Tierversuche: 22.000 Mäuse sterben jährlich für Botox

Für Kosmetika sind Tierversuche in der EU verboten. Dennoch werden Substanzen immer noch an Tieren getestet. Allein für den Faltenkiller Botox sterben jährlich rund 22.000 Mäuse. Wieso ist das so? Und: Wann hört es endlich auf?

Die Gesetzeslage

Die gute Nachricht zuerst: In Sachen Tierschutz und Kosmetik gehört Deutschland weltweit zu den Klassenersten. Schon seit 1986 darf bei uns kein Lippenstift mehr am Tier getestet werden. Seit 1998 gilt das auch für pflegende Produkte, wie Cremes oder Shampoo. Ähnliche Gesetze gab es Ende der 90er Jahre nur in Österreich, Großbritannien und den Niederlanden.

Im März 2003 zog die EU nach und verabschiedete eine neue Kosmetikrichtlinie. Seit Herbst 2004 dürfen Fertigprodukte wie Lippenstifte oder Cremes in keinem Land der Europäischen Union mehr im Tierversuch getestet werden. 2009 trat das Verbot auch für die Prüfung der Inhaltsstoffe von Kosmetika in Kraft - seit 2013 darf in der EU nun kein Kosmetikprodukt mehr verkauft werden, dessen Rohstoffe nach diesem Datum am Tier getestet wurden.

Die Probleme

Nun könnte man meinen, dass in der EU alle Produkte auf dem Beautymarkt tierversuchsfrei sind. Leider trifft diese Aussage so nicht ganz zu: Denn viele Inhaltsstoffe wurden ursprünglich für die Pharmaindustrie oder andere Branchen entwickelt. Und in diesen Bereichen sind Tierversuche nicht nur bis heute in Europa erlaubt, sondern sogar vorgeschrieben. In verschiedenen nationalen Gesetzen (u. a. dem deutschen Chemikaliengesetz) ist verankert, dass jeder neu entwickelte Rohstoff, der auf den Markt kommt, genauestens durchgecheckt wird - egal, ob er am Ende in einer Creme oder in Autolack Verwendung findet.

Ein gutes Beispiel ist Botox, das als Anti-Falten-Mittel in der Schönheitsindustrie Anwendung findet, aber auch im medizinischen Bereich, z.B. zur Behandlung von Migräne. Jährlich müssen nach wie vor rund 21.000 Mäuse für Versuche mit dem Nervengift Qualen erleiden und ihr Leben lassen. Und das, obwohl es bereits alternative Versuchsmethoden gibt.

Alternative Testmethoden

In der deutschen Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (Zebet) tüftelt man seit Jahren an Hautmodellen und Zellkulturtests, die dieselbe Aussagekraft haben wie Versuche mit lebenden Tieren. Dabei arbeitet man Kosmetikfirmen zusammen, tauscht Know-how oder Daten aus. Bereits in den 90er Jahren wurde ein Zellkulturtest entwickelt, der darüber Auskunft gibt, ob bestimmte Filterstoffe in Sonnenschutzmitteln bei UV-Bestrahlung der Haut schaden können. 2002 wurde diese Methode weltweit anerkannt, seitdem ersetzt sie den Test an Mäusen und Meerschweinchen und liefert sogar zuverlässigere Ergebnisse als der Tierversuch. Wie übrigens viele Alternativmethoden. Im selben Jahr akzeptierten die zuständigen Behörden ein aus menschlichen Gewebezellen gezüchtetes Hautmodell, ebenfalls vom Zebet-Team entwickelt. Damit lässt sich feststellen, ob ein neuer Wirkstoff möglicherweise die Haut verätzt - ohne ein Tier zu verletzen. Auch für den schmerzhaften Augenreiz- Test an Albinokaninchen (Draize-Test) gibt es unterschiedliche Alternativen. Statt ins Tierauge werden die ätzenden Substanzen jetzt zum Beispiel auf das Dotter eines Hühnereis geträufelt. Auch für Botox sind seit 2011 (USA) bzw. 2012 (EU) alternative Testverfahren mit menschlichen Zellkulturen zugelassen.

Doch nicht alle Hersteller nutzen alternative Testmethoden - auch, weil es dafür keine Gesetzesgrundlage gibt. Nicole Maisch, Bundestagsabgeordnete (Büdnis 90/Die Grünen), forderte die Bundesregierung unlängst auf, Alternativ- und Ersatzmethoden zu Tierversuchen stärker zu fördern und sich für beschleunigte Zulassungen einzusetzen. Zeiträuber Nummer eins: das aufwändige Genehmigungsverfahren, das jeder Alternativtest durchlaufen muss. Acht bis zehn Jahre dauert es, bis eine neue Methode in internationalen Labortests auf ihre Wirksamkeit getestet und weltweit behördlich anerkannt ist.

Kosmetik-Positivliste

Wer auf Nummer sicher gehen möchte , ist mit der Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes gut beraten. Hier werden Hersteller genannt, die keine Tierversuche durchführen und ausschließlich Rohstoffe verwenden, die zumindest seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet worden sind.

Text: Kristina Maroldt, Jana Gloistein

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!