Die richtige Pflege für Empfindliche Haut

Immer mehr Frauen haben empfindliche Haut. Was kann man dagegen tun? Und welche Pflege ist die richtige?

Weit verbreitet: empfindliche Haut

Eine repräsentative BRIGITTE-Umfrage ergab: 54 Prozent aller Frauen in Europa glauben, sie hätten eine empfindliche Haut. Unsinn, alles Einbildung, war bisher gängige Dermatologen-Meinung, Frauen spielten eben gern die Prinzessin auf der Erbse... Neue Studien zeigen nun: stimmt nicht! Eine englische Untersuchung mit 3000 Testpersonen machte deutlich, dass sensible Haut sehr wohl weit verbreitet und die Selbsteinschätzung von Frauen durchaus ernst zu nehmen ist. Auch die erste deutsche Untersuchung, die so genannte Thüringer Studie der Uni-Hautklinik Jena, zeigte, dass bereits jede(r) Dritte mindestens einmal irritiert auf ein Kosmetikprodukt reagiert hat. Mit Juckreiz, Rötungen, Brennen, manchmal auch mit Schwellungen und Bläschen. Schuld daran waren vor allem Düfte und Pflegeprodukte - von Parfüms und After-Shaves bis zu Cremes und Shampoos.

Wird empfindliche Haut überpflegt?

Krank gepflegt.Woran liegt es denn nun, wenn die Haut verrückt spielt? Ganz klar ist das bisher nicht. Zum einen gibt es offenbar Frauen mit einem ausgeprägten Frühwarnsystem. Sie reagieren besonders leicht auf mechanische Reize (heftiges Reiben und Rubbeln), auf bestimmte Inhaltsstoffe oder auch auf Stress. "Genauso schlimm aber scheint es zu sein", so Professor Volker Steinkraus, Allergologe aus Hamburg, "wenn Pflegeprodukte falsch eingesetzt werden." Das größte Problem: der verschwenderische Umgang mit Shampoos und Waschlotionen. Tägliches Duschen und Haarewaschen ist für die meisten selbstverständlich. Und wer viel Sport treibt, duscht auch gern zwei- oder dreimal am Tag. Morgens macht man sich mit Reinigungsmilch und Gesichtswasser frisch, abends müssen Mascara und Puder runter. Bei dieser Pflege werden mit Staub und Make-up-Resten immer auch Hautlipide (=fette) entfernt. Und das stört auf Dauer die beste Abwehr, die Hornschicht wird durchlässig - und Hautreizer haben leichtes Spiel. Damit es dann nicht zu Rötungen oder Ekzemen kommt, finden Sie hier die drei besten Pflege-Strategien.

Balance halten

Die einfachste Lösung: Man passt auf, dass die Haut ihren natürlichen Schutz gar nicht erst verliert. Also nicht so heiß duschen, so wenig Waschsubstanzen (Tenside) wie möglich benutzen und keine üppigen Schaumbäder nehmen. Nach dem Sport nicht großflächig einseifen, klares Wasser genügt. Auch wer zweimal täglich intensiv das Gesicht reinigt, überfordert empfindliche Haut - morgens reicht die Dusche.

Ölige Haut ist wegen des stärkeren Fettfilms von Natur aus unproblematischer. Was sie allerdings sehr übel nimmt, sind Seife und zu fette Cremes. Folge: Pickel und Mitesser. Die bessere Alternative sind synthetische Waschsubstanzen ("Syndets") und leichte Gele, die Mitessern keine Chance geben ("antikomedogene" Gele). Wird die Pflege auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt, ist alles im Lot. Bestes Zeichen: Die Haut ist auch drei Stunden nach dem Cremen noch glatt und fühlt sich gut an. Wer unsicher ist, kann sich bei kosmetisch interessierten Hautärzten (oft besser: Ärztinnen, die selbst Kosmetik benutzen) oder bei gut ausgebildeten Kosmetikerinnen beraten lassen.

Hautreizer meiden

Am stärksten reizen Parfümstoffe, die zusammen mit Nickel zu den größten Allergieauslösern zählen. Diskutiert wird zur Zeit, einzelne Duftstoffe auf der Packung zu kennzeichnen. Frauen mit empfindlicher Haut müssen auf Düfte nicht ganz verzichten, sollten parfümierte Body-Lotions aber nicht täglich einsetzen und besser unparfümierte Deos nehmen. Antitranspirantien (die bis zu 80 Prozent der Schweißproduktion stoppen), Gesichtswässer und Body-Sprays mit Alkohol lieber stehen lassen. Eyeliner und Mascara sollten schwarz sein, denn blaue und grüne Töne können irritieren - auch im Lidschatten, wo noch mehr Farbpigmente zugesetzt werden. Wenn Nickel-Allergikerinnen schwarze Mascara-Stifte nicht vertragen, kann das an einer Verunreinigung der Rohstoffe mit Nickel liegen. Im Zweifelsfall das Produkt wechseln. Cremes in Tuben und in Spendern brauchen weniger Konservierungsstoffe als Cremes in Tiegeln, weil sie kaum Kontakt mit Luft und Keimen haben, und sind deshalb verträglicher. Nagellack nur ab und zu aufpinseln, weil er die Nägel austrocknet und (durch Berührung) Ekzeme rund ums Auge verursachen kann. Genauso wie Acryl-Dämpfe von Kleber und Nagelhärter bei künstlichen Nägeln. Wenn sich die Haut durch Fruchtsäure- oder hoch dosierte Vitamin-A-Cremes rötet, die Wirkstoffcreme nur noch jeden zweiten Tag auftragen - oder ganz absetzen. Natürliche Inhaltsstoffe sind nicht zwangsläufig milder als andere. Arnika, Propolis, Kamille oder Wollwachs zum Beispiel gelten als bekannte Allergene. Noch schlimmer: ätherische Öle, die nicht zu oft in Aromalampen und nie pur auf die Haut getropft werden sollten.

Haut beruhigen

Gut, wenn Reinigungsmittel wenig oder keine Waschsubstanzen (Tenside) enthalten, dafür aber reichlich Feuchthaltemittel von Urea bis zu Algen-Extrakten. Die polstern auf, und pralle Haut wehrt Keime besser ab. Verstärkt wird dieser Schutz durch natürliche Öle und eine Vorstufe von Vitamin B5, die nachweislich die Haut-Barriere stärken. Französischen Studien zufolge hemmt Thermalwasser die Ausschüttung des Allergie-Botenstoffes Histamin und damit auch Rötungen und Reizungen. Einem deutschen Labor ist es gelungen, die Reizschwelle empfindlicher Haut mit einem Extrakt aus Soja und Mais abzusenken (Fucogel). Und Stiefmütterchen, Eisenkraut, Kava-Kava, Totes-Meer-Salz und Hamamelis gelten seit jeher als entzündungshemmend oder besänftigend. Simple Vermeidungs-Strategie: einfache Cremes mit wenigen, ausgesuchten Inhaltsstoffen benutzen, die mögliche Reaktionen einschränken. Gut für Kontaktlinsenträgerinnen sind Augen-Make-up und -Cremes, die dem natürlichen pH-Wert entsprechen. Gegen juckende Kopfhaut helfen milde Shampoos und Spülungen mit Essig und Brennnessel-Tee. Die Spülungen geben außerdem tollen Glanz fürs Haar. Reizmildernd wirkt auch ein Mix aus Sonnenblumenöl und starken Feuchtigkeitsbindern oder Hafer. Für hartnäckige Fälle sind Produkte mit Polidocanol gedacht, das die Haut etwas betäubt. Milde Deos enthalten zum Beispiel aus Lindenblütenöl gewonnenes Farnesol, oder sie verändern den pH-Wert der Haut und bereiten Geruchsbakterien dadurch ein ungemütliches Klima, ohne harte Keim-Killer.

Empfindlich oder allergisch?

"Fast 600000 Deutsche erkranken jährlich neu an einem allergischen Kontaktekzem", so Dr. Axel Schnuch von der zentralen Allergie-Datenbank an der Göttinger Uni-Hautklinik (IVDK). Dabei kommt es zunächst zu einer Sensibilisierung und dann erst zur Allergie. Etwa 14 Millionen Deutsche sind bereits gegen häufig vorkommende Allergene sensibilisiert, ihre Allergie kann jederzeit wieder ausbrechen. Anders als eine Unverträglichkeit, die man ziemlich schnell spürt, tritt eine echte Allergie erst nach etwa zwei Tagen auf. Oft erinnert man sich dann gar nicht mehr an den Auslöser. Und rein äußerlich sind Allergie und Irritation nur schwer voneinander zu unterscheiden, die Haut ist in beiden Fällen gerötet, schuppt oder juckt. Um Klarheit zu bekommen, unbedingt zum Hautarzt mit dem Zusatz "Allergologe" gehen und einen Hauttest machen lassen. Eine Unterscheidung ist trotzdem nicht immer leicht und verlangt detektivisches Gespür.

Was tun, wenn's spannt oder juckt?

Die Hamburger Allergologin Dr. Birgit Kunze rät, erst mal alles, was die Haut gereizt haben könnte, zwei Wochen lang abzusetzen. Dann mit einer simplen Tagescreme und einem milden Shampoo wieder anfangen und allmählich andere Produkte dazunehmen, aber immer nur eins zur Zeit. Währenddessen keinen Sport machen, Schweiß verstärkt die Irritation. Kortison kann kurzfristig hilfreich sein - allerdings nicht im Gesicht. Rezeptfrei gibt es das schwächere Hydrokortison. Aber nicht ohne ärztliche Begleitung über einen längeren Zeitraum nehmen.

Text: Christa Möller; Fotos: Lars Matzen; Haare und Make-up: Steffen Zoll; Produktion: Birgit Potzkai; Fachliche Beratung: Professor Volker Steinkraus; ; Dermatologe und Allergologe, Hamburg
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