Interview mit Kim Basinger

Die Schauspielerin Kim Basinger, 54, über Botox-Partys, das Älterwerden und Mutter-Tochter-Gespräche.

Auf dem Sofa im 12. Stock des "Four Seasons" in Beverly Hills thront sie wie eine zerbrechliche Statue: schlank, blass, schön und trotz eisiger Klimaanlage im luftigen Trägerkleidchen. Der Händedruck - ein sanftes Streicheln. Erst als Kim Basinger im Laufe des Gesprächs lacht, laut und fast ein bisschen dreckig, und sich dabei vor Vergnügen auf die elegant drapierten Schenkel klopft, wird das Porzellanpüppchen zum Menschen. Und man kann sich plötzlich vorstellen, wie sie zu Hause in Jeans und Gummistiefeln zwischen ihren Hunden, Hasen und Rindern umherwirbelt - und dabei ähnlich überzeugend wirkt wie beim Cocktail-Empfang im Designerkleid.

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Kim Basinger im Interview

Brigitte: "Das beste Schönheitsrezept sind Humor und Glaube", haben Sie mal gesagt. Immer noch überzeugt davon?

Kim Basinger: Absolut. Man braucht einfach etwas, das einen durchs Leben begleitet und einem Halt gibt - für mich ist das mein Glaube an Gott. Und wenn wir nicht lernen, über das Leben zu lachen, macht es uns kaputt. Schlechte Gefühle fressen sich förmlich ins Gesicht. Je mehr wir lachen, desto eher lassen wir sie wieder raus. Und das macht schön!

Brigitte: Trotzdem werben Sie jetzt für Lancaster und deren Hautpflege-Linie für Frauen ab 50. Reicht gute Laune also zum Schönbleiben doch nicht aus?

Kim Basinger: Sagen wir es so: Das eine wirkt von innen, das andere von außen. Sonnencreme zum Beispiel war für mich immer ein Muss, weil ich unter einer Sonnenallergie leide. Und da Sonne die Haut sehr altern lässt, hilft das schon eine Menge. Auch sonst habe ich alles Mögliche durchprobiert. Mit Cremes ist es ja wie mit Mode: Du musst erst mal das finden, was zu dir passt. Und wenn du dein Gesicht für ein Produkt hergibst, gilt das natürlich noch viel mehr. Dass ich jetzt mit Lancaster zusammenarbeite, hat auch damit zu tun, dass deren Einstellung zum Thema Älterwerden gut zu meiner passt.

Brigitte: Wie lautet die denn?

Kim Basinger: Nimm es nicht so wichtig! Alter hatte für mich nie eine große Bedeutung. Ich kann mich zum Beispiel kaum mehr erinnern, wie ich mich fühlte, als ich 30 oder 40 wurde. Es gab einfach Dinge, die spannender waren. Das Leben ist unglaublich kurz! Wir sollten lieber im Jetzt leben, den Moment genießen, als uns ständig Gedanken darüber zu machen, was morgen ist, wie wir dann aussehen, was wohl alles passieren könnte. Wer das tut, verpasst die ganze Vorstellung. Das wäre doch schade.

Brigitte: Hier in Beverly Hills scheint Älterwerden aber schon ein ziemlich großes Thema zu sein. Oder vielleicht eher: der Kampf dagegen.

Kim Basinger: Nicht nur hier. Überall! Schönheitsoperationen sind eine richtige Plage geworden. Die Leute rennen wie die Irren zu Botox-Partys, immer mehr Ärzte lassen sich zu plastischen Chirurgen umschulen. Leider sind das meist nicht die besten. Und deswegen gehen auch so viele Operationen in die Hose. Wissen Sie, ich lehne so etwas ja nicht grundsätzlich ab. Wenn sich jemand nach sorgfältiger Überlegung dazu entschließt, weil er glaubt, dass er sich danach besser fühlt - dann hat er meine volle Unterstützung. Ich glaube nur, dabei gibt es ein ähnliches Problem wie mit dem Essen in Amerika: in Maßen ist es wundervoll, im Übermaß gefährlich. Und manche Menschen, vor allem Leute aus meiner Branche, können einfach nicht mehr damit aufhören. Irgendwann sehen sie dann schlimmer aus als vor den Eingriffen.

"In meiner Familie war gutes Aussehen entsetzlich wichtig"

Brigitte: Käme eine Schönheitsoperation für Sie denn überhaupt nicht in Frage?

Kim Basinger: Bis jetzt gab es keinen triftigen Grund dafür. Vielleicht kommt der irgendwann. Vielleicht habe ich auch irgendwann das Gefühl, ich müsste es unbedingt tun, um weiter als Schauspielerin arbeiten zu können. Der Druck existiert ja schon. Aber dann würde ich es nur bei einem Arzt machen lassen, der ehrlich zu mir ist und sich notfalls weigert, mich zu operieren, wenn er glaubt, das Ergebnis könnte misslingen.

Brigitte: Teenager lassen sich von Schönheitsidealen ja noch sehr viel mehr stressen als Erwachsene. Sie haben selbst eine elfjährige Tochter. Sprechen Sie mit ihr auch manchmal über solche Themen?

Kim Basinger: Ständig. Weil dieser Druck, bestimmten Standards zu entsprechen, einfach überall präsent ist. Und die jungen Mädchen bekommen ihn ganz besonders mit, weil sie in dieser schnellen, technisierten Medienwelt leben und ihnen überall erzählt wird, sie müssten unbedingt dünn, wunderschön und braun gebrannt sein. Ein schrecklich eindimensionales Ideal, finde ich, dem viel zu viel Bedeutung beigemessen wird.

Brigitte: Wie gehen Sie als Mutter damit um?

Kim Basinger: Grundsätzlich lasse ich meine Tochter erst mal alles ausprobieren und dann selbst entscheiden, was sie davon hält. Aber es gibt auch Grenzen. Vor Kurzem zum Beispiel war sie plötzlich fest davon überzeugt, sie hätte Akne und müsste unbedingt ein bestimmtes Mittel dagegen nehmen. Dabei hat sie wunderschöne Haut! Aber sie hatte irgendwo gelesen, dass Jessica Simpson dieses Produkt verwendet. Deshalb wollte sie es auch. Ich rief also bei unserem Hautarzt an, und der riet mir davon ab. Ich habe es ihr dann verboten. Sie hat geschmollt, aber sie hat es akzeptiert.

Brigitte: Können Sie sich noch erinnern, wie Sie sich fühlten, als Sie so alt wie Ihre Tochter waren? Sie haben ja schon als 16-Jährige an Schönheitswettbewerben teilgenommen, und Ihre Mutter war Model. Gutes Aussehen war in so einer Familie doch sicher ein großes Thema?

Kim Basinger: Es war entsetzlich wichtig. Mein Vater war ja auch sehr attraktiv. Vor allem aber vergötterte er schöne Frauen. Besonders die in den alten Hollywood-Filmen, die sah er sich ständig an. Wenn du solche Eltern hast und die dir immer wieder sagen, wie schön du selbst bist - dann fällt es einem jungen Mädchen schon schwer, das Selbstbewusstsein auf etwas anderem aufzubauen als auf dem Aussehen. In anderen Bereichen fühlt man sich wertlos. Ich habe darüber vor Jahren mal einen Song geschrieben. Er heißt "Birthmark" (Muttermal) und handelt von Frauen, für die ihr Aussehen so was wie die beste Freundin ist. Und wenn die Schönheit eines Tages vergeht, wissen sie nicht mehr, woran sie sich festhalten sollen.

Kim Basinger ist das Gesicht der neuen Hautpflegeserie "Differently" von Lancaster.

Brigitte: Was war Ihre Lösung für sich selbst?

Kim Basinger: Man muss begreifen, dass Schönheit so viel mehr bedeutet als gutes Aussehen. Und genau wie das Älterwerden darf man sie einfach nicht so wichtig nehmen. Gegen meine Selbstzweifel hat mir außerdem geholfen, dass ich gelernt habe, Dinge einfach zu tun und erst später über den Mut nachzudenken, den ich dafür gebraucht habe.

Brigitte: Da passt es ja ganz gut, dass Sie "Harold and Maude" zu Ihrem Lieblingsfilm erklärt haben. Die Titelheldin Maude ist ja auch eine sehr furchtlose Frau, die einfach macht, worauf sie Lust hat.

Kim Basinger: O ja, diese exzentrische alte Dame ist für mich ein tolles Vorbild. In ihrem Leben gibt es keine Regeln, keine Vorschriften. Sie weiß, was sie tut, geht ihren Weg, niemand kann sie stoppen. Und da sie dabei keinem weh tut, einfach nur sie selbst ist, findet sie auch ein junger Kerl wie Harold attraktiv. Obwohl sie seine Großmutter sein könnte.

Brigitte: Ruth Gordon, die die Rolle der Maude spielte, gewann 1969 als über 70-Jährige einen Oscar. Damals galt das noch als Ausnahme. Dieses Jahr waren sogar drei Oscar-Gewinnerinnen älter als 50. Sind reifere Frauen die Stars von morgen?

Kim Basinger: Ich glaube, die drei Frauen in diesem Jahr waren eher eine Ausnahme. Aber die Generation meiner Tochter macht mich optimistisch: Diese Jugendlichen sind so viel aufgeschlossener und gebildeter, als wir es waren. Sie sind einfach interessiert an jedem, der etwas Besonderes ausstrahlt, egal welchen Alters, egal welchen Geschlechts.

Brigitte: Ist Älterwerden für Männer einfacher?

Kim Basinger: In meiner Branche sicher. Männer bekommen auch mit über 50 noch viele gute Rollen angeboten. Aber ich glaube, privat tun sie sich mit dem Älterwerden schwerer als wir. Das liegt wohl daran, dass sie diese Phase meist allein meistern müssen. Wir dagegen tauschen uns mit unseren Freundinnen und Müttern aus, holen uns Tipps und Trost. Und gemeinsam ist die Reise dann plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Vom Model zur Oscar-Gewinnerin

Sie war das Sexsymbol der 80er - nicht zuletzt wegen ihrer Rolle als experimentierfreudige Filmpartnerin von Mickey Rourke in "9 1?2 Wochen" (1986). Davor hatte Kim Basinger vor allem als Model gearbeitet, ihren ersten Schönheitswettbewerb gewann sie schon als Teenager. Als seriöse Schauspielerin dagegen nahmen die meisten sie erst nach ihrem Oscar für "L. A. Confidential" (1997) wahr. Seitdem spielte sie in Filmen wie "Die Tür der Versuchung" (2004) oder "The Sentinel" (2006) und verkörperte oft komplexe Frauengestalten mit leichtem Hang zur Melancholie. Nach der Scheidung von ihrem zweiten Mann, dem Schauspieler Alec Baldwin, lebt die Vegetarierin und hoch engagierte Tierschützerin heute mit ihrer Tochter Ireland und einer ganzen Herde von Haustieren in Los Angeles, Kalifornien.

BRIGITTE Heft: 21/07 Interview: Kristina Maroldt Fotos: Beautypress Still: Alan Ginsburg

Wer hier schreibt:

Kristina Maroldt
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