Beauty: Die Milch macht's!

Warme Milch-Bäder, sanfte Peelings, reichhaltige Masken - die Rechnung geht auf, denn Milch ist ein Nährstoffwunder und verwöhnt die Haut (nicht nur) an kalten Wintertagen.

Sie hat es nicht leicht, die gute alte Milch. Für den Latte macchiato wird sie gern durch Soja oder Hafer ersetzt. Für Diäten vom Speiseplan verbannt. Und immer häufiger wird bei Bauchweh die Laktose, der Milchzucker also, als Übeltäter verdächtigt, manchmal voreilig. Um der Milch zur Abwechslung etwas Gutes zu tun, muss endlich mal wieder daran erinnert werden, wie reich an Nährstoffen sie eigentlich ist: ein pralles Depot an Vitaminen, Mineralstoffen, wertvollen Fetten und Eiweißen, Milchzucker und -säure. Kein Wunder, dass sie als Hautpflege eine stolze Tradition hat. So sollen Nofretete und Kleopatra regelmäßig Bäder genommen haben, Kaiserin Sisi und Joséphine Bonaparte ebenfalls.

Beauty-Helfer selbst gemacht

Schon Kleopatra wusste es - ein Bad darin verwöhnt die Haut im Winter und fördert sanft die Zellregeneration.

Maria Walser, 56, ist Landwirtin und Expertin für Kräuter- und Milchkosmetik. "Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Mutter und meine Großmutter haben von der gemolkenen Milch den Rahm abgenommen und sich damit die Haut eingerieben." Das war und ist klug. Denn das Milchfett ist besonders pflegend, weil es dem hauteigenen Fett so ähnelt. "Ein Bad mit Milch und Honig verwöhnt die Haut im Winter und fördert die Zellregeneration." Die Mischung regt die Durchblutung an, reinigt sanft, stabilisiert den Säureschutzmantel und beugt Feuchtigkeitsverlust vor. Der milcheigene Zucker kann den Heilungsprozess kleiner Wunden beschleunigen und auch Probleme wie Schuppenflechte oder extrem gereizte Stellen abmildern, das weiß Maria Walser aus Erfahrung.

Forscher haben bestätigt, dass Milch Wachstumsfaktoren enthält, die den Erneuerungsprozess der Hautzellen ankurbeln. Zwei Liter und etwa 200 Gramm Honig müssten in die Wanne nach Maria Walsers Rezept. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass es sich hier um Lebensmittel handelt. "Das stimmt. Dafür hat man aber eine Pflege, die ganz ohne Chemie auskommt, ohne Tierversuche und komplizierte Produktionswege", sagt die Bäuerin. Bei besonders trockener Haut helfe ein Sahnebad, empfiehlt sie. Ihre Mixtur: einen Becher Sahne mit jeweils einem Esslöffel Oliven- und Mandelöl sowie zwei Esslöffel Honig ins warme Wasser geben, dazu Lavendelblüten für die Entspannung. Bei unreiner Haut seien Masken mit Quark ideal, die Säure wirke desinfizierend. Und mit einem Esslöffel Sahne, etwas Zucker und Lavendelblüten könne man sich schnell ein Handpeeling mischen.

Wer mehr über das Milchwunder erfahren möchte, darf Maria Walser auf ihrem Glaswinkler Hof in der Nähe von Bad Tölz besuchen. Dort bietet sie auf Wunsch Workshops darüber an, wie man sich Cremes, Peelings und Bäder mit Milch selbst mischen kann (ab fünf Personen, Infos: Kräuter-stüberl.de).

So weiß, so gut: Das Fett in der Milch ist besonders pflegend, weil es dem Fett in der Haut so stark ähnelt.

Molke: schön vielseitig

Nicht weniger nährstoffreich als Milch ist die Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung. Davon hat Jutta Braun im Überfluss, denn sie betreibt mit ihrem Mann eine Käserei. Die wässrige, fast fettfreie Flüssigkeit mit ihren Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren ist nicht nur ein gesunder Drink. Jutta Braun ließ sich von einem Kosmetikverband beraten und entwickelte zusammen mit einem Experten ihre eigene Kosmetiklinie mit Gesichtscreme, Maske, Peeling, Shampoo und Körperpflege. 40 bis 80 Prozent Molke stecken in jedem Produkt. "Sie ist ein Alleskönner", schwärmt die Landwirtin aus dem Schwarzwald, "sie wirkt rückfettend, entzündungshemmend und kann Unreinheiten bekämpfen." Der einzige Nachteil: Molke riecht säuerlich, besonders eine Weile nach dem Auftragen. "Wir mussten erst einmal experimentieren, bis die Produkte einen angenehmen Duft hatten. Ätherische Öle aus Rosen und Zitronen waren die Lösung." Wer ins pure Molkebad steigen möchte, sollte also unbedingt ein paar Tropfen duftendes Aromaöl dazugeben, rät Jutta Braun.

Bio-Pflege für Gesicht & Körper

Viele Naturkosmetikmarken setzen ebenfalls auf Milchwirkstoffe. Der griechische Hersteller Korres hat seine "3-in-1 Reinigungsemulsion" für das Gesicht und die "Milk Soap" für besonders empfindliche Haut mit Milchproteinen angereichert. Tautropfen hat drei Milchbäder im Sortiment, wahlweise mit Essenzen aus Rose, Ingwer oder Sanddorn. Die britische Luxusmarke The Organic Pharmacy mischt Lavendel und Kamille in sein "Milk Bath" (über Ausliebezumduft.de). Nur Erträge aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft kommen in das "Rosenblüten Milchbad" von Just Pure (Justpure.de).

Honig & Milch: das Dream-Team

Schon in der Antike wurde er von den Griechen "Nektar der Götter" getauft. Kombiniert mit Milch kann Honig seine guten Eigenschaften für die Haut noch besser entfalten. Reich an Mineralstoffen und Spurenelementen, wirkt er klärend und entzündungshemmend und stabilisiert dabei, so wie die Milch, mit seinen milden Säuren die Schutzbarriere der Haut. Besonders sein Gehalt an Pantothensäure (Vitamin B5) fördert die Regeneration der Zellen. Enthalten ist das Wirkstoff-Duo zum Beispiel in dem Dusch-Schaum "Skincair Milch & Honig" von Allpresan oder in der Linie "Bio-Milch und Honig" von Lavera, mit Badezusatz, Duschgel, Körperlotion und -öl. Kiehl's setzt in der reichhaltigen Körperbutter "Creme de Corps Soy Milk & Honey" auf die Kombination aus Honig und Sojamilch.

Auch Kokos kann es

Ein nährstoffreicher Ersatz für Kuhmilch ist die aus der Kokosnuss - nicht nur, wenn es um Ernährung geht. Das Naturprodukt steckt auch in Bädern und Körpercremes, zum Beispiel von Kneipp (Cremebad "Paradiesische Versuchung") oder Dresdner Essenz (Schaumbad "Kokosmilch/Ylang Ylang"). Auch die Marke Burt's Bees, die sich ursprünglich auf Honigpflege spezialisiert hat, erweitert mit der nährenden "Coconut Foot Creme" ihre Range um Kokosmilch. Besonders luxuriös im Bad kommt die Linie von Laura Mercier daher: Das "Almond Coconut Milk Honey Bath" wird in einem bauchigen Glas verkauft, mit hölzernem Honigheber - und duftet wie ein aromatisches Dessert.

Im Allgäu ins Milch-Spa

Doch noch mal zurück zu den grünen Wiesen und Bergen. Wer einen Abstecher auf Maria Walsers Allgäuer Hof macht, sollte anschließend noch nach Fischen zum "Hotel Tanneck" (Hoteltanneck.de) fahren. Das Vier-Sterne-Haus hat ein Spa-Konzept rund um Milch entwickelt - vom Milch-Honig-Bad mit Schlaftrunk und Anti-Stress-Massage über die Sahne-Kräuter-Handkur bis hin zur Joghurt-Ganzkörper-Packung mit Aroma-Öl. Den Ruheraum im Wellnessbereich trennt nur eine Glasscheibe von der Berglandschaft. Man hat einen wunderschönen Blick auf die Weiden - und auf glücklich grasende Kühe.

Fotos: Dietrich Halemeyer Produktion: Sarah Harms
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