Organic Hair – 12 Fakten zu der neuen Haarpflege

Ihr Platz bei der Hautpflege ist Bio-Produkten längst sicher. Jetzt aber boomt auch Haarpflege mit Pflanzenpower. Wo können Öko-Conditioner & Co. punkten? Und wie viel Natur steckt wirklich in der Tube? 12 Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Hype.

1. Woher kommt der Trend?

Als richtig hip gelten Frisuren-Looks zwischen Kreuzberg und Cannes derzeit nur, wenn sie chemiefrei gewaschen, gepflegt und gestylt werden. Wer sich bewusst ernährt, cremt und schminkt, möchte nämlich auch bei der Haarpflege keine Kompromisse machen. Nachhaltig und mit viel Natur im Produkt, das ist der Wunsch der Stunde.

2. Wer sind die Frauen, die grün wollen?

Marc Booten, Organic-Coiffeur aus Düsseldorf und seit 25 Jahren Missionar für naturschöne Haare, nennt seine Klientel Edelpuristinnen. "Das sind Frauen, die eine Zweitwohnung in Paris haben und im Designer-Outfit zum Termin kommen." Aber der Trend ist längst auch bei allen Frauen angekommen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und die einfach hochwertige Hairstyles schätzen.

3. Beinhalten diese Haarprodukte nur natürliche Inhaltsstoffe?

Nein. Naturnahe Pflanzenkosmetik beinhaltet zwar einen hohen Anteil (bis zu 100 Prozent) an natürlichen Inhaltsstoffen - das heißt aber nicht, dass sie automatisch auch aus Bio-Anbau stammt. Wer das und 100 Prozent reine Naturkosmetik möchte, muss in Europa auf die gängigen Zertifizierungen achten: Natrue, Ecocert, BDIH oder Demeter. Wer es genauer wissen will: Auf der Homepage von Unternehmen werden oft in sogenannten Nachhaltigkeitsberichten Rohstoffwege oder umweltfreundliche Produktionsabläufe und Inhaltsstoffe transparent dargestellt.

4. Für wen sind Produkte mit Pflanzenpower geeignet?

Insbesondere für Frauen mit empfindlicher, trockener Kopfhaut. Bestimmte Stoffe in konventionellen Shampoos, die das Haar geschmeidig machen (Silikone oder Polyquaternium-10), sammeln sich auf Haar und Kopfhaut an - ist die Haut zusätzlich durch Waschstoffe entfettet und ausgetrocknet, kommt’s zu Jucken, Brennen und trockenen Schüppchen. Vermehrt ersetzen deshalb auch große Kosmetikkonzerne aggressive Waschsubstanzen wie Sulfate durch Zuckertenside. Die trocknen weniger aus, und das tut der Kopfhaut gut; ebenso wie der reduzierte Alkoholanteil oder die ätherischen (und Kopfhaut beruhigenden) Öle aus Rosmarin und Lavendel. Sorgen braucht man sich aber auch bei konventionellem Shampoo nicht zu machen. "Es gilt in Deutschland die Kosmetikverordnung, jedes Produkt muss sicher sein", so Dr. Peter Hagel, der 30 Jahre lang für La Biosthétique nach naturreinen Stoffen geforscht hat. Das Hauptproblem sieht Friseur Marc Booten sowieso woanders: "Die Kundin nimmt viel zu viel Shampoo, spült es zu kurz aus und verteilt dann noch Conditioner, Detangler, Festiger und Spray auf dem Schopf. Da braut sich allerhand zusammen auf unseren Köpfen."

5. Wie lange dauert die Umstellung auf natürliches Shampoo?

Bis sich die Haare weicher anfühlen, meist drei bis vier Haarwäschen. Marc Booten empfiehlt vor der ersten Anwendung ein Kopfhautpeeling, das Altlasten wie Styling- und Pflegerückstände entfernt.

6. Und bei der Anwendung ist alles wie immer?

Inzwischen schäumen Naturprodukte genauso gut wie alle anderen Shampoos. Manchmal muss das Haar wegen der Öle aber besonders gründlich ausgewaschen werden. Definitiv anders wäscht es sich allerdings mit sogenannten Shampoo-Bars. Das sind wasserfreie Waschstücke, die mit festen Wachsen und Waschstoffen Feinstaub, Fett und Stylingresten auf die Pelle rücken. Die handlichen Stücke (die ein super auslaufsicherer Begleiter im Reisegepäck sind) werden mehrmals über das tropfnasse Haar gerieben, einmassiert und mit viel Wasser wieder ausgespült.

7. Ist die Pflegewirkung auch bei angegriffenem Haar so gut wie gewohnt?

"Man kann mit natürlichen Rohstoffen sehr schöne Erfolge erzielen. Durch Weizenpeptide und pflanzliche Öle lässt sich bei der Pflege viel erreichen", erklärt Dr. Peter Hagel. Mit einer Einschränkung: "Pflanzliche Öle machen das Haar zwar geschmeidig, aber nicht so gut und so langanhaltend wie hochpolymere Silikone." Wer das möchte, beispielsweise weil er stark frizziges Haar oder eine Krause hat, wird bei konventioneller Pflege eher fündig als im grünen Bereich.

8. Kann ich mich auch grün stylen?

"Man kann auf grüner Basis Gele und Stylingschäume mit mittlerer Haltbarkeit formulieren", sagt Dr. Hagel. Abstriche müssten Bio-Fans jedoch noch machen. Auch die Suche nach einem guten Öko-Haarspray gestaltet sich bislang schwierig. "Häufig wird hier Shellack eingesetzt. Das festigt, keine Frage, aber es muss ja wieder aus den Haaren heraus, und das funktioniert nicht so gut." Shellack ist in Hagels Augen daher "eine wunderbare Möbelpolitur", im Haarfestiger oder -spray aber mit Vorsicht zu genießen - zumal es tierischen Ursprungs ist.

9. Was tue ich für die Umwelt?

Bei zertifizierten Bio-Produkten gelangen nur abbaubare Stoffe in den Wasserkreislauf. In konventioneller Haarkosmetik bringen mikrokleine Kunststoffpolymere zwar Glanz in spröde Strähnen, sorgen nach getaner Arbeit aber im Abwasser für Ärger. Die Winzlinge schlüpfen nämlich durch alle Filter und Siebe und lagern sich am Meeresboden ab. Auch wenn laut Fraunhofer-Institut Mikroplastik aus Kosmetik nur Platz 17 in der Belastung der Weltmeere belegt (Spitzenreiter ist der Reifenabrieb) - jeder noch so kleine Schritt zählt.

10. Wo bekommt man Grünes für den Kopf?

Big Player im Öko-Bereich, wie Weleda, Lavera, Santé oder Logona, haben inzwischen eine breite Range an Haarpflegeprodukten im Sortiment, die auch in Super- und Drogeriemärkten erhältlich ist. Dort findet man außerdem naturnahe Produkte von CD, Schwarzkopf oder L’Oréal, die mittlerweile ebenfalls Serien mit einem stattlichen Grün-Anteil haben. Wirklich groß in Sachen Grün sind allerdings Organic-Portale im Internet - dort lockt bereits heute eine Riesenauswahl von Nischenmarken mit spannendem Background: Avocadostore. de, Najoba.com oder Greenglam.de sind zum Beispiel solche Shops. Bei Greenglam kommt man auf gut 400 zertifizierte Produkte, etwa von "Rahua", der Haarpflege-Linie des New Yorker Haargurus Fabian Lliguin. Die nötigen Pflanzenöle bezieht Lliguin, Ecuadorianer mit Quechua-Wurzeln, übrigens von indigenen Kooperativen aus dem südamerikanischen Regenwald.

11. Gibt es auch chemiefreie Haarfarben?

Da hat sich viel getan: Der L’Oréal-Konzern hat zum Beispiel nach jahrelanger Vorbereitung die Serie "Botanéa" in L’Oréal-Professionnel-Salons gebracht. Und die färbt das Haar ausschließlich mit pflanzlichen Pigmenten - aus Henna, Indigo und Cassia. In Drogerien lockt die L’Oréal-Tochter Garnier mit den "Herbalia"-Farben, die wie "Botanéa" nur Pigmente aus der Natur einsetzen. Anbieter wie Sanotint, deren naturnahe Farben immerhin 99 Prozent pflanzliche Pigmente enthalten, kommen auf 30 Töne: von Schwarz bis Weißblond. Auch Firmen wie Santé, Lush und Logona bieten mittlerweile ein ähnlich großes Spektrum an. Henna, Cassia, Walnussschalen, Indigo, Kaffee, Rote Bete und Rhabarberwurzel liefern die Pigmente. Für den Färbevorgang muss man allerdings etwas Geduld mitbringen. Bio-Farbe gibt es in der Regel als Pulver, das angerührt werden muss. Die Einwirkzeit beträgt bis zu zwei Stunden. Hinzu kommt, dass auch natürliche Pigmente, wenn sie auf chemisch vorbehandeltes oder gefärbtes Haar aufgetragen werden, ungewollte Ergebnisse hervorrufen können. Und: Noch gibt es keine biozertifizierte Blondierung.

12. Was ist mit Henna, färbt das nicht die Haare orange?

"Alles eine Frage der Formulierung", sagt Karolina Dworek, Pressesprecherin für L’Oréal-Professionnel-Produkte. Henna ist ein aus den zerriebenen Blättern des Hennastrauchs gewonnenes Pulver. Je nachdem, wie die Blätter gemischt sind, wie lange sie einwirken und auf welche Pigmente sie im Haar treffen, kann durch Henna ein leuchtendes Orange entstehen. "Wir nutzen Henna in 'Botanéa' für warme kupferfarbene Nuancen - aber wir mischen es mit Indigo. Je höher dessen Anteil, desto neutraler und kälter werden die Nuancen. So lassen sich je nach Naturton nahezu alle Haarfarben von Hellblond bis Dunkelbraun erreichen." Cassia, auch bekannt als "neutrales Henna", gibt dem Resultat zusätzlich Glanz und Farbintensität.

BRIGITTE WOMAN 04/2019

Wer hier schreibt:

Angelika Brodde
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