättet und bringt Glanz: Kur für trockenes Haar (z. B. von Redken). Gut zum Entwirren: Kamm in Schildpatt-Optik (z. B. von June Ainscough, Kaufhaus)

Ideal für langes Haar: flache Paddle-Bürsten mit Kunststoffborsten (z. B. von Marlies Möller) oder einem Mix aus Natur- und Synthetikborsten (z. B. von June Ainscough)

Bringt Haar zum Leuchten: Glanz- Spray mit Moringabaum-Extrakt (z. B. von Guhl). Sorgt für Fülle und Glanz: Volumen-Schaum mit Panthenol (z. B. von Douglas Hair)

Kleine Waschanleitung:

Im Durchschnitt waschen wir uns 156 Mal pro Jahr die Haare. Gerade langes Haar leidet darunter: Es quillt auf, die fett- und schmutzlösenden Waschstoffe laugen es aus und nehmen den Glanz. Am besten Shampoos der höchsten Pflegestufe benutzen ("für strapaziertes Haar") und diese nicht so sehr in den Längen, sondern hauptsächlich am Kopf aufschäumen. Zeitsparender Tipp für alle, bei denen ohne Schaumschlägerei gar nichts geht: Shampoo kurz (!) einmassieren, mit Wasser aufschäumen und sofort ausspülen. Dauer? Zwei Minuten.

Schnelles Ansatzvolumen für zwischendurch:

Langes und vor allem schweres Haar folgt im Laufe des Tages den Gesetzmäßigkeiten der Erdanziehung. Das Resultat ist ein platter Ansatz. Zwei Vorschläge für mehr Stand: 1. Schnell zwischendurch: die Finger spreizen, nahe der Kopfhaut ins Haar greifen, leicht hin und her ruckeln - ein paar Mal, gut über den Kopf verteilt. 2. Kurz vorm Date: unter dem Deckhaar nur die Ansätze toupieren (Kamm, Bürste, Finger - geht alles) und mit Haarspray fixieren, Deckhaar vorsichtig drüberkämmen.

Entspannung fürs Haar:

Damit speziell über schulterlanges Haar (das ist mindestens drei Jahre alt) nicht strohig und plusterig wirkt, braucht die aufgeraute Haaroberfläche viel Pflege. Deshalb: nach dem Haarewaschen immer Conditioner benutzen (am besten einen für strapaziertes Haar), nach jeder zweiten Wäsche sollte es eine Kur sein. Tipp: Kuren zum Ausspülen im handtuchtrockenen Haar verteilen, so können die Reparatur- Wirkstoffe besser einziehen. Zum Verteilen einen grobzinkigen Kamm benutzen. Er darf keine scharfen Schnittkanten haben, sie schlitzen das Haar der Länge nach auf. Bei feinem Haar: die Extra- Pflege ins tropfnasse Haar kneten und sofort wieder ausspülen, dann bleiben die Haare locker-leicht.

Extra-Kick:

Seren für die Haarspitzen können zwar keine kaputten Enden kitten. Doch die natürlichen und synthetischen Öle darin retten die Optik bis zum nächsten Friseurtermin. Als Splissprävention ist die Pflege sinnvoll, wenn Belastungen wie z. B. ausgedehnte Schwimmbadbesuche anstehen. Z. B. Spitzenserum "Karité Sérum Réparateur" von René Furterer, "Ends

Entwirrungstaktik:

Hundert Bürstenstriche täglich? Der Tipp stammt aus einer Zeit, in der auf diese Weise Schmutz und Staub verschwanden und Haarfett als glänzendes Natur-Styling galt. Die mechanische Bürst-Belastung ist für heutiges gefärbtes und sonnengebleichtes langes Haar sehr belastend. So wird zeitgemäß gekämmt: Zum Entwirren dicker Haare oder Locken eignen sich breite Paddle-Bürsten mit abgerundeten Noppen; Haare zum Zopf zusammenfassen und ganz sanft erst die Spitzen kämmen, danach die Längen, dann vom Ansatz nach unten durch. Luxusbürsten mit einem enggebundenen Gemisch aus Natur- und Nylonborsten bringen vor allem seidigen Glanz in langes, glattes Haar. Express" von Wella System Professional.

Glanzvoll:

Styling-Schaum macht das Haar schön griffig, schenkt Glanz und hält fließende Wellen lange in Form. Problem: In der Daueranwendung können einzelne Inhaltstoffe im Schaum das Haar spröde machen, wie zum Beispiel Halt gebende Filmbilder, die sich um die Haare legen. Gut, wenn im Styling Pflegestoffe eingearbeitet sind, die außerdem Glanzpotenzial mitbringen - wie Seidenproteine oder Panthenol. Wer (eher trockenes) dickes Haar oder Locken hat, braucht für zwischendurch etwas Glanz-Nachhilfe: Praktisch sind pflegende Styling-Öle zum Sprühen oder Pumpen, einfach ins Haar einkneten - von den Spitzen in die Längen. Besonders schillernd erweist sich ein neues Spray mit Perlmutt-Extrakten und Öl aus dem Moringabaum: der Moringabaum- Extrakt soll in Afrika Wasser klären, hier bindet er stumpf machende Schmutzpartikel. Der Glanz wirkt dadurch klarer, weniger diffus.

Letzte Rettung:

Eigentlich hilft nur noch Abschneiden, weil das Haar so stark geschädigt ist? Eine Wiederbelebungsmaßnahme für dickes sprödes Haar gibt es vielleicht noch, in Kérastase-Salons. Beim Glättungs-"Ritual Kérathermie" wird ein Mix aus Pflegeölen und künstlichen Haarbausteinen ins Haar geschleust und dort mit einem Glätteisen bei 180 Grad Hitze versiegelt. "Thermoaktive Behandlung" nennt sich das und ist auch für kaputte Lockenfrisuren geeignet. Das softe Haargefühl soll vier bis sechs Wochen anhalten. "Ritual Kérathermie" in Kérastase Salons, Dauer ca. 60 bis 90 Minuten, Kosten zwischen ca. 75 und 100 Euro.

Fotos: Bettina Lewin Produktion: Merle Rebentisch Haare und Make-up: Eva Hennings/Close up Text: Stephanie Neumann, Angela Schöneck
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