Darum ist Mikroplastik in der Kosmetik so gefährlich

Mikroplastik in der Kosmetik verschmutzt Trinkwasser und Meere - und gefährdet Mensch und Tier. Aktuelle Erfolgsmeldung aus Amerika: Die Verwendung von Mikroperlen ist dort ab sofort verboten.

Was macht Mikroplastik in Kosmetik-Produkten?

Einige Hersteller reichern Produkte wie Reinigungscremes, Dusch- und Waschgele und Peelings mit winzigen Kügelchen aus Kunststoff an, um eine bessere Reinigungswirkung zu erzielen oder abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen. Auch in Anti-Falten-Cremes, Make-ups oder Lippenstiften (auch Gloss und Lipliner) können solche Plastikzusätze stecken, wo sie als Bindemittel dienen. Eine Liste des "Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND) zeigt, dass Kunststoffe aber noch in vielen weiteren Kosmetik-Produkten zum Einsatz kommen, beispielsweise in Tages- und Nachtcremes, Seren, Pudern, Concealern, Rouge, Lidschatten, Mascara, Eyelinern und Augenbrauenstiften.

Amerika bringt Verbot auf den Weg - zieht Deutschland nach?

Aktuell haben sechs US-Bundesstaaten ein Gesetz verabschiedet, das die Verwendung von Mikroperlen verbieten soll. In Deutschland wird auch über ein Verbot diskutiert, allerdings befinden sich die schädlichen Mikroperlen bis dahin weiter in zahlreichen Kosmetikartikeln.

Eine Erfolgsmeldung gibt es allerdings. Zahnpasta gibt es ab sofort nur noch ohne Mikroplastik. Aktuell sind dem BUND deutschlandweit keine Zahnpasta-Hersteller mehr bekannt, die Mikroplastik in ihren Produkten verwenden. Gleichzeitig fordert die Institution alle Konsumenten auf: "Sollten Sie über Zahnpasta im Laden stolpern, die noch immer Mikroplastik enthält, bitten wir Sie, dies dem BUND auf www.bund.net/mikroplastik zu melden."

Wie schlimm ist Plastik für die Ozeane?

Forscher und Umweltaktivisten weisen schon seit Jahren darauf hin, dass der tagtäglich anfallende Plastikmüll die Meere vergiftet, denn Plastik ist unvergänglich: Über Jahrzehnte wird es zermahlen und zersetzt, verschwindet aber nicht - übrig bleiben winzige Partikel. Dieses sogenannte Mikroplastik ist teilweise kaum sichtbar für unser Auge, lagert sich überall ab, wird von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen und landet durch den Verzehr auch in unserem Körper.

Traurige Nachrichten: Kein Gewässer auf der Erde ist frei von Mikroplastik.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben entdeckt, dass sogar in der arktischen Tiefsee, die als einer der am wenigsten berührten Lebensräume zählt, die Menge an Plastikmüll in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen hat.

Welchen Weg nimmt das Plastik?

Nicht nur "klassischer" Müll wie Tüten, Flaschen, CD-Hüllen etc. ist ein Problem, sondern auch die in Kosmetika enthaltenen Plastikpartikel. Professor Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg konnte nachweisen, dass Mikroplastik aus Beauty-Produkten in Gewässern landet. Seit vier Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema.

"Bei Untersuchungen an den Ausläufern von Klärwerken und an der Nordseeküste fanden wir winzige Plastikperlen, die in bestimmten Kosmetika verwendet werden. Durch Verdunstung und Regen geraten sie in die Atmosphäre, über den Dünger aus den Klärwerken landen sie auch auf den Feldern", sagt der Wissenschaftler. Er konnte die Kügelchen im Trinkwasser, in Milch, einigen Honigsorten, zuletzt sogar in Bier und diversen Softdrinks nachweisen.

Machen uns die Partikel krank?

Da sich die mikroskopisch kleinen Perlen nicht vollständig aus dem Abwasser filtern lassen, geraten sie in Flüsse, Seen, Meere und ins Grundwasser. "Kollegen aus den USA haben an Fischen geforscht und festgestellt, dass Mikroplastik das Gewebe ihrer Magenwand durchdringen konnte. Es lagerte sich im Organismus der Tiere ab und verursachte Entzündungen. Was Mikroplastik beim Menschen anrichten kann, wird sich erst in den nächsten Jahren beobachten lassen", sagt Professor Liebezeit.

Hinzu kommt, dass Plastikpartikel weitere Schadstoffe wie ein Magnet anziehen. Gerät Mikroplastik in unsere Nahrungskette, dann gleich in Kombination mit einer Reihe anderer Gifte. Das Umweltbundesamt hat bereits Forschungsaufträge vergeben, um die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt zu untersuchen. Doch solche Studien dauern.

Was können wir tun?

Einige große Kosmetikhersteller reagierten mittlerweile auf die Studien der Forscher und auf den medialen und gesellschaftlichen Protest. Sie möchten in den nächsten Jahren freiwillig auf den Einsatz von Mikroplastik in ihren Produkten verzichten. Eine Liste hierzu gibt es auf der BUND-Website.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte vor dem Kauf eines Produkts die Inhaltsstoffe genau durchgehen. "Wenn die Zutaten Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) auftauchen, steckt Plastik im Produkt", sagt Experte Professor Liebezeit. Generell auf Peelings verzichten muss man jedenfalls nicht, schließlich gibt es genügend Produkte, die ohne Plastik auskommen. Die Natur selbst bietet die besten Alternativen: Auch mit Salzen, gemahlenen Aprikosen- oder Traubenkernen, Mandelkleie, Heilerde oder Kieselsäure kann man abgestorbene Hautschüppchen entfernen und die Haut wunderbar erfrischen.

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    das Blöde ist, dass Mikroplastik auch als Abrasive von Kleidungsstücken aus Kunstfaser entsteht. ZB beim Waschen.

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