Patricia Kelly: "Geht zur Vorsorge!"

Die Sängerin Patricia Kelly, 43, ist die neue Botschafterin des Vereins Brustkrebs Deutschland. Wir sprachen mit ihr über ihre Erkrankung und wie sie es schaffte, den Krebs zu besiegen.

BRIGITTE.de: Frau Kelly, wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Verein "Brustkrebs Deutschland"?

Patricia Kelly: Ich habe Renate Haidinger, die Vorsitzende, bei meinem Auftritt auf dem "Pinktober"-Charity-Konzert im Hard Rock Café kennengelernt. Das war letztes Jahr, als ich selbst schon wieder gesund war. Ich hatte großes Glück, weil der Krebs in meiner Brust bei einer Routine-Kontrolle sehr früh entdeckt wurde.

Wie engmaschig haben Sie Ihre Brust kontrollieren lassen?

Zum ersten Mal überhaupt ging ich mit 39 zur Mammographie. Ich hätte natürlich viel früher damit anfangen müssen, gerade weil meine Mutter mit 38 an Brustkrebs gestorben ist. Ich war 12 Jahre alt. Wenn es damals schon so gute Kontrollen gegeben hätte, wäre sie unter Umständen noch am Leben. Bei mir wurde eine Vorstufe diagnostiziert, allerdings ein sogenannter High Grade. Meine Ärztin sagte, wenn ich ein Jahr später gekommen wäre, hätte es bereits zu spät sein können. Deshalb appelliere ich inbrünstig an alle Frauen, sich regelmäßig untersuchen zu lassen und selbst abzutasten.

Was haben Sie empfunden, als Ihnen der Befund mitgeteilt wurde?

Es war wie aus dem sechsten Stock zu fallen. Ohne Halt und doppelten Boden. Mir schossen Gedanken durch den Kopf wie: 'Das hat nichts mit mir zu tun. Ich rauche nicht. Ich trinke nicht'. Es dauert ein bisschen, bis man das realisiert.

Wie ging es weiter, nachdem Ihre Krankheit 2009 entdeckt wurde?

Ich brauchte glücklicherweise keine Bestrahlung oder Chemotherapie. Mir wurde zunächst ein Viertel der oberen, rechten Brust abgenommen. Ich konnte mich einfach nicht sofort dazu durchringen, die komplette Brust zu verlieren. Ich habe dann fast ein Jahr gebraucht bis ich entschied, doch eine vollständige Mastektomie, so der Fachausdruck, zu machen. Heute trage ich ein Implantat auf der rechten Seite.

Wie fühlten sich diese Eingriffe an?

Natürlich hadert man als Frau damit, wenn einem die Brust abgenommen wird. Aber die Silikonprothese sieht wirklich ziemlich echt aus. Allerdings hatte ich drei Monate lang ziemlich starke Schmerzen, habe Konzerte abgesagt, weil ich sehr viel Ruhe brauchte. Durch die Narkose und die psychische Belastung ist die Hälfte meiner Haare ausgefallen, ich trug zu der Zeit Haarteile. Heute sind meine Haare wieder so voll wie vor der Erkrankung. Mein rechter Arm war lange eingeschränkt, eine Wasserkiste kann ich immer noch nicht mit rechts tragen – das wird wohl auch so bleiben. Aber solange das alles ist, will ich mich wirklich nicht beschweren.

Verwenden Sie jetzt nach der OP spezielle Pflege im Brustbereich?

Ich kann Olivenbio-Öl empfehlen, damit habe ich zwei bis drei Mal am Tag meine Narben im Dekolleté einmassiert. Und ich verwende nur Aluminium-freies Deo. In die Sauna sollte man übrigens mit dem Implantat nicht mehr gehen, das kann überhitzen. Zehn Minuten Dampfbad sind aber kein Problem. Gute Sport-BHs sind auch hilfreich.

Wo haben Sie Trost und Unterstützung gefunden?

Meine Familie hat mich toll unterstützt, mein Mann Denis natürlich insbesondere. Und ich hatte mir ein Ziel gesteckt, das gab mir viel Kraft: Ein Jahr nach der OP bin ich mit meinem Bruder Joey einen Halbmarathon gelaufen. Das gemeinsame Training hat positive Energie freigesetzt. Innere Ruhe zu finden, war für mich auch sehr wichtig, ich war regelmäßig in der Kirche zum Beten. Ich denke, dass 50 Prozent des Genesungserfolgs der zwischenmenschlichen Hilfe anzurechnen sind. Dafür bin ich meiner Familie sehr dankbar.

Mehr über Brustkrebs Deutschland

Den Verein Brustkrebs Deutschland gründete Renate Haidinger, nachdem sie selbst erkrankt war. Mit ihrer Arbeit unterstützt sie Frauen bei der Bekämpfung von Brustkrebs. Außerdem macht sie sich stark für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.

Mit der Aktion "Frauen helfen Frauen" unterstützt der Kosmetikkonzern Johnson&Johnson die Arbeit des Vereins. Vom dem Verkauf jeder o.b.- und Carefree-Packung gehen zwischen dem 1. September und 30. November 2013 jeweils 10 Cent an Brustkrebs Deutschland.

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