Ätherische Öle: Wirkung und Anwendung

Sie können mehr als nur gut riechen: Ätherische Öle beeinflussen binnen Sekunden Stimmung und Wohlbefinden, regen den Geist an und sind in Cremes oder Seren bewährte Schönmacher. Wie wir die Duftstoffe aus der Natur im Alltag für uns nutzen – ein Überblick. 

Rosmarin, Thymian, Pfefferminze: Ihr typisches Aroma geben diesen Kräutern ätherische Öle – das sind die Duftstoffe der Pflanzen, die ihnen vor allem als Schutz- und Abwehrsubstanzen dienen: Sie locken bestäubende Insekten und Säugetiere an, wehren (Fress-)Feinde wie Raupen ab und wappnen Gewächse auch gegen Krankheiten, Pilzbefall, extreme Kälte oder Hitze. Ätherische Öle können sich überall bilden – in oder auf Blättern und Blüten, in Harzen, Wurzeln, Samen, Gräsern, Rinden, Hölzern ... Bei Zitrusfrüchten stecken die ätherischen Öle in den Schalen – einfach mal eine Orange schälen und schon verströmt die Frucht ihren intensiven Duft!

Alkohol ist schlecht für die Haut

Beste Hautpflege

Cremes, die auf pflanzlichen Inhaltsstoffen basieren, enthalten in aller Regel auch ätherische Öle. Anderen Beauty-Produkten werden sie extra hinzugefügt. Vor allem Naturkosmetik, in der keine synthetischen Duftstoffe erlaubt sind, enthält diese natürlichen Öle, die eine starke Wirkung entfalten: Ätherische Öle haben antibakterielle Eigenschaften (wie das Rosmarin) und verfügen sogar über Anti-Aging-Qualitäten: Das Öl der Wildrose etwa soll die Regenerationsfähigkeit der Haut fördern, Rosengeranie (auch Geranium genannt) kann ihre Festigkeit unterstützen. Weihrauchöl wirkt durchblutungsfördernd, was die Hautzellen anregt, sich vermehrt zu teilen, wodurch die Regeneration der Haut erhöht wird. Auch schön: Ätherische Öle können den Geruch von leicht muffig riechenden Rohstoffen wie der Sheabutter überdecken.

Moleküle mit Mission

Winzig klein wie sie sind, können ätherische Öle über Haut, Schleimhäute und Organzellen leicht aufgenommen werden und direkt in den Blutkreislauf gelangen. Sie wandern so durch den gesamten Körper, entfalten interessanterweise jedoch erst am Zielort ihre volle Wirkung. Ihre Konzentration im Blut nimmt erst nach Stunden wieder ab. Dieses Können nutzt auch die Medizin in Form von Arzneipflanzen, deren Öle anregende oder beruhigende, schmerzstillende oder entspannende Wirkung haben. Der Jasmin-Duftstoff Vertacetal etwa wirkt stärker auf die Schlafrezeptoren des Gehirns als Valium! Das ergaben Untersuchungen der Ruhr-Universität Bochum. Das Team um Duftforscher Prof. Dr. Hanns Hatt entdeckte, dass sogenannte Terpene – das sind chemische Elemente bestimmter ätherischer Öle – Leberkrebszellen am Wachstum hindern können (u. a. Citronellal aus Zitrusölen). Das Wissen gibt Pharmakologen die Chance, Medikamente zu entwickeln, die möglichst geringe Nebenwirkungen haben.

Stimmungsmacher

Auch ein Bereich der alternativen Heilkunde, die Aromatherapie, beschäftigt sich intensiv mit der Wirkung der Öle: Düfte haben einen schnellen Draht zum Gehirn und wirken binnen Sekunden stärker auf unsere Stimmung als Farben oder Töne. Wie das? Sie vermögen, das Entstehen bestimmter Botenstoffe anzuregen oder auszubalancieren. So können sie uns aufheitern und durchaus glücklich machen (z. B. ätherisches Neroli-, Melissen- oder Muskatellersalbeiöl), mehr Energie schenken, die Konzentration fördern (z. B. ätherisches Zitronen-, Wacholder- oder Rosmarinöl), besser schlafen lassen (z. B. ätherisches Zirbenkiefer-, Vanille- oder Mimosenöl). Jedes der Öle hat eine andere spezielle Wirkung. Am bekanntesten ist sicherlich Lavendelöl: Es wirkt entspannend. Die Nerven beruhigt allerdings nur der Echte Lavendel ("Lavendel fein"). Der Speicklavendel hingegen regeneriert, stellt die Kräfte wieder her und erfrischt. Die Namen und insbesondere Eigenheiten der Pflanzenstoffe drucken die Hersteller auf die Banderole der Fläschchen. (Mehr zu Ölen und ihrer Wirkung kann man zum Beispiel nachlesen im Ratgeber "Praxis Aromatherapie" von Monika Werner und Ruth von Braunschweig (400 Seiten, Thieme Verlag, 49,99 Euro).

Lernen mit Lavendel

Mitte der 2000er-Jahre startete das "Dufte Schule"-Projekt des Aromatherapieexperten Axel Maier. Der Unternehmer, der in seiner Detmolder Manufaktur Taoasis ätherische Öle herstellt, beduftete für rund drei Monate den Unterrichtsraum einer Grundschulklasse im niedersächsischen Seesen mit einem Mix aus naturreinem ätherischen Lavendel-, Orangen und Zitronenöl, weil er überzeugt war: Das frische Klima würde sich positiv auf die Stimmung der Schüler auswirken – und ihre Lernfähigkeit verbessern. Das Experiment bestätigte seine Annahme. Mittlerweile gibt es relevante Studienergebnisse zum Thema, und "Dufte Schule"-Aktionen laufen erfolgreich an verschiedenen Schulen.

DIY mit ätherischen Ölen

Ätherische Öle haben Kraft, daher gilt: Wenig kann und hilft viel. Wer diese Essenzen im Home Spa einsetzen möchte, sollte sie bei empfindlicher Haut besser nicht direkt auftragen, sondern verdünnen oder lösen. Zum Beispiel in fetten Substanzen wie Avocado- oder Mandelöl, in Sahne, Honig oder Alkohol. Tipp: Für ein Vollbad genügen schon fünf Tropfen (z. B. Lavendel-)Öl auf einen Becher Sahne oder einen Esslöffel Honig – vermischen, ins Badewasser geben, entspannen! Für das Anmischen von Körperöl gibt es eine Faustregel: Auf 100 ml Öl 20 Tropfen ätherisches Öl geben, ggf. das Mengenverhältnis anpassen.

Die Haltbarkeit

Die Feinde der meisten (Kosmetik-)Wirkstoffe sind auch die Feinde der ätherischen Öle: Licht, Luft, Hitze. Dieses Trio führt zu Oxidationsprozessen; es bilden sich Stoffe, die die Haut reizen können. Dunkle Glasbehälter, möglichst winzige Öffnungen (bei Cremes Pumpspender oder Tuben) schützen sie. Besonders empfindlich sind Zitrusöle, aber auch Teebaumöl. Spätestens nach zwölf Monaten sollte das Fläschchen leer sein oder das Öl nicht mehr verwendet werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Einige Öle werden mit den Jahren immer besser und wertvoller ohne zu reizen. Sie reifen wie guter Wein. Patschuli ist so ein Öl, Sandelholz, Weihrauch oder Tonka. Dass sie dunkler oder zähflüssig werden, tut ihrer Wirkung und Qualität keinen Abbruch.

Reizende Bekanntschaft

Zwar handelt es sich um reine Substanzen aus der Natur, dennoch können ätherische Öle Allergien auslösen. Duftstoffe sind – nach Nickel – häufigster Auslöser von Kontaktallergien. Es gibt eine Reihe von Anzeichen, dass ein Mensch empfindlich darauf anspricht: Die Schleimhäute des Mund-Rachenraums reagieren beim Einatmen von Aromaölen gereizt (man muss hüsteln), die Nasenschleimhäute sondern mehr Sekret ab, die Augen tränen. Die Haut rötet sich, sie juckt oder bildet Quaddeln. Bis es zu diesen Auffälligkeiten kommt, müssen Haut und Schleimhäute allerdings häufig und direkt in Berührung mit den Ölen kommen.

ENTSPANNTES ZUHAUSE

Beim Relaxen spielt das Riechen eine große Rolle – welche Raumdüfte wie angewendet werden:

Duftsprays sind für kleine wie größere Räume geeignet. Im Warmen entfalten sich ihre Düfte am besten, doch vor dem Gebrauch sollte man lüften, dann verteilen sich die Aromen schneller. Beim Sprühen besser Abstand halten zu Bildschirmen und Brillengläsern – die Öle können feine, bleibende Flecken hinterlassen.

Duftkerzen aus Sojawachs mit naturreinen ätherischen Ölen verbessern die Luft: Zitrus- und Waldaromen neutralisieren Essensgerüche besonders gut. Wer empfindlich auf Düfte reagiert, löscht die Kerzen spätestens nach vier Stunden, um Kopfschmerzen zu vermeiden.

Reine Ölessenzen lösen sich am besten in Wasserdampf. Dafür gibt es strombetriebene Aroma-Diffuser, die selbst 30-Quadratmeter-Räume beduften. Das Gerät wird mit destilliertem Wasser gefüllt, man gibt einige Tröpfchen Öl hinzu, und schon bald aromatisiert und befeuchtet feinster Wassernebel die Luft.

Aromalampen haben eine Schale, in der Öl und Wasser über einem Teelicht erwärmt werden. Zitronen- oder Rosmarinnuancen helfen, die Konzentration am Schreibtisch zu erhöhen. Duftsteine aus Keramik beträufelt man mit einem Öl, das sich im Raum verbreitet: ideal als Schlummerhilfe, auch im Kinderzimmer.



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BRIGITTE 23/2019

Wer hier schreibt:

Angela Schoeneck
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