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Hypersensible Haut Was jetzt hilft

Hypersensibel: Frau mit weißem Kaninchen
© George Mayer / Shutterstock
Kaninchen reagieren beim kleinsten Anlass verschreckt. Genau wie hypersensible Haut – und mit der haben immer mehr Frauen zu tun. Gut, dass wir ihr helfen können, sie zu beruhigen.
Susanne Opalka

Nur ein Hauch zu viel Wind, ein kleiner Schluck Wein oder eine neue Creme: Schon antwortet bei manchen die sensible Haut mit Rötungen, Juckreiz, manchmal auch mit Pickelchen und Ekzemen. Nicht zuletzt nach einem langen Winter mit beißender Kälte – und Maske vor Mund und Nase.

Wie äußert sich Hypersensibilität eigentlich?

Fast 50 Prozent der Patientinnen und Patienten dermatologischer Praxen und rund 70 Prozent der Kundinnen im Kosmetikinstitut berichten, dass ihre Haut juckt, brennt, schnell rot wird und vermehrt Unreinheiten aufweist. Dr. Timur Taskesen, stellvertretender Chefarzt der Dermatologie in der Skinmed-Klinik in Lenzburg bei Zürich beschreibt es so: "Die empfindliche Haut erfährt keine Entlastung durch herkömmliche Cremes. Das unangenehme Hautgefühl wird unter anderem häufig als Stechen und Brennen wahrgenommen und kann von Rötung, dem Erythem, von Schuppung, Pusteln und Pickelchen begleitet werden."

Auch die Kopfhaut reagiert zunehmend unwirsch: Sie ist trocken, juckt häufiger, Schuppen tauchen auf. "Die Kopfhaut ist zwar deutlich dicker als der Rest der Haut, auf der anderen Seite haben wir die Follikel, die tief in die Haut ragen", erklärt Dr. Karoline Jungclaus, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Inhalts- und Duftstoffe von zu viel Stylingprodukten oder Colorationen können dadurch Reaktionen auslösen.

Hypersensibel: Akne am Rücken
Empfindliche Haut ist nicht nur Teint-Sache – bei vielen leidet auch der Nacken.
© Razoomanet / Shutterstock

Wie Ärzt:innen damit umgehen

Sensible Haut ist ein komplexes Phänomen, selbst für Profis nicht leicht zu erkennen – genau wie die Ursachen. "Empfindliche oder auch sensible Haut ist kein klar definierter Hauttyp. Da aber viele Menschen zunehmend unter überempfindlicher Haut leiden, gibt es diese Kategorie bei Reinigungs- und Pflegeprodukten", sagt Dr. Timur Taskesen. Ziel sei es, die Zeichen von Empfindlichkeiten richtig zu deuten, um entsprechend handeln zu können – präventiv wie akut. "Dazu gehört auch, herauszufinden, ob sich neben Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Wind und Sonne eine ungesunde Lebensweise, etwa Stress, Nikotin- und Alkoholkonsum, merklich negativ auf die Empfindlichkeit der Haut auswirkt."

Bei der Diagnose helfen fortschrittlichste Hautanalyse-Geräte (z. B. "Visia"), die den Zustand dokumentieren und Behandlungsfolgen vergleichen. Aus Sicht des Dermatologen aber gibt es immer zwei Hauptaspekte: 1. Was die Patientin berichtet; und 2. Ob eine Hauterkrankung mit gestörter Barrierefunktion vorliegt, sei sie noch so leicht. "Dann", so Dr. Karoline Jungclaus, "reagiert die Haut stärker, also empfindlicher auf alles, was von außen kommt."

Neue Ansätze

"Die Menschen sind ihrer Haut gegenüber viel aufmerksamer geworden. Sie sind sich bewusst, was für ein tolles Organ sie ist", sagt Dr. Jungclaus. Unsere Haut umhüllt und schützt uns. Unterstützt wird sie dabei durch das Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die auf ihr leben und mit ihr interagieren. Gerät deren Diversität aus dem Lot, kommt es viel leichter zu Entzündungen und Reizungen. Da ihre Balance so entscheidend ist, werden bei Pflege auch probiotische Ansätze immer wichtiger: Sie stärken die guten Bakterien auf der Haut und verbessern ihren Selbstschutz, den gerade Sensible so sehr brauchen.

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Was die Kosmetikerin vermehrt sieht

Immer häufiger sitzt uns sensible Haut im Nacken. Buchstäblich, denn dort tauchen zunehmend kleine empfindliche Stellen auf: Ekzeme, Rötungen, Unverträglichkeiten, verursacht durch Duschgel, heißes Wasser oder Hitze etwa beim Föhnen. "Ich rate bei empfindlicher Haut, nie etwas Schäumendes zu nehmen; besser ,fette‘ Seifen mit Olivenöl, Sheabutter verwenden – die haben keinen Wasseranteil, darauf können sich keine Bakterien bilden", sagt die Hamburger Kosmetikerin Ute Braack. "Sensible Haut, ich nenne sie neurosensitive Haut, reagiert auf alles, auf Druck, Kälte, Wärme, Kosmetik; das nimmt unheimlich zu!" Nicht zu verwechseln mit allergischer Haut, die auf einen bestimmten Stoff reagiert – oder mehrere.

Kleine Flugobjekte

Gerade im Frühjahr sollte man das Gesicht abends besonders gründlich waschen. Warum? Weil sich sonst in der Bettwäsche Pollen sammeln. Zusammen mit feuchtigkeitsarmer Luft reizt das empfindliche Haut noch extra. "Wir nennen es Protein-Kontakt-Dermatitis oder Airborne-Dermatitis, weil durch die Pollen in der Luft, etwa von der Birke, Ekzeme ausgelöst werden können", so Dermatologe Taskesen.

Ganzheitlich und nachhaltig

Coaching fürs Mikrobiom und den PH-Wert

"Wir sollten den Menschen als Ganzes betrachten und präventiv unsere gesamte Flora unterstützen: zum Beispiel über die Ernährung mit pflanzlichen Ölen wie Leinöl, die Gamma-Linolensäure enthalten. Die wirkt wie der Mörtel zwischen den Zellen", so Dermatologe Timur Taskesen.

Vegane Nahrungsergänzung aus Nachtkerzenöl wirkt gegen Juckreiz – auch bei Neurodermitis (z. B. "Epogam"-Kapseln aus der Apotheke).

Auch pro- oder präbiotische Pflege, die meist mit Lactobazillen arbeitet, stärkt die Hautbarriere. Es gibt dazu bereits Studien – und zahlreiche Produkte (neu ist z. B. die "Pur"-Linie von Logona).

Liegt der pH-Wert der Haut optimal bei eher sauren 5,5, ist ihr Säureschutzmantel in Balance. Bei der Reinigung mit Wasser, Seifen oder Schäumen geht er in den alkalischeren Bereich, und es dauert eine Weile, bis er sich wieder aufgebaut hat – umso länger, je trockener die Haut ist. "Nehmen Sie deshalb anschließend immer ein Gesichtswasser, das im sauren Bereich gepuffert ist", rät Kosmetikprofi Ute Braack.

Das juckt nicht mehr

Tipps für die Pflegestrategie

Die ist dann optimal, wenn sie die Haut beruhigt und die natürliche Hautschutzbarriere stärkt. Das heißt:

- Je kürzer die INCI-Liste (Angabe der Inhaltsstoffe, "International Nomenclature of Cosmetic Ingredients") auf einem Produkt, desto besser.

- Auf Duft- und Konservierungsstoffe besser komplett verzichten, dafür gibt es gesicherte Daten. Außerdem so wenig Farbstoffe, Emulgatoren, Mineralöle und Silikone wie möglich an die Haut lassen.

- Naturkosmetik ist nicht per se unbedenklich, aber es gibt viele natürliche Komponenten, die super verträglich sind: Mandelöl, Jojobaöl, Glycerin und Panthenol beispielsweise.

- Auch neue Rezepturen und Texturen, die sich wie eine zweite Haut über empfindliche Stellen legen und diese schützen, sind eine gute Idee.

Drunter und drüber

Hypersensible Haut: Frau mit Maskne
Maske ist ein Muss – natürlich die gegen Corona. Allerdings kann die ganz schön reizen.
© 22Images Studio / Shutterstock

Die Maske vor Mund und Nase ist zurzeit ein Muss, doch durch die mechanische Reibung an den Arealen, an denen der Schutz aufliegt oder das Gummiband läuft, entstehen winzige Risse in der obersten Hautschicht. Über diese kleinen Verletzungen können Bakterien und Keime in die Haut unter der Maske eindringen; im Bereich der Mundwinkel, hinter den Ohren und unter der Nase entstehen Entzündungen (Papeln und Pusteln sowie Komedonen). Zudem wird es unter der Maske relativ warm, auch Feuchtigkeit entsteht (Atem, Speichel, Schweiß), wodurch die Hornschicht quillt. Das löst ebenfalls Barriereschäden aus. Die Folge: Unreinheiten.

- Um all dem vorzubeugen, regelmäßig die Maske wechseln – mindestens täglich oder bei Papiermodellen alle 4 Stunden.

- Stoffmasken aus reiner Baumwolle oder Masken mit Silberfäden wirken antibakteriell und triggern die Haut nicht (z. B. von Barbara Sturm).

- Das Gesicht mit milden, aber effektiven Produkten reinigen – Wasser allein genügt nicht.

- Auf Make-up unter der Maske lieber verzichten.

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