Colorationen: Neue Farbe fürs Haar

Die neuen Colorationen färben angeblich schneller, sanfter und natürlicher. Wir sagen, was wirklich dran ist - und wie Wirkung der neuen Farben länger hält

Reichhaltige Kakaobutter, regenerierendes Aprikosenkernöl, schützendes Vitamin E: Inhaltsstoffe, die wir aus Bodylotions oder Tagescremes kennen, stecken heute auch in mehr und mehr Colorationen. Klingt eigentlich gut, aber damit die Pigmente der Farbe ins Haar gelangen, muss immer noch die äußere Schuppenschicht geöffnet werden. Das geschieht meist mit Ammoniak, einer chemischen Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff. Danach verankert Wasserstoffperoxid die Pigmente im Haarinneren. Zum Schluss wird die Schuppenschicht so gut es geht wieder verschlossen. Das bedeutet Stress fürs Haar, und so ist vor allem für bereits strapaziertes Haar eine neue Farbe nicht empfehlenswert.Die Firmen arbeiten deshalb an pflegenderen Alternativen - und haben schon einiges herausgefunden: So ist es inzwischen möglich, den Färbeprozess schonender zu gestalten, die Colorationen kürzer einwirken zu lassen oder graue Haare besser abzudecken. Die aktuellsten Methoden im Überblick:

Für Eilige

Neu sind Colorationen, die statt einer halben Stunde nur zehn Minuten im Haar bleiben. Damit das klappt, enthalten sie etwas mehr Wasserstoffperoxid als andere Färbemittel oder Wirkstoffe, wie z. B. die Aminosäure Arginin, die die Farbe schneller ins Haarinnere schleust. Gleichzeitig wurde der pH-Wert gesenkt - je niedriger er ist, desto weniger quillt das Haar auf und wird geschädigt. Zum Vergleich: Während der pH-Wert bei reinem Wasser 7 und bei herkömmlichen Colorationen 10 beträgt, liegt er hier bei 9. Einziger Nachteil: Die Speed-Variante klappt nur bei eher natürlichen Farben, leuchtende Modefarben sind in der kurzen Zeit nicht möglich. Schnell geht's z. B. mit: "Excell 10'" von L' Oréal Paris; "Coloriste" mit Arginin von Schwarzkopf.

Für gesünderes Haar

1. Ohne AmmoniakViele Kosmetik-Unternehmen bieten inzwischen eine Mischung aus Coloration und Intensivtönung an. Statt Ammoniak enthält sie einen Ersatzstoff (z. B. Ethylamin), der das Haar weniger aufquellen lässt und es dadurch nicht ganz so stark schädigt. Untersuchungen zeigen, dass sich zum Beispiel die Kämmbarkeit entscheidend verbessert. Allerdings gelangt die Farbe nicht so tief ins Haarinnere wie bei einer herkömmlichen Coloration. Dadurch hält das Ergebnis nur bis zu ca. 25 Wäschen, außerdem können Sie Ihr Haar damit um maximal eine Nuance aufhellen. Je nach Hersteller wird die Farbe übrigens oft unterschiedlich bezeichnet, z. B. als Intensivtönung oder Pflege- Coloration. Lassen Sie sich nicht verwirren: Die Technik ist immer gleich.

Ohne Ammoniak färben z. B.: "Casting Crème Gloss" von L'Oréal Paris; Colorance pH 6.8" von Goldwell.

2. Mit AntioxidanzienReagieren Wasserstoffperoxid und das Mittel zum Öffnen der Schuppenschicht miteinander, entstehen freie Radikale, die das Haar strapazieren und die Farbe schneller verblassen lassen. Die meisten von ihnen werden unmittelbar nach dem Färben ausgespült, ein kleiner Teil kann sich aber bis zur nächsten oder übernächsten Wäsche im Haar halten. Antioxidanzien wie z. B. Vitamin E können die schädliche Wirkung während dieser Zeit etwas lindern. Der Schutz hält etwa zwei bis drei Wäschen an - danach werden die Radikalfänger ausgewaschen, können aber mit Hilfe spezieller Pflegeprodukte für coloriertes Haar wieder neu zugeführt werden.

Mit Antioxdantien z. B. "Londa Color" von Londa; "100 % Color" von Garnier.

Für reifes Haar

Beim Friseur gibt es inzwischen viele Colorationen, die graue Strähnen besonders gut abdecken - und das versprechen auch immer mehr Heim-Colorationen. Damit zu Hause nichts schiefgeht, halten die Hersteller die Farbkonzentration aber oft bewusst so niedrig, dass die Haare nicht einheitlich gefärbt werden, sondern hellere Strähnen durchschimmern und so das natürliche Farbspiel des Haares erhalten bleibt. Feine graue Strähnen lassen sich damit gut kaschieren - vor allem, wenn sie dunkler gefärbt werden. Je höher der Grauhaaranteil und je heller die Wunschnuance ist, desto schlechter deckt die Farbe allerdings. Für Frauen, die graue Strähnchen komplett verschwinden lassen wollen, kann ein Friseurbesuch deshalb doch Sinn machen: Im Salon wird das Produkt individuell angemischt und lässt sich so viel besser den persönlichen Wünschen anpassen. Zudem gehen die neuen Colorationen gezielter auf die Struktur von reifem Haar ein: Bereits ab 30 nehmen haareigene Lipide pro Jahr um ca. 0,5 Prozent ab. Anfangs merkt man den Unterschied kaum, aber schon mit etwa 40 wird das Haar dadurch spürbar feiner. Gleichzeitig entstehen dort, wo früher Farbpigmente (Melanin) saßen, kleine Hohlräume, die eine ungleichmäßige Struktur bewirken und dafür sorgen, dass sich das Haar oft etwas widerspenstig anfühlt. Der hohe Gehalt an Pflegestoffen kräftigt und macht es geschmeidiger.

Toll für reifes Haar z. B.: "Color Supreme" von L' Oréal Professionnel; "Color Touch Plus" von Wella Professionals.

Für Naturfans

Wer auf bestimmte chemische Substanzen allergisch reagiert oder Kosmetikprodukte mit natürlichen Inhaltsstoffen lieber mag, nimmt eine pflanzliche Haarfarbe, die neben Henna verschiedene Kräuter, Früchte und Rindenextrakte enthält. Sie verleiht dem Haar zarte bis leuchtende Rotnuancen. Auch satte Braun- und Schwarztöne mit ganz sanftem Rotschimmer sind möglich. Bloß Aufhellen klappt nicht, da ohne Wasserstoffperoxid nur dunklere Nuancen erzielt werden können. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Einige Hersteller geben kleine Mengen Wasserstoffperoxid ins Produkt, um zumindest eine Nuance aufhellen zu können. Wer das nicht möchte, prüft vor dem Kauf die Liste der Inhaltsstoffe (Wasserstoffperoxid = H2O2) oder achtet auf das Siegel "Kontrollierte Naturkosmetik": Das versichert, dass keine synthetischen Farb-, Duftoder Konservierungsmittel enthalten sind. Bei der Anwendung von Pflanzenfarben unbedingt beachten, dass Überfärben bei hennagetöntem Haar oft nicht so gut klappt. Also erst mal nur eine Probesträhne colorieren und die genaue Einwirkzeit notieren.

Mit weniger oder ganz ohne Chemie färben z. B.: "Sanfte Creme-Coloration" von Puravera (enthält allerdings Wasserstoffperoxid); "Pflanzen Haarfarbe Color Creme" von Logona; "100 % Pflanzen Haarfarbe" von Sante.

Und danach? Richtig pflegen!

Spezielle Shampoos und Kuren enthalten extra viel Feuchtigkeitsbinder sowie Antioxidanzien und UV-Filter, die vor schädlichen Umwelteinflüssen bewahren. Gut sind zudem Pflege- und Stylingprodukte mit Farbpigmenten, die den Ton bis zur nächsten Wäsche auffrischen. Ideal für Blondinen: Pflegeprodukte, die mattierende Rückstände besonders gründlich entfernen, mit lilafarbenen Pigmenten einen Gelbstich neutralisieren oder durch optische Aufheller, die das Licht besser reflektieren, dem Nachdunkeln entgegenwirken.

Coloriertes Haar pflegen z. B.: "Brilliant Color Shampoo" mit UV-Schutz von Nivea Hair Care. Für Blondinen: "Farbglanz Blond"-Shampoo von Guhl; "Sheer Blonde Colour Renew Shampoo" mit optischen Aufhellern von John Frieda. Für Brünette: "Brunette Expressions Farbglanz-Intensiv-Maske" von Pantene Pro-V. Für Rothaarige: "Colorglow IQ Deep Reflects"-Conditioner von Goldwell.

Damit nichts schiefgeht

1. Die meisten Menschen schätzen ihre Haarfarbe zu dunkel ein. Können Sie sich nicht zwischen zwei Nuancen entscheiden, wählen Sie deshalb lieber den helleren Ton - so wirkt das Ergebnis natürlicher.

2. Stirn und Gesichtsränder mit einem Streifen Fettcreme vor verlaufender Farbe schützen.

3. Leichte Hautverfärbungen lassen sich mit ein paar Tropfen Zitronensaft und etwas Pflanzenöl wegwischen. Hartnäckige Reste verschwinden nach kurzer Zeit von selbst.

4. Unzufrieden mit dem Farbergebnis? Jetzt besser den Friseur ranlassen - nachträgliches Umfärben ist schwierig!

Fotos: Werner Wallington Produktion: Birgit Potzkai Text: Melanie Grimsehl Ein Artikel aus der BRIGITTE 08

Wer hier schreibt:

Melanie Grimsehl
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