Müssen sich jetzt auch Frauen das Gesicht rasieren?

Haarfreie, babyweiche Haut: In den USA und Asien lassen sich auch Frauen das Gesicht rasieren. Sinnvolle Gesichtsbehandlung oder absurder Beauty-Trend?

Zurzeit wird im Netz ein neuer Beauty-Trend diskutiert: "Female Facial Shaving". Eine Gesichtsrasur? Bei Frauen? Ernsthaft? Wir haben den Trend unter die Lupe genommen. Was steckt dahinter? Und was soll das bringen?

Primäres Ziel des "Dermaplanings", wie es im Kosmetik-Fachjargon heißt, ist nicht, wie vorschnell vermutet, die Haarentfernung, sondern der Peeling-Effekt. "Die Haut wird zwar eingeschäumt und dann mit einem scharfen Messer rasiert," erklärt Dr. Jan Nebendahl, Facharzt am Dermatologikum in Hamburg, den Vorgang. "So soll allerdings die oberste Hautschicht abgetragen und ein junger, frischer Teint hervorkommen - ähnlich wie bei einem mechanischen oder chemischen Peeling."

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In den USA und Japan längst Trend

So neu ist die Methode gar nicht. In den USA und vor allem in Japan wird die Gesichtsrasur bei Frauen schon seit Jahren praktiziert. Angeblich sollen sich schon die Leinwand-Stars Elizabeth Taylor und Marilyn Monroe diesem Beauty-Treatment unterzogen haben - für einen babyweichen Hollywood-Teint.

Zugegeben, die Vorteile der Behandlung sind unverkennbar. Die Haut ist nicht nur haarfrei und streichelzart, anschließend aufgetragene Pflegeprodukte und ihre Wirkstoffe können wesentlich besser einziehen. Weiterer Pluspunkt: Auch wer Foundation trägt, wird sich über den glatten Teint freuen. Denn das Make-up lässt sich ebenmäßiger auftragen.

Allerdings sollte man bei sensibler Haut vorsichtig sein. Sie könnte durch die Rasur leicht gereizt werden. Eine sanfte Pflege sollte im Anschluss in jedem Fall aufgetragen werden. Empfehlenswert sind beruhigende Produkte mit Aloe Vera. Tipp: Probieren Sie diese Behandlung besser nicht direkt vor einem großen Auftritt aus, da auch bei unempfindlicher Haut Rötungen auftreten können.

Kommt der Trend auch nach Deutschland?

Bei der Recherche sind wir auf keine Beauty-Salons gestoßen, die "Dermaplaning" anbieten. Dr. Nebendahl vermutet, dass die Trend-Welle in Deutschland ausbleiben wird. Wer das "Facial Shaving" dennoch probieren möchte, kann dies natürlich zuhause tun - und sich etwa die Augenbrauen rasieren. Dr. Nebendahl empfiehlt das Rasieren nur auf nasser oder feuchter Haut. "Ansonsten kann es zu Reizungen oder gar Verletzungen kommen." Die Haut sollte schön straff gezogen werden und mit kurzen, schnellen, aber sanften Strichen und im 45-Grad-Winkel rasiert werden.

Beauty-Bloggerin Julia Graf im Rasur-Versuch:

Übrigens: Die Sorge, dass die Haare dicker, stärker und schneller nachwachsen, ist unbegründet. Die Haarwurzel, also dort wo die Dicke des Haares bestimmt wird, wird von der Rasur nicht betroffen. Das Haar wächst also nahezu in der gleichen Geschwindigkeit, Dicke und Stärke wie zuvor. Es könnte lediglich so wirken, als wäre das Haar etwas borstiger, weil es relativ gerade abgeschnitten wird und sich die Poren durch eine regelmäßige Rasur erweitern können.

Aber am Ende bleibt die Frage: Haben Frauen überhaupt Lust, sich jetzt auch noch im Gesicht zu rasieren? Wo wir uns doch eigentlich gerade wieder über den Anblick von Schamhaaren im Schaufenster gefreut haben und Achselhaare schon fast wieder gesellschaftsfähig geworden sind.

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