Die neuen Faltenfüller

Es gibt inzwischen viele verschiedene Faltenfüller, die direkt unter die Haut gespritzt werden. Ohne Risiko ist allerdings keins der Mittel. Ein Überblick über die wichtigsten Mittel.

Anti-Aging: Die neuen Faltenfüller

Manche Frauen stört es einfach: Auf der Stirn steht die Zornesfalte selbst bei bester Laune, und die tiefe Furche zwischen Nase und Mund lässt einen übellaunig und gestresst aussehen.

Dermatologen versprechen schnelle Hilfe. Für eine erfolgreiche Behandlung braucht man allerdings erfahrene Ärzte - und nicht alle Methoden passen für jedes Problem.

Milchsäure-Gel (New Fill)

Milchsäure-Gel (New Fill) wurde ursprünglich für eingefallene Wangen bei Aids-Patienten entwickelt, weil sich damit in kurzer Zeit relativ große Flächen auffüllen lassen. Außerdem baut sich das Gel erst nach circa zwei Jahren wieder ab. Klar, dass es in letzter Zeit auch immer häufiger gegen eingegrabene Mimikfalten eingesetzt wird. Margarete B.*, 48, OP-Schwester aus Bonn, ließ sich zum Beispiel vor einem Jahr in mehreren Behandlungen Wangen und Mundwinkel aufpolstern. "Speziell am Mund waren die Spritzen sehr schmerzhaft", sagt sie rückblickend. "In der Wangenregion haben sich nach einigen Wochen tastbare Knötchen gebildet, die man beim Lachen auch sieht. Ich bin trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis, weil es länger hält als alles, was ich vorher probiert habe."

Zu Gewebeverhärtungen wie bei Margarete B. (so genannten Granulomen) kann es bei allen aufpolsternden Materialien (Fillern) kommen - beim Milchsäure-Gel passiert das relativ selten, und allergische Reaktionen sind bisher nicht bekannt. Schwellungen, Rötungen und Jucken rings um die Einstichstellen treten ab und zu auf. Eine veränderte Dosierung soll in Zukunft Nebenwirkungen unwahrscheinlicher machen. Ungeeignet ist die Methode allerdings für feine Fältchen im Augen- und Mundbereich sowie zum Aufspritzen der Lippen.

Tierisches & menschliches Kollagen

Dagmar M.*, 51, Stylistin aus München, wollte kein Risiko mit neuen Fillern eingehen und ließ sich ihre Nasolabialfalten (zwischen Nase und Mund) mit tierischem Kollagen unterspritzen. Es wird aus Rinderhäuten gewonnen, gilt als die am besten erforschte Füll-Substanz und eignet sich auch gut für Kräuselfältchen über den Lippen oder die steile Furche zwischen den Augenbrauen. Nachteil: Kollagen hält nicht lange, nach etwa sechs Monaten sind die Linien wieder da. Dagmar M. war zunächst trotzdem total zufrieden. "Nach der ersten Behandlung sah es toll aus, es hat bei mir auch ungewöhnlich lange gehalten. Erst nach einem Jahr musste ich wieder zum Nachspritzen. Und dann bekam ich plötzlich eine Allergie. Wo vorher die Falte war, war die Haut gerötet und knubbelig - fast ein Jahr lang."

Um Allergien möglichst zu vermeiden, hat eine amerikanische Firma (CosmoDerm) menschliches Kollagen aus Zellkulturen gezüchtet. Dieses so genannte "Human Collagen" ist seit März 2003 in den USA zugelassen. Wenn es nach Dr. C. William Hanke, dem Präsidenten der American Academy of Cosmetic Surgery geht, wird es das Rinderkollagen überall bald vollständig ersetzen.

Hyaluronsäure

In Deutschland ist es allerdings noch nicht erlaubt, und Ärzte nehmen seit der BSE-Krise ohnehin lieber Hyaluronsäure (Markenname Restylane). Sie wird biotechnologisch gewonnen und gilt als sehr verträglich. Die Unternehmerin Dina S.*, 54, aus Hamburg geht zum Beispiel seit zehn Jahren regelmäßig zum Arzt: "Als Erstes ließ ich die Konturen an der Oberlippe aufspritzen, später noch die tiefen Falten neben dem Mund. Seit einem Jahr lasse ich zusätzlich die Lippen auffüllen - das ist zwar ziemlich viel Aufwand und nicht billig, aber ich fühl mich besser so."

Anders als bei Kollagen ist in der Hyaluronsäure-Spritze kein Betäubungsmittel enthalten. Da die Säure auch etwas zähflüssiger ist, sind die Spritzen unangenehm, und es sollte vorher eine Creme aufgetragen werden, die die Haut etwas betäubt. Besonders empfindlich ist der Mund. Viele Ärzte geben dort deshalb eine Betäubungsspritze wie beim Zahnarzt. Kurzzeitige Schwellungen sind möglich. Seit einem Jahr wird auch natürliche Hyaluronsäure aus Hahnenkämmen gespritzt, die das Gesicht insgesamt frischer machen soll. Es soll sogar neues Bindegewebe gebildet werden - dazu fehlen aber noch ausreichende Studien.

Botox

Die Botox-Spritze

Die Botox-Spritze

Starke Mimik führt bei allen Fillern dazu, dass sie schneller wieder abgebaut werden. Deshalb kombinieren viele Dermatologen die Materialien mit Botox, einem Nervengift, das die Mimikmuskeln vorübergehend lähmt. Diese Wirkung tritt nach vier bis sieben Tagen ein und hält etwa ein halbes Jahr. Die Einstichstellen sind manchmal leicht gerötet. Riskant ist es, wenn man an einen ungeübten Arzt gerät. Verfehlt er den Muskel, hat man für ca. sechs Monate ein zwar glattes, aber schiefes Gesicht.

Dermalive

Für lebenslange Wirkung gibt es Dermalive, kleine Kunststoff-Kügelchen, die in Hyaluronsäure bzw. Kollagen (Markenname Artecoll) eingebettet sind. Marianne P.*, 39, wollte sich damit die Gesichtsform modellieren lassen - ihre schmalen Wangen ließen sie immer etwas verhärmt aussehen. Nach ein paar Wochen spürte sie die ersten Knubbel in der Haut. Ein Jahr später waren daraus dunkelblaue Knoten von der Größe eines Golfballes geworden. "Weil die Knoten auf Cortison nicht reagiert haben, musste ich sie herausschneiden", berichtet Dr. Alina Fratila, Dermatologin aus . Und das klappt nicht ohne sichtbare Narben. Viele Ärzte lehnen deshalb solche Materialien generell ab.

Besonders problematisch ist ein Materialmix, da sich die verschiedenen Filler nicht miteinander vertragen. Viele Frauen wissen aber gar nicht, was ihnen früher gespritzt wurde. Abhilfe würde ein Patientenpass schaffen, in den der Arzt den Produktnamen einträgt. So ein Pass existiert zwar, er wird aber kaum benutzt.

Russische Fäden

Als neue "Lifting"-Methode, die ein Facelift um mindestens fünf Jahre hinauszögern kann, gelten die "russischen Fäden" (Aptos-Fäden), entwickelt von einem Moskauer Dermatologen. Hängebäckchen sollen angehoben werden, traurige Mundwinkel fröhlicher wirken. Bei Lokalbetäubung werden mehrere Fäden netzartig parallel zur Hautoberfläche mit einer Nadel unter die Haut gezogen. Mit ihren winzigen Widerhaken verankern sie sich rutschfest im Gewebe. Wie jeder Fremdkörper werden sie mit der Zeit von Bindegewebe umhüllt, es gibt mehr Volumen, und der Lifting-Effekt ist da.

Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist, dass der Arzt die Technik beherrscht, sonst kann die Mimik entgleiten. Erst nach drei bis fünf Monaten ist das endgültige Resultat zu sehen. Leichte Schwellungen und kleine Blutergüsse sind anfangs möglich. In den ersten Wochen muss man mit einem Fremdkörpergefühl rechnen. Bei Bedarf lassen sich die Fäden trotz ihrer Widerhaken wieder entfernen. Langzeiterfahrungen gibt es allerdings noch nicht.

Wie finde ich die richtigen Ärzte?

Gehen Sie zu Dermatologen, die kennen sich mit Haut am besten aus. Bestehen Sie darauf, dass Ihnen ein Patientenpass ausgestellt wird. Bei Brigitte.de gibt es eine Adressenliste von Dermatologen, die Beauty-Behandlungen anbieten. Eine Qualitätsgarantie ist das aber nicht.

Kann ich gleich wieder arbeiten?

Am besten lassen Sie den Eingriff am Freitag machen. Bei den meisten Fillern wird überkorrigiert, das heißt, es wird etwas zu viel gespritzt. Die dadurch entstandenen Hubbel oder Rötungen verschwinden meist nach ein bis zwei Tagen.

Was kosten die Behandlungen?

  • New Fill ca.500Euro
  • Kollagenab300Euro
  • Hyaluronsäureab300Euro
  • Botox ab300Euro
  • Aptos-Fäden ab1000Euro

Text: Margit Rüdiger Fotos: Jaan-Eric Fischer Produktion: Birgit Potzkai Haare und Makeup: Claudia Schlifter/Bigoudi

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