Eine kleine Geschichte der Haut

Sie ist unser größtes Organ: die Haut. Professor Volker Steinkraus, Leiter des Dermatologikums Hamburg, erklärt, wie sich die Haut im Laufe des Lebens verändert, und ob man wirklich etwas gegen Falten tun kann.

Prof. Volker Steinkraus

Was würde unsere Haut erzählen, wenn sie sprechen könnte?

Die Haut würde sagen: 'Traktier mich nicht mit so vielen unnötigen Dingen von außen, sondern lass mich in Ruhe'. Unsere Haut ist eine Powerfabrik, die ihre Aufgaben sehr gut bewältigen kann. Ihre Hauptaufgabe ist zu schützen. Die Haut soll verhindern, dass gefährliche Dinge von außen nach innen und wertvolle von innen nach außen kommen. Ein Kosmetikum dient lediglich zur Unterstützung der Haut. Es sollte sie reinigen, pflegen und schützen, was die Haut aber auch von allein kann.

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Der Mensch sollte der Haut Ruhe gönnen und nur minimal eingreifen, etwa mit einer guten Pflegecreme. Die kommt ohne künstliche Inhaltsstoffe aus und setzt sich lediglich aus biologischen Bestandteilen zusammen. So gibt es mittlerweile Kosmetika, die anstelle von Wasser eine Nährflüssigkeit aus Vitaminen, Mineralsalzen und Spurenelementen enthalten. Damit bekommt die Haut alle Bausteine, um ihre Aufgaben von selbst zu erfüllen.

Wie verändert sich die Haut im Laufe des Lebens?

Die Entwicklung der Haut hängt von zwei Faktoren ab. Der erste sind die vererbten Gene, der zweite der Lebensstil jedes Menschen. Wer viel raucht, sich oft ungeschützt der Sonne aussetzt und ständig gestresst ist, schadet seiner Haut erheblich. Den Lebensstil - und damit den Zustand der Haut - haben wir selbst in der Hand. Die Alterung, die unsere Gene vorgeben, ist unausweichlich. Sie setzt damit ein, dass sich das Bindegewebe verändert. Das elastische Material wird abgebaut und durch minderwertiges ersetzt. Zusätzlich fehlt Feuchtigkeit. Dadurch ändert sich das Profil der Haut, was sich als Falten bemerkbar macht.

Weiterhin wird die Oberhaut dünner und sitzt nicht mehr so fest auf der Lederhaut. Die Gefäße werden weiter und brüchig. Die Hornhaut wird ungleichmäßig ausgebildet, wodurch bei Sonnenstrahlung eine unregelmäßige Bräunung erkennbar wird. Durch diese komplexe Veränderungen entsteht so genannte 'Altershaut'.

Lassen sich Falten rückgängig machen?

Falten lassen sich nur bedingt reparieren, deshalb ist vorbeugen besser als nachsorgen. Je nach Art der Falte gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen man aber immer nur das äußere Erscheinungsbild der Haut verbessert. Kleine Falten kann man mit einer Laser- oder Vitamin-A-Säure-Therapie behandeln. Tiefere Falten können mit einer Unterspritzung ausgeglichen werden. Rückgängig lassen sich keine Falten machen, denn niemand kann die biologische Uhr zurück drehen.

Was kennzeichnet die Haut einer Frau in den einzelnen Lebensabschnitten?

Mit 20 Jahren ist die Haut sehr unkompliziert. Sie ist noch faltenfrei, hat genug eigene Fette und ist auch bei viel Sonnengenuss ebenmäßig gebräunt. Außerdem ist die Haut noch so jugendlich, dass sie Einflüsse, die zur Alterung beitragen, gut kompensieren kann. Es können zwar schon Schäden entstehen, die sind aber noch nicht sichtbar. Die Haut mit 30 Jahren weist erste Fältchen um die Augen auf, ist stellenweise trocken und das Bindegewebe verändert sich. Mit 30 zeigt die Haut allmählich, wie man sie im Laufe des Lebens traktiert hat. Mit 40 Jahren sind die minimalen Fältchen der 30-Jährigen stärker ausgeprägt. Die weitere Entwicklung der Haut ist abhängig vom Hormonhaushalt einer Frau und dem Einfluss der genetischen Veranlagung und dem Lebensstil.

Wann beginnt der Alterungsprozess?

Bis zum 25. Lebensjahr ist kaum eine Alterung der Haut sichtbar. Nur unter dem Mikroskop könnte man anhand einer Gewebeprobe feststellen, wie stark eine Frau ihre Haut belastet hat. Dann kann man die Geschichte dieser Haut nacherzählen, ohne die Frau jemals gesehen zu haben.

Der sichtbare Alterungsprozess setzt je nach Veranlagung etwa Ende 20 ein. Bei Menschen, deren Leben durch Stress, zu viel Sonne und Rauchen geprägt ist, schon eher. Aber viel wichtiger ist, dass der eigene Schönheitsbegriff zum Lebensalter passt. Denn es geht vor allem darum, glücklich und gesund zu altern.

Interview: Cindy Ullmann
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