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Kinder-Kosmetik: Pflege für die Kleinen


Bunter Sonnenschutz, Baby-Parfüms oder Windelcreme in Bio-Qualität - nie gab es so viel Auswahl an Kinder-Kosmetik. Doch welche sind tatsächlich sinnvoll?

Bis zum 1. Geburtstag: so wenig wie möglich

Wenn Babys zur Welt kommen, bringen sie ihre eigene Hautcreme mit - wegen ihres weißlichen Aussehens haben Ärzte ihr den Namen "Käseschmiere" gegeben. Sie enthält genau die Lipide, die die besonders dünne Haut eines Neugeborenen schützen und pflegen. Darum wäscht man sie heute auch nicht mehr ab, sondern massiert sie ein. Babyhaut produziert weniger Talg als die Erwachsener und kann sich schlechter gegen Infektionen schützen.

Kinder-Kosmetik sparsam verwenden

Darum sollte man die Haut eines Babys so selten wie möglich reinigen. Professor Martina Kerscher vom Studiengang Kosmetik und Körperpflege der Uni Hamburg empfiehlt, Kinder in den ersten vier Lebensjahren höchstens zwei- bis dreimal pro Woche zu baden, wobei das Wasser zwischen 32 und 37 Grad warm sein sollte - höhere Temperaturen lassen die Haut austrocknen. Als Badezusatz eignet sich ein rückfettendes Ölbad ohne schäumende Tenside - aber ein paar Tropfen neutrales Speiseöl erfüllen ebenso ihren Zweck. Auch wenn Babys noch keine Seifen und Shampoos brauchen, um sauber zu werden, haben viele Mütter und Kinder Spaß an Schaumbädern. Damit die waschaktiven Substanzen die Haut nicht unnötig reizen, den Schaum gründlich abspülen und die Haut vorsichtig trocken tupfen.

Zum Schluss eine rückfettende Lotion auftragen und wunde Windelpopos mit einer zinkhaltigen Paste oder einer Salbe mit Panthenol pflegen. Zur täglichen Reinigung sind feuchte Waschlappen oder mit Wasser und einem Tropfen Öl befeuchtete Vliestücher gut. Wer praktische Feuchttücher vorzieht, wählt am besten "Sensitiv"- Varianten. Sonnencremes sind für Kinder unter zwölf Monaten nicht empfehlenswert, da nicht erforscht ist, wie stark die Filtersubstanzen durch die dünne Haut dringen und welche Wirkung sie im Babykörper haben. Die ganz Kleinen lieber mit langärmeliger Kleidung, Hut und Schirm vor direkter Sonne schützen. Pflegeserien für Kinderhaut: z. B. von Bübchen (elf Produkte mit Gütesiegel der Deutschen Haut- und Allergiehilfe für allergikerfreundliche Produkte), "Haut Ruhe" von Eubos, "Baby sebamed" von Sebamed (Serie mit pH-Wert 5,5). Für die Windelzone: z. B. "Penaten Baby Panthenol-Creme" von Penaten, "Wonne Po" von Bellybutton, "Wundschutz" von Hipp Babysanft, "Comfort Pflegetücher Sensitive" von Bübchen.

Vom 1. bis 4. Lebensjahr: das Beste für echte Abenteurer

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Mit einem Jahr wird Kinderhaut allmählich widerstandsfähiger. Und jetzt wird es auch höchste Zeit, denn Babys werden mobil, krabbeln, laufen - und sie begnügen sich nicht mehr damit, den ganzen Tag im Schatten zu sitzen. Um sie vor der Sonne zu schützen, brauchen Kleinkinder immer noch langärmelige Kleidung und Sonnenhut. Am Strand und im Schwimmbad sind spezielle Sonnenschutz-Anzüge super: Die sehen aus wie kleine Surfanzüge, bedecken Nacken und Schultern und trocknen schnell (z. B. von Hyphen, über www.jako-o.de). Alle Stellen, die nicht durch Kleidung geschützt sind, großzügig mit Kindersonnencreme (mit LSF 25 oder höher) eincremen. Und zwar nicht nur im Urlaub, sondern auch an einem sonnigen Nachmittag auf dem Spielplatz. Das klappt oft nur unter Protest - aber mit ein paar Tricks lassen sich kleine Crememuffel überzeugen: Erst darf das Kind Mamas Nase mit Creme betupfen, dann umgekehrt.

Farbige Sonnensprays machen das Eincremen interessanter. Und die Eltern erkennen, wo gecremt wurde. Ist das Spray eingezogen, verschwindet auch die Farbe. Ist die Haut nach einem Tag an der frischen Luft sehr trocken, helfen Cremes mit ungesättigten Fettsäuren (z. B. aus Nachtkerzenöl) und Panthenol. Baden und duschen sollten Ein- bis Vierjährige möglichst selten: nur, wenn sie schmutzig oder verschwitzt sind, idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche.

Sonnenschutz für Kleinkinder: z. B. "Anthelios LSF 50+ Dermo-Kids" von La Roche-Posay, "Sun for Kids Sonnenmilch" LSF 30 von Annemarie Börlind, "Kleinkinder Micropigment Sonnenlotion 25" von Eucerin (ohne chmische Filter), "Sun Spray für Kinder" (farbig) LSF 30 von Nivea Sun, "Sonnenschutz Milch für Kinder" LSF 50+ von Ladival, "Ambre Solaire Delial Kinder Sonnenspray Ultra-Feuchtigkeit" LSF 50+ von Garnier, "Sonnenspray Kinder SPF 50+" von Eau Thermale Avène. Cremes mit Fettsäuren: z. B. "Linola Fett" von Dr. Wolff, "Hautberuhigende Creme 12% Omega" von Eucerin, "Wund- und Heilsalbe" von Bepanthen, "Nachtkerzen Intensiv- Salbe fettend" von Dr. Theiss.

Ab dem 5. Lebensjahr: Das brauchen kleine Individualisten

Zwischen vier und zwölf Jahren ist Kinderhaut immer noch relativ dünn. Wichtigste Aufgabe von Pflegemitteln ist jetzt, die Hautbarriere zu stärken, die ihr hilft, Entzündungen abklingen zu lassen. Die Zahl kleiner Hautarztpatienten steigt von Jahr zu Jahr! Darum sollten Duschgels und Shampoos einen hautneutralen pHWert haben und für empfindliche und trockene Haut geeignet sein - denn genau das ist Kinderhaut in diesem Alter.

"Spezielle Produkte für Kinder unter zwölf Jahren machen durchaus Sinn, weil ihre Haut noch anders ist als die Erwachsener", sagt Martina Kerscher und schränkt gleich ein: "Aber nur, wenn sie nicht parfümiert sind." Denn bestimmte Duftstoffe können Allergien auslösen oder die Haut reizen - zudem entwickeln Kinder vor der Pubertät ohnehin noch keinen unangenehmen Schweißgeruch. Wenn es trotzdem duften soll: Spezielle Kindershampoos und -duschgels sind besser geeignet als solche für Erwachsene, denn namhafte Hersteller achten darauf, für Kinderprodukte besonders verträgliche Duftstoffe zu verwenden.

Kinder, die draußen aktiv sind und Sport treiben, brauchen immer noch einen sehr guten Sonnenschutz, der möglichst wasserund schwitzfest sein sollte. Und sie sollten lernen: In der prallen Sonne zieht man sich nicht aus, sondern trägt T-Shirt und Sonnenhut. Wichtigste Vorbilder sind in dem Alter die Eltern - was diese tun, werden sie selbstverständlich finden. Ab dem zwölften Geburtstag können Kinder mit Produkten für Erwachsene experimentieren. Nur sollte man darauf achten, dass keine Reizungen auftreten. Duschgels und Shampoos: z. B. "Shampoo & Shower Sport 'n' Fun" von Bübchen Kids, "Penaten Junior Shampoo & Shower" von Johnson & Johnson, "Baby Don't Cry Shampoo" von Paul Mitchell.

Babypflege und Sonnencremes: ganz Natur

Für Babys und Kleinkinder gibt es inzwischen eine große Auswahl an Naturkosmetik, manche sogar in Bio- oder Demeter-Qualität. Doch auch bei Kinderkosmetik aus natürlichen Rohstoffen ist es oft besser, Produkte ohne Duft zu nehmen, denn die eingesetzten ätherischen Öle werden von manchen Kindern nicht vertragen. Hersteller von Bio-Sonnencremes setzen keine chemischen Filter ein, sondern Mikropigmente, die oben auf der Haut liegen bleiben und die Sonnenstrahlen wie ein Spiegel reflektieren (so genannter physikalischer Lichtschutz). Kleiner Nachteil: Sie lassen sich etwas schwerer verteilen und geben nach dem Baden einen weißen Schleier auf der Haut - der lässt sich aber einfach wieder abwischen. Naturkosmetik für Kinder: z. B. "Baby Balsam" von Tautropfen (in Demeter- Qualität), "Baby & Kinder Neutral" von Lavera, Baby- und Kinderpflegeserie von Martina Gebhardt (Demeter-Qualität), Baby- und Kinderpflegeserie von Weleda, "Sonnencreme Kinder LSF 30" von Dr. Hauschka, "Sun Sensitiv Baby & Kinder Sonnenmilch LSF 30" von Lavera.

BRIGITTE Heft: 15/08 Fotos: Sonja Tobias Text: Martina Behm

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