Anti-Aging-Hormone

Manche der lebenswichtigen Botenstoffe werden mit den Jahren immer weniger produziert.? Kann man einfach künstliche Anti-Aging-Hormone schlucken?

Hormone sind im Blut zirkulierende Botenstoffe, die für die ungestörte Funktion aller Organe des Körpers einschließlich des Gehirns von entscheidender Bedeutung sind. Sie sind verantwortlich für die Kommunikation der Zellen untereinander und übertragen lebenswichtige Signale. Mit zunehmendem Alter lässt die Produktion fast aller Hormone nach; fünf von ihnen zeigen aber eine besonders stark abfallende Tendenz: Östrogene (beim Mann Testosteron), Progesteron, DHEA, Melatonin und das Wachstumshormon. Unterschreiten sie eine bestimmte Schwelle, kann es zu körperlichen und psychischen Symptomen kommen, wie z. B. nachlassender Leistungsfähigkeit, Gewichtszunahme, Verminderung von Libido bzw. Potenz und depressiver Verstimmung. Anti-Aging-Ärzte wollen deshalb ersetzen, was in späteren Jahren fehlt. Die Frage ist allerdings: Wie viel fehlt denn? Friert man die Level auf dem Niveau einer 20-Jährigen oder 35-Jährigen ein? Hinzu kommt, dass neue Studien die Hormonersatztherapie beim Thema Anti-Aging wegen der Risiken zunehmend in Frage stellen.

Um diese fünf Anti-Aging-Hormone geht's

Östrogene regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und des Brustdrüsengewebes an und sind an der Regulation des Menstruationszyklus beteiligt. Im Gehirn spielen sie eine Rolle für das psychische Wohlbefinden. Aber auch der Stoffwechsel der meisten anderen Organe wird durch Östrogene beeinflusst. Sie wirken dem Knochenabbau entgegen und beeinflussen den Fettstoffwechsel positiv. Um das 50. Lebensjahr herum nimmt die Östrogenproduktion deutlich ab. Die dadurch entstehenden subjektiven Probleme können durch eine Hormonersatztherapie (HRT) weitgehend aufgehoben werden. Neueren Erkenntnissen zufolge birgt eine solche Therapie aber deutliche Risiken, vor allem eine Erhöhung des Brustkrebs-, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos. Gestagene: bewirken die Ausreifung der Gebärmutterschleimhaut und ermöglichen so die Einnistung der befruchteten Eizelle. Der wichtigste Vertreter der Gestagene ist das Progesteron. Fehlt es, kann es zu Osteoporose und Gedächtnisverlust kommen, und die Fettspeicherung arbeitet nicht mehr, wie sie soll. In Tierexperimenten wurden zahlreiche positive Effekte bei der Verabreichung von Progesteron beobachtet, zum Beispiel Stärkung des Immunsystems. Beim Menschen können allerdings starke Kopfschmerzen und Depressionen auftreten. DHEA: Dehydroepiandrosteron, eine Art Anti-Stress-Hormon, wird in der Nebenniere gebildet und ist das am meisten vorkommende Hormon im menschlichen Organismus. Der DHEA-Spiegel nimmt im Laufe des Lebens um bis zu 95 Prozent ab. Im Umkehrschluss wird DHEA daher von vielen als "Jungbrunnen-Hormon" angesehen. Bei Frauen sind die DHEA-Spiegel allerdings nur halb so hoch wie bei Männern und der Wirkmechanismus bisher nicht genau nachweisbar. Bei Überdosierung können Haarausfall, Akne und Fettstoffwechselstörungen auftreten. Langzeitdaten fehlen bisher - viele Wirkungen treten aber erst nach Jahren auf.

Melatonin ist das Hormon der Zirbeldrüse (Epiphyse), besitzt eine milde schlaffördernde Wirkung und verbessert die Schlafqualität. Nach heutigem Wissensstand sind die mit zunehmendem Alter häufiger auftretenden Schlafstörungen zumindest zum Teil auf einen Melatoninmangel zurückzuführen. Bei falscher Dosierung steht Melatonin im Verdacht, Krebs zu begünstigen. Und: ein ganz dunkles Schlafzimmer kann die eigene Melatoninbildung anregen. Wachstumshormon: Das Wachstumshormon, oft auch als HGH (Human Growth Hormone) bezeichnet, wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) während des Tiefschlafes gebildet und ist notwendig für ein ungestörtes Körperwachstum. Aber auch im Erwachsenenalter brauchen wir eine bestimmte Menge an Wachstumshormon, um die Knochen- und Muskelmasse zu erhalten und überflüssige Fettansammlung zu verhindern. Die im Alter stark abfallenden Spiegel sind daher vermutlich zum Teil für den Verlust an Knochen- und Muskelmasse sowie die Zunahme des Körperfettes verantwortlich. Das Hormon lässt aber nicht nur Muskeln, sondern vermutlich auch Krebszellen wachsen.

Was ist die Alternative zu künstlichen Hormonen?

Unser Lebensstil ist entscheidend dafür, wie wir altern, da sind sich alle seriösen Anti-Aging-Mediziner einig. Die Gabe von Hormonen steht immer an letzter Stelle, nach einer Umstellung des Lebensstils und des Ausschöpfens aller Alternativen zur medikamentösen Therapie. Bei starken Beschwerden (unkontrollierbare Schweißausbrüche, Haarausfall, Depressionen) können Hormone vorübergehend helfen. Generell gilt aber: "Safety first", sagt Dr. Ulrike Poliza, Leiterin der IDAS (Interdisziplinäre Anti-Aging-Sprechstunde) im Dermatologikum Hamburg, die deshalb Wert auf ganzheitliche Therapien legt: von der Ernährungsberatung bis zum Sport.

Wer sollte überhaupt Anti-Aging-Behandlungen anbieten?

Sobald das Thema Hormone eine Rolle spielt, sollte man sich ausschließlich Endokrinologen mit breiter internistischer Ausbildung oder Gynäkologen oder Dermatologen mit zusätzlicher Ausbildung in Endokrinologie anvertrauen. Endokrinologen haben eine der längsten Weiterbildungen hinter sich: Nach dem Medizinstudium kommen weitere sechs Jahre bis zum Facharzt für Innere Medizin dazu, daran schließt sich noch eine meist zweijährige endokrinologische Fortbildung an. Viele Ärzte geben an, dass sie zertifizierte Anti-Aging-Mediziner sind. In Deutschland gibt es keine Zertifizierung. Sie stammt meist von einer Ausbildung in USA. Die muss ja nicht schlecht sein, ist aber hier nicht anerkannt.

Wie sollte die Sprechstunde ablaufen?

Ein ausführliches Gespräch nicht unter einer Stunde über individuellen Gesundheits- und Wohlfühlzustand, über Beschwerden und Vorbelastungen für Krankheiten in der Familie (Anamnese). Genaue Analyse des Lebensstils - wie sieht es mit der Ernährung und Bewegung aus, wie stark sind die Risikofaktoren, z. B. Rauchen, Stress, fehlende Bewegung. Danach folgen die körperliche Untersuchung (Hautzustand, Blutdruck etc.), Labortests (Blut, Urin, Krebsabstrich) und ggf. apparative Diagnostik (Knochendichtemessung, Ruhe- und Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchung des Herzens, der Gefäße und der Bauchorgane, Lungenfunktion, Mammografie). Einbeziehung aller bisherigen Befunde anderer Ärzte - bei Frauen immer der Gynäkologe, bei Männern der Urologe.

Was gehört zu seriösen therapeutischen Maßnahmen?

Ein Konzept, das Bewegung, Ernährung, Kosmetik, Verzicht auf Genussgifte, Minderung von Stress, Kontrolle des Gewichts einbezieht. Mit konkreten Vorschlägen über fettarmes Essen, Sportarten, Infos über Gehirnjogging, Neurobics (simple Übungen, die das Gehirn überraschen), Entspannungsübungen. Werden Hormone verordnet, muss genau über das Risiko aufgeklärt werden.

Infos

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) Bürkle-de-la-Camp-Platz 1 44789 Bochum Telefon 0234/978 89 30 Fax 0234/978 89 31 www.endokrinologie.net www.hormone-und-antiaging.de

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Christoph M. Bamberger Hormon- und Anti-Aging-Sprechstunde, Medizinische Klinik I/Endokrinologie Zentrum für Innere Medizin, Hamburg www.hormone-und-antiaging.de
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