Immer mehr Frauen wünschen sich eine Intim-Operation

Laut einer britischen Studie ist der Wunsch nach einer Intim-Operation in den letzten Jahren stark gestiegen - besonders unter jungen Frauen. Auch hierzulande wächst die Nachfrage nach einer "perfekten Scham".

Die Webseite "The Daily Beast" berichtete kürzlich über den Trend hin zum optimierten Geschlechtsorgan - der sogenannten "Designer Vagina". Laut einer aktuellen Statistik der britischen "Transform Cosmetic Group" lassen sich immer mehr Frauen im Intimbereich operieren - vor allem im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Auch in Deutschland nimmt diese Tendenz zu. Schamlippenverkleinerung, Klitorismantelstraffung und Scheidenverengung zählen laut Dr. Marwan Nuwayhid zu den beliebtesten Intim-Operationen. Der Gynäkologe aus Leipzig hat sich auf diese Art von Eingriffen spezialisiert und ist gleichzeitg Vorsitzender der "Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland" (GAERID). "Weil die Nachfrage nach Intim-OPs vor etwa vier, fünf Jahren immens anstieg, haben wir uns 2012 dazu entschieden, eine Gesellschaft dieser Art zu gründen. Wir möchten einen Expertenpool stellen, der sich ständig weiterbildet." Zur Zeit zählt die GAERID 75 Mitglieder aus Bereichen der plastischen Chirurgie, Gynäkologie und Dermatologie, die jährlich tagen.

Die "Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie" (DGÄPC) führt jedes Jahr eine bundesweite Patientenbefragung mit anonymen Fragebögen durch, um Trends und Entwicklungen in diesem Bereich der Chirurgie abbilden zu können. Im Jahre 2013 standen bei Frauen die Intim-Operationen auf Platz 11 der beliebesten Eingriffe. "Absolut repräsentative Werte aus den vorherigen Jahren gibt es im Bereich der Intim-Operationen leider noch nicht, da die Befragungen erst seit letztem Jahr in dieser detaillierten Art und Weise erfolgen" so Martin Spiering, Presseprecher der DGÄPC. Aber auch er erkennt eine deutlich steigende Tendenz in diesem Feld. Laut dem DGÄPC-Bericht waren Patientinnen, die sich einer Intimkorrektur unterzogen, im Durchschnitt 34,2 Jahre alt. Damit lagen sie deutlich unter dem Gesamt-Altersdurchschnitt. Bei anderen Schönheitsoperationen waren die weiblichen Patienten im Schnitt 40,1 Jahre. Noch jünger: Schon mit mit durchschnittlich 25,7 Jahren dachten die Befragten das allererste Mal über einen solchen Eingriff im Intimbereich nach.

Aber warum kommen Frauen überhaupt auf Idee, sich die Schamlippen verkleinern oder die Klitoris straffen zu lassen? Dr. Nuwayid sieht dafür zwei Ursachen: "Ein Grund ist der Trend zur kompletten Haarentfernung und der damit verbundenen Offenlegung des weiblichen Geschlechtsorgans. Ein weiterer ist sicherlich die Porno-Industrie. Hier wird das Geschlechtsteil zum Teil sogar retuschiert." Dennoch betont Nuwayid, dass die Frauen, die zu ihm in die Praxis kommen sehr bewusst mit ihrem Körper umgehen. Auch wenn diese laut seiner Aussagen durschnittlich 25 Jahre alt seien, würden sie ihre Entscheidung zu einer Intim-Operation nicht leichtfertig treffen. Und doch: In etwa zehn Prozent aller Fälle schickt er Patientinnen wieder nach Hause. Immer dann, wenn die Entscheidung eben nicht ausgereift oder aber eine OP absolut nicht nötig ist. "Wie erleichtert manche Frauen sind, wenn ich ihnen Vergleichsbilder zeige und sie erkennen 'Ich sehe ja völlig normal aus!' Auch das ist wichtig", so Nuwayhid.

Genau diesen Mangel an Vulva-Vorbildern und den damit einhergehenden Selbstoptimierungszwang wollten die Regisseurinnen Claudia Richarz und Ulrike Zimmermann kritisch beleuchten. Im Interview zu ihrem Film "Vulva 3.0" mit uns nennen sie dieses Phänomen das "Nicht-Feiern der Vielfalt" und die "Reduktion der weiblichen Sexualkraft durch Retusche" und sprechen von "kindlichen Schönheitsidealen". Auch die Risiken einer Intim-Operation sind nicht zu unterschätzen. Zum einen ist der Begriff "Schönheitschirurg" nicht geschützt. Somit operieren zum Teil Ärze, die überhaupt nicht die entsprechenden Qualifikationen und das Know-How für einen solchen Eingriff mitbringen. Zum anderen können, wie bei jeder anderen Operation, Komplikationen wie Blutungen, Entzündungen oder Wundheilungsstörungen auftreten. Darüber sollte natürlich in jedem Fall aufgeklärt werden.

Es gibt sicherlich Frauen, die sich nach einer Operation wohler in ihrer Haut fühlen. Aber gerade in sehr jungen Jahren ist weder Körper noch Geist vollends ausgereift für solch eine tragende Entscheidung. Im Bericht der DGÄPC gaben die Patientinnen an, dass sie mit ihrem Partner (45,2 Prozent), mit der Familie (29,0 Prozent) oder Freunden (9,7 Prozent) über den Eingriff sprechen würden. Aber rund ein Drittel (32,3 Prozent) der Befragten gab an, mit niemandem über den Eingriff sprechen zu wollen. Genau das ist wohl der Schlüssel: der Austausch mit Vertrauenspersonen und ein eigenes kritisches Abwägen der Entscheidung.

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