5 Dinge, die du wissen solltest, bevor du dir die Lippen aufspritzen lässt

Ihr habt schon mal darüber nachgedacht, euch die Lippen unterspritzen zu lassen, aber keine Ahnung wo, wie und was überhaupt damit einhergeht? Wir haben zwei Profis um Rat gefragt!

Vier Jahre Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe in Höhe von 36.000 Euro – Das Landgericht Bochum hat gerade erst eine 29-jährige Kosmetikerin verurteilt. Der Grund: Unsachgemäße Behandlung mit Hyaluronsäure in 36 Fällen der schweren Körperverletzung. Nachrichten wie diese sind längst kein Einzelfall mehr – und das sollte uns alle wachrütteln. Ästhetische Chirurgie wird immer mehr zum Thema, aber viele wissen so gut wie gar nichts darüber. Wir haben Wibke Käferlein, Leitende Ärztin im Bereich Ästhetische Medizin bei "M1 Med Beauty", und Dr. med. Eveline Urselmann gefragt, was wir UNBEDINGT wissen sollten, bevor wir uns die Lippen aufspritzen lassen.

Autorin besiegt Akne

1. Praxis vs. Kosmetikstudio

Wer online nach Lippenunterspritzungen sucht, der findet Unmengen von Angeboten. Von Heilpraktikern, über Arztzentren bis hin zu Kosmetikstudios. Aber woher wissen wir denn, was das Richtige für uns ist? Dr. Urselmann rät:

Grundsätzlich würde ich empfehlen Fachärzte zu konsultieren. Die Fachrichtungen mit den meisten Erfahrungen auf diesem Gebiet sind in der Regel plastische Chirurgen, Dermatologen, HNO-Ärzte und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen. Aber auch Ärzte anderer Fachrichtungen können sehr qualifiziert sein, wenn sie sich schwerpunktmäßig mit ästhetischer Medizin beschäftigen. Kosmetikerinnen ist es zum Beispiel nicht gestattet Botox oder Hyaluron zu injizieren.

Heilpraktiker hingegen dürfen zwar Unterspritzungen durchführen, allerdings haben Ärzte andere anatomische Vorkenntnisse. Heißt: Wenn es Komplikationen geben sollte, dann erkennt ein Arzt das viel schneller und weiß, was zu tun ist. Ihr solltet allerdings nicht nur auf die Qualifikation achten, sondern auch auf die Erfahrung, erklärt uns Wibke Käferlein:

Ich finde es wichtig, sich jemanden zu suchen, der hauptsächlich Unterspritzungen macht. Im Zweifel auch einfach mal im Gespräch nachfragen, wie viele Unterspritzungen derjenige pro Woche macht. Wenn das nur fünf bis zehn sind, dann sollte man sich gut überlegen, wie routiniert die Person wirklich ist.

Zum Vergleich: Bei M1 werden beispielsweise pro Woche etwa 150 Unterspritzungen von einem Arzt durchgeführt. Klar, dass dieser ganz andere Erfahrungswerte mitbringt als jemand, der nur hin und wieder Hyaluronsäure injiziert.

2. Hyaluron – aber welches?! 

Für uns Laien ist es schwierig zu erkennen, welche Produkte gut und welche weniger gut sind. Deshalb sollten wir bei Unterspritzungen unbedingt nachfragen, welche Hyaluronsäure verwendet wird. Habt bloß keine Angst davor! "Namhafte Hyaluron- und Botoxfirmen wie Allergan oder Galderma können Auskunft zu guten Behandlern in eurer Nähe geben", erklärt Dr. Urselmann.

Dr. med. Eveline Urselmann

Natürlich gibt es auch noch andere Produkte, die schon lange auf dem Markt sind und weltweit verwendet werden, wie Teoxane oder Belotero. "Bei minderwertigen Produkten hat man häufig das Problem, dass sie nicht 100-prozentig gereinigt wurden und schneller Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können", sagt Wibke Käferlein. Außerdem: Achtet immer darauf, dass die Produkte originalverpackt sind und erst bei der Behandlung geöffnet werden. Hygiene ist das A und O! Kommt aber bloß nicht auf die Idee, das Hyaluron mit einer Freundin zu teilen, wenn der Behandler das anbietet. Das geht gar nicht!

3. Vorbereitung ist alles!

Vor jeder Behandlung müssen wir als Patienten aufgeklärt werden. Egal, ob wir zum ersten Mal dort sind oder zum fünften Mal. In der Regel muss immer ein Behandlungsbogen ausgefüllt werden. Ist das nicht der Fall, sollten eure Alarmglocken schon läuten. Gibt es zum Beispiel Vorerkrankungen, kann eine Unterspritzung nämlich eine ganz andere Tragweite haben, auch mögliche Komplikationen müssen vor der Behandlung thematisiert werden. Denn: Sie sind durchaus möglich, wie Wibke Käferlein erklärt:

Wir sind da sehr streng und fragen genau, ob jemand kürzlich zum Beispiel eine Operation, Erkältung oder Zahnbehandlung hatte. Wenn das der Fall ist, schicken wir die Leute wieder nach Hause.

Wibke Käferlein

Klingt vielleicht erstmal "übertrieben", aber die Vorsicht hat einen guten Grund: Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass das Immunsystem den Filler als Fremdkörper erkennt, weil wir gerade gesundheitlich angeschlagen sind. Dadurch kann es schneller zu Knotenbildung oder Schwellungen kommen. Seid also unbedingt ehrlich zu euch (und dem Arzt), wenn es um diese Dinge geht. Auf ein oder zwei Wochen kommt es nun wirklich nicht an.

Außerdem: "Bei einem ersten Beratungsgespräch kann man sich einen ersten Eindruck von der Praxis, den hygienischen Verhältnissen und dem Behandler machen", rät Dr. Eveline Urselmann. Fühlt ihr euch wohl und gut aufgehoben? Wenn nicht, dann seid ihr dort nicht richtig.

4. Wunschvorstellung vs. Realität

Wer sich eine Unterspritzung wünscht, der hat natürlich ein Wunsch-Foto parat, wie das Ergebnis aussehen soll. Lasst euch gesagt sein: Haltet euch nicht zu sehr daran fest. Vor allem bei der allerersten Unterspritzung sollte man nicht sofort zu viel Volumen auf einmal aufbauen. Der Grund: "Das Produkt brauche länger, um sich ins Gewebe zu integrieren, und der Filler könne im schlimmsten Fall aus der Lippe "rutschen", sodass er etwas über dem Lippenrand säße", wie Wibke Käferlein erklärt.

Es ist außerdem wichtig, dass man jemanden vor sich sitzen hat, der einem erklärt, was wirklich realistisch ist. Es ist oft so, dass die eigene Lippe und das, was man gerne hätte, viel zu stark voneinander abweichen.

Ob ihr nun das Beispielbild zuhause lassen sollt? Auf keinen Fall! So kann der Arzt oder die Ärztin besser abschätzen, was ihr euch wünscht und euch dementsprechend beraten. 

5. Was, wenn es mir nicht gefällt?

Worst case: Ihr lasst eure Lippen aufspritzen, seid aber danach total unzufrieden? Keine gute Ausgangslage. Deshalb solltet ihr euch vorher UNBEDINGT ganz genau überlegen, ob ihr das wirklich wollt und warum. Deshalb ist es auch wichtig, sich schrittweise heranzutasten und nicht gleich zu viel Produkt zu injizieren. Aber kann man die Unterspritzung überhaupt rückgängig machen?

Wenn es erstmal drin ist, ist es nicht so leicht, das Hyaluron wieder rauszukriegen. Man kann die Hyaluronsäure mit einem Gegenmittel auflösen. Hier muss man aber aufpassen, nicht zu viel auf einmal aufzulösen, da man den Prozess nur bedingt kontrollieren kann.

"Am Ende würde man eher das Problem haben, dass die Lippen dellig aussehen, anstatt genauso wie vorher", sagt Wibke Käferlein. Hyaluronsäure baut sich mit der Zeit von alleine ab, wer nach der ersten Behandlung gar nicht happy ist, der wartet einfach ab. Nach etwa vier bis sechs Monaten sollte die Lippe wieder wie vorher aussehen. Das ist aber noch lange kein Grund das einfach mal so auszuprobieren ...

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!

Neuer Inhalt