Welche Größe wird mein Busen wohl mal haben?

Das fragte sie sich mit elf, als sie sehnsüchtig ihre Brüste erwartete. Und heute? BRIGITTE-Mitarbeiterin Stefanie Böhm über ein besonderes Verhältnis und erstaunliche 83 Prozent.

Neulich morgens beim Anziehen. Mein Sohn, zweieinhalb Jahre alt, guckt mir dabei zu und fragt: "Mama, was machst du da?"

"Ich zieh meinen BH an."

"Beeehaaa?" Erstaunte Miene. "Und wofür ist das?"

"Der hält meine Brüste fest", erkläre ich. "Sind das beides deine Brüste?"

"Ja. Toll, was?"

"Ja", sagt mein Sohn. Und: "Die sind aber groß!"

Groß? Na ja. Für meinen Sohn vielleicht. Offiziell habe ich nämlich das, was zur Kategorie "kleinerer Busen" gehört - eine 80 B. Und ich bin absolut zufrieden damit. Ja, ich mag meine Brüste sehr. Ich finde, sie passen perfekt zu mir, zu meinem Körper, zu meinem Kleidungsstil. Seit sie da sind, haben wir ein ganz wunderbares Verhältnis.

Sehnsüchtig wurden sie erwartet, damals, so mit elf, zwölf. Vor lauter Ungeduld stopften meine beste Freundin und ich sogar zusammengerollte Socken in unsere Pullis, damit wir endlich welche hatten. Als es wirklich losging, stieg die Spannung: Wie würden sie wohl aussehen? Und wie groß würden sie werden? Meine wurden genau richtig. Nicht zu viel und nicht zu wenig. So wie ich sind übrigens rund 83,1 Prozent der deutschen Frauen mit ihrer Oberweite zufrieden. Das zeigte eine Umfrage der "Apotheken Umschau". Nur 6,9 Prozent würden ihre Brust gern straffen lassen, lediglich 2,9 Prozent denken über eine Vergrößerung nach. Erstaunlich wenig. Vor allem, wenn man das vergleicht mit den USA, dem Land, in dem nach wie vor die meisten Brustvergrößerungen gemacht werden. Neuester Trend: die "Trennungs-Brust", ausgelöst durch das Supermodel Miranda Kerr, die sich angeblich nach dem Ende ihrer Beziehung mit Orlando Bloom statt einer neuen Frisur lieber neue Brüste hat machen lassen. Oder Venezuela: Da werden sogar Schaufensterpuppen mit Doppel-D-Oberweite ausgestattet - passend zum dort herrschenden Schönheitsideal.

Ganz so üppig sollte es bei einer Freundin von mir nicht werden. Sie hatte Körbchengröße A, war jahrelang todunglücklich damit, wollte unbedingt mehr, sparte sehr viel Geld und legte sich schließlich unters Messer. Als sie Wochen nach der OP endlich keine Schmerzen mehr, dafür aber C-Brüste hatte, war sie happy. Für mich käme das nicht in Frage. Wenn ich ab und zu das Bedürfnis nach einem volleren Dekolleté habe oder ein tiefer Ausschnitt eines Tops oder Kleides danach verlangt, wird eben ein Push-up-BH angezogen. Okay, natürlich gab es auch bei mir durchaus mal Momente der Unsicherheit und des Zweifels: Fand der Mann, in den ich gerade verliebt war, meine Brüste gut? Hoffentlich waren sie ihm nicht zu klein? Letztendlich haben es meine Brüste aber anstandslos durch mehrere Beziehungen bis jetzt in meine Ehe geschafft. Ganz ohne C, D oder gar Doppel-D.

"Große Möpse törnen mich richtig an", gestand ein guter Freund, den ich ganz unauffällig bei ein paar Drinks ausgefragt habe. Möpse, Glocken, Hupen... Männer haben viele Synonyme für Brüste und meist sehr klare Wunschvorstellungen. Evolutionsbiologen erklären die Busen-Besessenheit der Männer so: Große Brüste signalisieren Lust, Erregung und Befriedigung. Sie werden gleichgesetzt mit Fruchtbarkeit, sprich: die Frau wäre potenziell eine gute Mutter und könnte potenzielle Kinder vermutlich ausreichend ernähren. Ziemlicher Quatsch, denn die Größe der Brust hat ja bekanntlich nichts mit den Milchdrüsen zu tun. Zwei Stillzeiten haben meine Durchschnitts-Brüste zuverlässig mitgemacht. Monatelang waren sie das Rund-um-die-Uhr-Milchdepot, nicht immer ohne Probleme: Entzündung, Milchstau, alles inklusive. Mit kühlenden Quarkwickeln auf beinahe platzenden Ballons fragte ich mich, wieso, verdammt noch mal, müssen wir drei eigentlich so leiden, meine Brüste und ich? Irgendwann war dann aber Schluss mit Muttermilch und Still-BHs. Endlich! Meine Brüste gehörten wieder nur mir. Das hat übrigens auch mein Sohn verstanden. "Wofür sind Brüste?", fragte er neulich weiter. Ich: "Da war mal Milch drin, für dich, als du noch ein kleines Baby warst." Darauf er: "Aha - aber jetzt ist die Milch in der Küche."

Text: Stefanie Böhm BRIGITTE 13/2014
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