Schöne Schaum-Geschichten aus der Beauty-Welt

Beim Haarewaschen, Duschen, Baden: Schaum ist Teil vieler Beauty-Rituale. Aber wie viel Forschung steckt eigentlich hinter den hübschen Seifenblasen?

Es gibt sie, diese feinen Unterschiede. Schaum ist eben nicht gleich Schaum. Das fängt schon beim Cappuccino an: Mit einem Milchkrönchen, das traurig in sich zusammenfällt, schmeckt er irgendwie nicht. Mit cremiger Haube, die sich wie ein Dessert löffeln lässt, dagegen sehr. Anderes Beispiel, in der Badewanne: Wächst der Schaum erst zum Gebirge und löst sich dann schnell in Luft auf, ist er eine Enttäuschung - eine uncharmante dazu, weil er uns so ganz ohne im klaren Wasser zurücklässt. Eine wolkige Decke hingegen fühlt sich einfach himmlisch an.

Guter Schaum macht also gute Laune. Aber er ist eine Wissenschaft für sich. Im wahrsten Sinne des Wortes: Es gibt Forscher, die sich seit vielen Jahren mit den feinen Luftbläschen beschäftigen und emsig herumtüfteln, wie man deren Konsistenz weicher, seidiger, schwerer oder leichter hinbekommt. Denn ein Shampoo braucht einen anderen Schaum als ein Badezusatz oder eine Gesichtsreinigung. Und oft ist der Schaum der Grund dafür, dass wir ein Produkt mögen - auch wenn uns das selbst gar nicht bewusst ist. "Schaum ist etwas sehr Sinnliches, wir lassen ihn direkt an die Haut. Deshalb muss er sich angenehm anfühlen", bestätigt auch Professor Howard Hutton, Schaum- und Tensid-Experte für Haarpflegeprodukte bei Procter & Gamble (u. a. Pantene und Wella).

Und was genau ist Schaum eigentlich? Ein chemisches Kunstwerk, unzählige Luftbläschen, die aus einer Wand aus Wasser und Tensiden bestehen. Diese Tenside sind molekulare Gebilde mit zwei Enden, die sich unterschiedlich aktiv verhalten: Das eine Ende ist hydrophil, was bedeutet, dass es sich mit Wasser verbinden möchte; das andere Ende ist hydrophob, möchte also Wasser abstoßen. Aufgrund dieser Gegensätzlichkeit dehnen sich die Oberflächen der Tenside in beide Richtungen und schließen dabei die Luft ein. Aus diesen Bläschen setzt sich der Schaum zusammen. Und wie weich, luftig, reichhaltig oder sparsam er ist, hängt von der Art und Konzentration der Tenside ab.

Tenside haben immer noch den Ruf, die Haut auszutrocknen oder sogar zu reizen", sagt Howard Hutton, "früher, zum Beispiel in Seifen, waren sie tatsächlich sehr aggressiv. Doch heute arbeiten wir mit milden, hautschonenden Tensidarten." Und selbst Pflegeprodukte für extrem empfindliche oder besonders trockene Haut produzieren heutzutage sanften Schaum, ohne die Haut zu irritieren.

Die Forscher analysieren sehr genau, wie ein Produkt schäumen muss, damit wir es gern verwenden. Dabei unterscheiden sie im Großen und Ganzen zwischen zwei Richtungen:

1. Der leichte, luftige Schaum im Shampoo oder Duschgel, der für Sauberkeit und Frische steht. Je leichter und üppiger, desto besser fühlt sich das Haarewaschen oder Duschen an.

2. Die dichte, cremige Variante steht für Pflege und Schutz.

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Wir mögen sie in der sanften Duschcreme für sensible Haut oder im Shampoo für trockenes, angegriffenes Haar. Je weicher und feiner der Schaum, desto schonender und pflegender wirkt das Produkt. "Schaum ist ein Signal. Er verrät uns, was wir von einer Pflege erwarten können", bringt Howard Hutton dieses Gefühl auf den Punkt. "Schäumt das Reinigungsgel für unreine Haut wenig oder gar nicht, sondern liegt stattdessen schwer auf der Haut, haben wir den Eindruck, es sei nicht gründlich." Und umgekehrt: Schäumt die Duschmilch für trockene Haut wie wild, denken wir, sie ist nicht mild genug. Obwohl - rein theoretisch gesehen - der Schaum nicht unbedingt den Ausschlag für die Wirkung eines Produkts geben muss. Für die Konsumentin ist Schaum also in erster Lionie reine Gefühlssache. Und nach diesem Gefühl richten sich die Kosmetikentwickler.

Je feiner der Schaum, desto pflegender wirkt das Produkt

Natürlich hat Schaum aber auch eine Funktion. So wirken sanfte Tenside fettlösend und reinigend. Zusammen mit rückfettenden und pflegenden Wirkstoffen sind sie keine Belastung für gesunde Haut. Immer beliebter für die Gesichtsreinigung wird Sofortschaum aus dem Pumpspender: Auf Druck landet zartes Mousse in der Hand, lässt sich sofort im Gesicht verteilen und mit warmem Wasser leicht wieder abspülen (z. B. "Aqua Effect Erfrischendes Reinigungsmousse" von Nivea oder "Sanfter Reinigungsschaum" mit Rosenwasser von Melvita).

Schaum kann allerdings noch sehr viel mehr, zum Beispiel feuchtigkeitsbindende Wirkstoffe wie Urea, Glycerin oder Hyaluronsäure transportieren. Manche Hersteller haben deshalb Pflegeschaum entwickelt, der anstelle von Milch oder Lotion auf der Haut verteilt wird. Besonders für Hände oder Füße eignet er sich, weil die Textur schnell einzieht und keinen fettenden Film hinterlässt (z. B. "Skincair Granatapfel Schaum-Creme" für den Körper von Allpresan, "Beauty Xpress Handschaum" von Dr. Grandel oder "Ictyane Schaumcreme" für extrem trockene Haut von Ducray, in Apotheken). Und ein Reinigungs-/Rasierschaumhybrid für den Intimbereich, angereichert mit Milchsäure, der die Haut schützen soll ("Sensitiv Schaum mit Calendula & Milchsäure" von CD).

Doch zu guter Letzt bringt cremig perlender Schaum einfach Spaß. Er lässt sich geschmeidig auf der Haut verteilen, fühlt sich in der Badewanne herrlich an und verbreitet oft auch noch wohltuende Aromen (z. B. "Schaumwelten Waldzauber" mit Eukalyptusduft von Tetesept). Einige Hersteller haben deshalb nun auch Duschschaum entwickelt (z. B. "Happy Buddha Organic Mandarin & Yuzu Duschschaum" von Rituals oder "Seathalasso Shower Foam" von Douglas Beauty System). Der kommt dicht und fein auf Knopfdruck aus dem Spender und erinnert uns daran, dass es nach der Morgendusche höchste Zeit für einen richtig guten Cappuccino ist - mit fein cremigem, na was wohl?

Produktion: Birgit Potzkai Fotos: Keith Schofield Haare und Make-Up: Tricia Le Hanne / Bigoudi Model: Mikaela Olsson/Mega Baby-Doll: Cammello Maculato Wäsche: Blush BRIGITTE 4/2014
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