Fruchtsäure - so gut hilft sie gegen Falten

Was kann Fruchtsäure? Die Münchner Dermatologin Dr. Sabine Zenker erklärt die Wirkung von Fruchtsäure auf unsere Haut und weiß, warum Fruchtsäurepeeling so gefragt ist. 

Der Fruchtsäuren-Steckbrief

Der Name: 

Als Fruchtsäuren werden Hydroxysäuren bezeichnet, die, der Name lässt es erahnen, den sauren Bestandteil vieler Früchte bilden. Die genaue Stoffgruppe heißt Alphahydroxysäure, kurz: AHA. Das A am Ende steht für Acid, die englische Bezeichnung für Säure.

Herkunft:

Vor etwa drei Jahrzehnten (ja, so lange wird sie schon in der ästhetischen Dermatologie angewandt) gewann man Fruchtsäuren tatsächlich noch aus natürlichen Rohstoffen wie zum Beispiel Ananas, Äpfeln, Zitrusfrüchten, unreifen Trauben, Zuckerrüben und -rohr. Aus den drei Letztgenannten erhielt man die einfachste Fruchtsäure, Glycolsäure, die auch heute noch bei Akne Wunder wirken kann. Mittlerweile aber werden die meisten Fruchtsäuren synthetisch nachgebaut - oft um ihre Wirksamkeit stabil zu halten. 

"Die Arten wirken auf der Haut aber unterschiedlich", erklärt Anna Tersteeg, Kosmetologin und Hautexpertin bei Dermasence. "Natürliche wie Apfelsäure sind meist etwas milder als etwa synthetische Glycolsäure."

Das bewirkt Fruchtsäure in unserer Haut

Alle Fruchtsäuren machen einen frischen Teint und sorgen für strahlende Haut, denn sie erhöhen nachweislich die Wasserbindefähigkeit der Haut, verringern feine Mimikfalten und Pigmentflecken und können langfristig die Haut auch festigen. Zudem sorgen sie dafür, dass Wirkstoffe effektiver eindringen, und der Zellstoffwechsel verbessert sich. Das alles ist übrigens eine Sache der Konzentration und des Milieus. 

Wie funktioniert das mit den Fruchtsäuren?

Die AHAs schaffen all das, indem sie den natürlichen Erneuerungsprozess der Haut unterstützen. In deren Tiefen werden ja jeden Tag Zellen gebildet und nach oben geschoben. Gleichzeitig werden die obersten Hornzellen abgetragen. Das geschieht meist mechanisch und nebenbei - eine unruhige Nacht im Bett, Pulli an, Pulli aus oder wenn Sie sich mit dem Handtuch abrubbeln. Nach 28 Tagen heißt es dann "downside up", die Haut hat sich einmal runderneuert. Das läuft allerdings, vor allem wenn wir älter werden, nicht immer gleichmäßig ab. Die Folge: raue Stellen, trockene Haut mit Schüppchen. Und weil auftreffendes Licht von der unebenen Fläche nicht mehr gleichmäßig reflektiert werden kann, wirkt unser Äußerstes tendenziell stumpf und glanzlos. Und hier kommen die Fruchtsäurepeelings ins Spiel: Ihre winzigen Moleküle lösen den Zusammenhalt der teils schon lockeren obersten Hautschüppchen - und zwar sanfter als Schleifpartikel in mechanischen Peelings -, und die toten Partikel lassen sich abtragen. Das Hautbild sieht wieder rosig und glatter aus, und Unreinheiten entstehen nicht so schnell.

So wirkt Fruchtäure optimal

Ein saurer pH-Wert - der Haut, aber auch der Produkte, in denen die Säuren stecken. Je niedriger der ist, desto größer ist nämlich der AHA-Effekt. Viele Firmen achten deshalb darauf, dass ihre Creme einen pH-Wert bei etwa 4 hat, und weisen das auf der Verpackung aus - falls nicht, am besten die Verkäuferin fragen. Wer aber das Gesicht vor der Anwendung mit einem stark entfettenden Gel reinigt, das die eigentlich leicht saure Haut eher basisch macht, boykottiert die Wirksamkeit. Ob die Säuren arbeiten, merkt man übrigens: Es bitzelt leicht auf der Haut.

Vorsicht vor Sonne

Fruchtsäuren erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Heißt: In der Sonne verbrennt sie schneller - und pigmentiert mit ziemlicher Sicherheit unregelmäßig. Man sollte sich also mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF 50) wappnen. Wegen des Reizpotenzials rät die Münchener ästhetische Dermatologin Dr. Sabine Zenker, Fruchtsäure generell auch nur auf gesunde, unverletzte Haut zu geben

"Typische Kontraindikationen, bei denen sie nicht angewendet werden darf, sind etwa Entzündungen, Infektionen wie Herpes, frische Wunden, entzündliche Akne und Allergien gegen die Inhaltsstoffe. Alle diese Zustände könnten durch die zusätzliche Reizung von außen verschlimmert werden."

Da stecken 'ahas' drin 

Nicht nur im Badezimmer, sondern auch in Kosmetikstudios und Arztpraxen. Da können sich Fruchtsäuren so richtig austoben: Kosmetikerinnen dürfen die AHAs in bis zu 40-prozentiger Konzentration einsetzen, für deutliche und vor allem schnelle Ergebnisse, ästhetische Dermatologen "operieren" sogar mit bis zu 70-prozentiger Lösung. Ein Eingriff, der die Haut stark angreift - sie schält sich bis in tiefere Schichten. Doch Falten, Flecken und Narben können damit effektiv verbessert werden.  

Drei Fragen an Dr. Sabine Zenker

Wie erklären Sie sich den Fruchtsäuren-Trend?


In der Dermatologie kennen wir Fruchtsäuren als Peelingsubstanz ja schon lange, und derzeit gibt es ein regelrechtes Revival: ein Zurück zum Bewährten.

Was kann so eine Fruchtsäure, speziell Glykolsäure?

Einiges! So kann sie aufgrund ihrer kleinen Molekülgröße in die obersten Hautschichten eindringen und abgestorbene Hornschüppchen lösen, wodurch auch die nachfolgende Pflege besser wirken kann. Außerdem wurde nachgewiesen, dass bei regelmäßiger Anwendung von Glykolsäure vermehrt Kollagen und Elastin in der Haut gebildet werden, eine Behandlung also faltenglättend wirken kann.

Funktioniert das auch mit Pads für zu Hause?

Ja, sie sind praktisch und auch so dosiert, dass sie bei gesunder Haut gut verträglich sind. Werden sie regelmäßig und langfristig angewendet, wird die Haut reiner, gleichmäßiger, und Fältchen können abgemildert werden.  

Brigitte 05/2018
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