Algen für die Haut? Caroline Nègre erklärt, was dahinter steckt!

Auf der Suche nach Wirkstoffen erforschen Unternehmen die noch recht unbekannte Welt der Mikroorganismen – wie Caroline Nègre, die sich im Dienste der Hautpflege mit Algen beschäftigt.

Als Chefin der Forschungsabteilung von Biotherm ist die Biotechnologin auch Chefexpertin für die "Life Plankton”­ Serie, die einen Mikroorganismus aus Algen enthält.

BRIGITTE: Was fasziniert Kosmetik-Entwickler an diesen Kleinstlebewesen?

Caroline Nègre: Mikroorganismen, stehen ja schon länger im Fokus von Wissenschaftlern, weil sie hautberuhigende, regenerierende, fast heilende Eigenschaften besitzen. Nur war uns lange nicht klar, wie das mit der Haut genau zusammenging.

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In den letzten 15 Jahren dann, im Zuge des Human-Genom-Projektes in dem auch alle Mikrobiom-Gene bestimmt und codiert wurden, kristallisierte sich die wichtige Rolle des Haut-Mikrobioms heraus. Die Erkenntnis darüber, wie diese Organismen mit anderen und auch Pflegeprodukten kommunizieren, um damit unsere Haut zu schützen: Das kann man ruhig ein bisschen mit der Mondlandung vergleichen. Und wir stehen da ja erst am Anfang.

Also eine kleine Kosmetik-Revolution?

Eine im Stillen, denke ich. Sicherlich.

Weshalb im Stillen?

Sobald etwas lebt und krabbelt - und das tun Mikroorganismen nun mal -, ist es für viele nicht wirklich attraktiv. Absolut schon gar nicht als Hautpflegewirkstoff. Dabei unterstützen Pflegeprodukte das Gleichgewicht des Mikrobioms. Aber lebende Organismen werden bei der Kosmetikherstellung in der Regel auch nicht verwendet.

Weil sich die Leute ekeln würden?

Das hat viele Gründe. Zum einen brauchen diese sensiblen Organismen ein bestimmtes Umfeld, mit all den Nährstoffen, die sie zum Leben und Fortpflanzen benötigen, bestimmte Fette zum Beispiel oder biochemische Stoffe. Sonst sterben sie einfach ab. "Vitreoscilla filiformis", mit dem wir arbeiten, wir nennen es "Life Plankton", ist sehr empfindlich und kommt nur in einer speziellen Quelle vor, nirgendwo sonst. Bis vor Kurzem galt er sogar als nicht kultivierbar.

Und er mag es gemütlich, nur alle sechs Monate pflanzt er sich fort. Das ist, ehrlich gesagt, viel zu langsam, als dass man die Mengen an Plankton gewinnen könnte, die man für die Hautpflege einsetzen will. Das ist also auch ein Grund. Und zuletzt: Damit die Organismen für die Haut wirken können, müssen sie erst aufbereitet werden. Die Kosmetik bedient sich da zum Beispiel der Fermentation.

Fermentierte Wirkstoffe sind gerade im Trend, oder?

Absolut. Dabei verwenden Menschen diesen Prozess schon seit Jahrhunderten - und erhalten Joghurt oder Sauerkraut. Durch diesen Umwandlungsprozess, durch die Fermentation, ist Weißkohl plötzlich lange haltbar und immer noch extrem vitamin- und nährstoffreich. Einfach nur, indem man Salz dazugibt, und die Bakterien, die ohnehin auf dem Kohl wohnen, ihren Job machen lässt.

Allerdings ist das Ganze in Kosmetik etwas komplexer. Wir zum Beispiel zentrifugieren den Organismus im letzten Schritt und erhalten genau den speziellen Wirkstoff, kombinieren ihn mit ergänzenden biotechnologisch gewonnenen Komponenten und erhalten dann den Komplex, den wir brauchen.

Wie haben Sie "Vitreoscilla filiformis" eigentlich gefunden?

Wir haben es in einer warmen schwefelhaltigen Thermalquelle bei Tours, in den Pyrenäen entdeckt. Sie galt viele Jahrzehnte als eine Art "Quelle der Jugend". Menschen, die darin badeten, hatten danach eine schöne Haut. Das möchten wir natürlich auch in Tiegel bringen.

BRIGITTE 13/2017

Wer hier schreibt:

Angela Schoeneck
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