Beauty: Zauber des Orients

Beauty-Rituale aus 1001 Nacht: Begleiten Sie uns auf eine Reise ins Morgenland - und entdecken Sie den Zauber des Orients.

Der Orient und seine Beauty-Geheimnisse

Es war einmal ein König, der so erbost war über seine untreue Frau, dass er sie tötete, fortan jeden Abend eine Jungfrau in seine Gemächer nahm und auch diese am nächsten Morgen umbringen ließ. Erst Scheherazade, die kluge Tochter des Großwesirs, schaffte es, ihn mit ihren fesselnden Erzählungen so neugierig zu machen, dass er sie Tag für Tag verschonte. Nach tausendundeiner Nacht hatte sie ihn schließlich bekehrt - und die beiden heirateten.

Es sind Legenden, uralte Bräuche und geheimnisvolle Rituale, die uns so am Orient faszinieren - wir fühlen uns zu dieser fernen Welt hingezogen, möchten eintauchen und ein Stück davon mitnehmen. Aber woher kommt dieser Wunsch eigentlich? "Wir verbinden mit dem Orient nicht nur Stolz, Unnahbarkeit, Ferne, Luxus und Abenteuer - sondern auch eine tiefe Leidenschaft und Hingabe, die sich unserer rationalen, vernünftigen, angepassten Welt entzieht", verrät Dr. Joachim Mensing, Psychologe und Duftexperte aus Miami.

Kosmetikfirmen versuchen diese Sehnsucht zu stillen: In den Regalen der Parfümerien tauchen immer mehr sinnliche Düfte in opulent verzierten Flakons auf (z. B. "Les Orientalistes" von Annik Goutal, "Reflection" von Amouage oder "Rousse" von Serge Lutens). Pflegelabels setzen auf traditionelle Beauty-Stoffe wie Rose, Sesam oder Feige, und selbst Make-up-Designer folgen mit dunklen, goldbesetzten Packungen dem geheimnisvollen Trend (z. B. "Mystery Game" von Lancôme oder "Palette d'Orient" von Yves Saint Laurent). Und was können wir noch tun, um den Zauber des Morgenlands zu spüren? Probieren Sie es mit einem der jahrhundertealten Schönheitsrituale. Dazu die passende Musik (z. B. der Soundtrack zu dem neuen Film "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin), ein wenig Fantasie - schon sind Sie mitten im Orient!

Der Himmel auf Erden: Hamam

In den warmen Nebeln des orientalischen Dampfbades verliert sich die Zeit. Und wer am Ende des stundenlangen Reinigungsrituals am heißen Granatapfeltee nippt, bekommt schon jetzt einen Vorgeschmack aufs Paradies

HAMAM - die "Wärmequelle" Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind fast so hoch wie in einem Dampfbad - nur dass man hier auf einem erwärmten Marmortisch liegt und von einer Badefrau eingeseift, gepeelt und massiert wird. Nach dieser Wohlfühlprozedur geht es in den Ruheraum, wo Granatapfeltee und frisches Obst bereitstehen.

Insgesamt sollte man etwa drei Stunden Zeit für den Besuch einplanen - im Orient blieben Frauen früher oft den ganzen Tag im Hamam: Für sie war es einer der wenigen Orte, an dem sie sich verwöhnen lassen und dabei stundenlang plaudern konnten. Und das genossen sie in vollen Zügen: Während die Männer in streng abgetrennten Räumen oft nur kurze Zeit verweilten, nutzen sie die Zeit, um sich gegenseitig oder von der Badefrau massieren zu lassen, die Haare mit Henna zu färben oder Hände und Nägel zu pflegen.

Hamam zum Beispiel (vorher Termin vereinbaren): Hamam Hafen Hamburg, www.hamam-hamburg.de; Mathilden- Hamam in München, www.hamam.de; Lindner Hotel & Spa Binshof in Speyer,www.lindner.de

Vollendete Hautpflege mit Tradition: Rhassoul

Ein Gefühl wie Samt und Seide: Seit Jahrhunderten dient die feine graue Heilerde aus Marokko der Schönheitspflege. Sie säubert Haut und Haar ganz sanft und enthält wichtige Mineralstoffe wie Silizium, Magnesium und Eisen

RHASSOUL - Erde aus Marokko Mit der Lava-Erde (lavare = waschen) wurden früher im Orient Haut und Haare gereinigt. Beim ersten Mal ist es etwas ungewohnt, sie auf dem Körper zu verreiben: Statt künstlicher Waschsubstanzen (Tenside) und Konservierungsstoffe enthält die graubraune Paste Mineralstoffe, die Schmutz- und Fettpartikel binden. Die Erde schäumt nicht, wie man es von einem herkömmlichen Duschgel oder Shampoo kennt, reinigt aber auch viel sanfter und ist selbst für empfindliche Haut geeignet.

Aus langem Haar muss sie allerdings gründlich ausgespült werden, um keine mattierenden Rückstände zu hinterlassen. Die Erde wird übrigens schon seit Jahrhunderten im Atlasgebirge abgebaut - noch heute beansprucht die marokkanische Königsfamilie einen kleinen Teil davon für ihren privaten Gebrauch. Man kann sie in Pulverform kaufen, praktischer ist jedoch die bereits fertig angerührte Textur aus der Tube (z. B. "Lavaerde Waschcreme" mit leichtem Patchouli-Duft von Logona).

Sanfte Verwandlung: Halawa

Das Geheimnis für glatte, härchenfreie Haut? Es ist die duftende, bernsteinbraune Paste aus Zucker, Zitronensaft und etwas Pflanzenöl, die wie ein warmes Wachs angewendet wird. Höchst angenehm!

HALAWA - der süße Zartmacher Anders als bei uns gehört Enthaarung im Orient seit jeher zur Körperpflege: Glatte Haut wird als hygienischer empfunden, und damit dieser Zustand möglichst lange hält, entfernt man feine Härchen an der Wurzel mit Halawa, einer Mischung aus Zucker, Zitronensaft und Pflanzenöl. Seit Jahrhunderten kommen die Frauen zu diesem Beauty-Ritual zusammen - sind Kinder dabei, können die sogar von dem süßen Mix naschen.

Dabei wird die bernsteinfarbene Masse wie Wachs angewendet; da sie keine chemischen Zusatzstoffe enthält und gleichzeitig wie ein sanftes Peeling wirkt, ist sie besonders verträglich und gibt ein streichelzartes Gefühl. Bei empfindlicher Haut trotzdem erst an einer kleinen Stelle testen: etwas Babypuder aufstäuben, die Zuckermasse (zu bestellen z. B. über www.halawa.de) auftragen, dann ein dünnes Baumwolltuch darüber glatt streichen und ein paar Sekunden später gegen die Wuchsrichtung und möglichst nahe am Körper abziehen.

BRIGITTE Heft 26/07 Fotos: Bettina Lewin Produktion: Merle Rebentisch Text: Melanie Grimsehl Bikini: American Apparel

Wer hier schreibt:

Melanie Grimsehl
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