Neurodermitis im Gesicht - diese Pflege lindert Rötungen und Juckreiz

Neurodermitis im Gesicht ist unangenehm: Vor allem die dünne Haut rund um die Augen ist gerötet, schuppt und juckt. So kann die gereizte Haut beruhigt werden.

Neurodermitis im Gesicht - das sind die Symptome

Sie tritt immer häufiger auf, inzwischen sogar zwei- bis dreimal häufiger als noch vor 30 Jahren. Neurodermitis (medizinisch auch atopisches Ekzem, atopische Dermatitis genannt) gehört zu den chronischen Hautkrankheiten, die in Schüben verläuft. Viele Neurodermitis-Erkrankte haben eine trockene Haut, die spezieller Hautpflege bedarf – auch wenn sie gerade keinen Schub haben. Die Erkrankung verläuft in Phasen: In einer schubfreien symptomfreien Phase ist die Haut trocken, gereizt und manchmal auch schuppig. In akuten Phasen (Schubphasen) entzündet sich die Haut sogar, ist stark gerötet und juckt.

Schonwaschgang am Morgen  Wascht ihr euch zweimal am Tag das Gesicht? Das könnt ihr euch sparen! "Die Haut sollte allabendlich schonend, aber gründlich und mit einem zum Hauttyp passenden Produkt gereinigt werden. Am Morgen reicht warmes Wasser. Ausnahme: sehr fettige Haut; die profitiert auch morgens von einem entsprechenden Reinigungsprodukt", so Dr. Paes. Und wie sieht es mit Gesichtswasser aus? "Bei Reinigungsmilch oder -öl ist es ein absolutes Muss, da Gesichtswasser die Pflegerückstände entfernt. Bei allen anderen Reinigungsprodukten kann es helfen, den pH-Wert der Haut schneller zu stabilisieren. Ist sie gesund, bekommt sie das aber auch allein hin."  Richtig layern - die Reihenfolge ist wichtig!  Erst das Serum und dann die Creme? Oder doch andersrum? Dr. Paes weiß, wie's geht: "Beim täglichen Pflegekonzept kann man sich an der Konsistenz der Produkte orientieren. Flüssigere Texturen sind zuerst dran. Nach der Reinigung kann man mit einem Serum starten und dann ein auf den Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut angepasstes Produkt auftragen. Zum Schluss folgt, bei absehbarer Sonnenexposition, ein guter UV-Schutz." Ganz wichtig: Ihr solltet nicht zu viele verschiedene Produkte benutzen, da es die Haut überfordern könnte. Außerdem solltet ihr die einzelnen Schichten jeweils kurz einwirken lassen.  Sanfter peelen - oder gar nicht  Gepeelte Haut fühlt sich zart an, leuchtet rosig - und nimmt Wirkstoffe besser auf. Gute Gründe also, um ein Peeling ins abendliche Beauty-Ritual einzubauen. "Ein- bis maximal zweimal pro Woche genügen", rät Dr. Pia M. Paes. "Andernfalls kann die Schutzbarriere der Haut geschädigt werden. Meist gut vertragen werden Enzym-Peelings, die eine porentiefe Reinigung ermöglichen, ohne die Haut durch Schleifpartikel zu irritieren. Ist sie sehr empfindlich, sollte man aber ganz aufs Peelen verzichten. Das gilt auch bei entzündlichen Erkrankungen wie Akne oder Rosacea." Weiterer Softie-Tipp: Peeling-Pulver, die mit Wasser angemischt werden.

Die Neurodermitis zeigt sich bei Erwachsenen häufig im Gesicht, vor allem rund um die Augenpartie, den Mund, an der Stirn und auf den Wangen. Während eines Schubs kann es sein, dass eine spezielle Hautpflege nicht reicht, um die Symptome Rötungen, Schuppen, Juckreiz in den Griff zu bekommen und der Dermatologe empfiehlt eine ergänzende Therapie mit Medikamenten wie Kortison.

Hautpflege bei Neurodermitis

Neurodermitis und Hautpflege ist ein spezielles Thema. Konventionelle Cremes mit Duftstoffen, Mineralölen und Konservierungsstoffen wie Parabene sind für die extrem empfindliche Haut ohnehin tabu. Die Basispflege sollte simpel sein: Spezielle Produkte mit möglichst sehr kurzer INCI-Liste, also wenigen Inhaltsstoffen, sollen die Haut beruhigen. Kein Mix aus vielen verschiedenen Cremes, Reinigungsprodukten oder Peelings – die Haut braucht RUHE. Der Dermatologe verschreibt für die Therapie entzündlicher Dermatosen meist Kortison in Cremeform, das schnell Wirkung zeigt. Langfristig sollte die tägliche Gesichtspflege aber die Hautbarriere stärken und möglichst beruhigend wirken.

Wirkstoffe für die tägliche Gesichtspflege 

Generell gilt bei der Wahl der richtigen Basispflege bei Neurodermitis: Während der Schübe – also wenn die Haut offen ist und nässt – braucht sie eine feuchtigkeitsspendende Pflege auf Wasserbasis. Außerhalb der akuten Phase sollte die vornehmlich trockene Haut fettreicher gepflegt werden.

  • Hautpflege mit Silber: Silber wirkt antientzündlich und soll den Teufelskreis – Juckreiz, Kratzen, Verletzung, Entzündung  und wieder Juckreiz – durchbrechen. Auch Silbertextilien können den Juckreiz am Körper lindern. Kolloidale (Bezeichnung für eine sehr feine Verteilung der Silberpartikel) Salben wirken gegen juckende Haut, sind außerdem kühlend und bleiben – wenn sie keine Nanopartikel enthalten – auf der Haut liegen. 
  • Urea (Harnstoff): An natürlichen Feuchthaltefaktoren in der Haut mangelt es Neurodermitikern, deshalb ist eine Hautpflege mit Urea (Harnstoff) sinnvoll. Es kann die Feuchtigkeit in der Haut binden und sie so vor Austrocknung und Schuppenbildung schützen. Bei neurodermitischen Hautzuständen arbeiten viele Rezepturen mit 10 % Harnstoffzusatz, da es so den Juckreiz effektiver stoppen kann.
  • Linolsäure: Pflanzliche Öle wie Borretschsamenöl, Hanföl, Nachtkerzenöl, Schwarzes Johannisbeerkernöl und Schwarzkümmelöl enthalten natürliche Linolsäure (Omega-6-Fettsäuren), die bei Neurodermitis entzündungshemmend wirkt. Nüsse, Sesam und Mandeln knabbern – innerlich kann Linolsäure ebenfalls helfen. Neurodermitis bei Kindern wird häufig auch mit der Gabe von Nachtkerzenölpräparaten behandelt.
  • Meersalzcreme: Totes Meer Salz tut gereizter Haut gut: Darin enthalten sind Meeresschlick-Extrakt – spendet Feuchtigkeit und stärkt die Hautschutzbarriere, Algenextrakt - beruhigt und hemmt die Entzündung, Meersalz - enthält Mineralien wie Jod-, Brom-, und Magnesiumsalze und macht raue Haut geschmeidig.
  • Panthenol: Der Klassiker für gereizte Haut unterstützt den Heilungsprozess, wirkt hautbefeuchtend.

Probiotika - ist der Hype gerechtfertigt?

Studien haben Hinweise darauf gefunden, dass Probiotika schon während einer Schwangerschaft bei genetischer Vorbelastung das Risiko minimieren können, dass das Kind ebenfalls an Neurodermitis erkrankt. Wie sich die Darmbakterien insgesamt auf das Thema Neurodermitis auswirken, wird aktuell noch erforscht. Dennoch sind Probiotika gerade auf dem Vormarsch – sogar in der Hautpflege. Probiotische Cremes wollen die Hautflora ins Gleichgewicht bringen, entzündungsfördernde Bakterien in den Griff bekommen und die natürliche mikrobielle Vielfalt der Haut stärken. Sogar probiotische Kissen sollen unsere Haut nachts beruhigen. Ein Trend – oder mehr? Langzeitstudien zur Wirkung von probiotischer Gesichtspflege gibt es allerdings noch nicht.

Triggerfaktoren für Neurodermitiker

Neurodermitiker kennen sie mit den Jahren meist genau: Die Schub-auslösenden Triggerfaktoren, die dafür sorgen, dass die Haut verrückt spielt. Die Klassiker gilt es deshalb zu vermeiden:

  • Städte mit hoher Luftverschmutzung und kaltes Klima erhöhen das Risiko für Neurodermitis und reizen das Immunsystem
  • Schwitzen ist ein Trigger – entweder durch heiße Temperaturen oder durch Kleidung, die den Luftaustausch erschwert (zum Beispiel nicht atmendes Nylon)
  • Kleidung, die scheuert und Juckreiz provoziert, zum Beispiel aus Mohairwolle
  • Bestimmte Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Nüsse und Schalentiere triggern bei vielen Neurodermitispatienten, auch scharfes Essen, das die Durchblutung anregt
  • Alkohol, Zigaretten und Zigarrenrauch
  • Hausstaubmilben, Staub, Pollen oder andere Allergene
  • Wasch- und Reinigungsmittel mit starken Duftstoffen
  • Umweltverschmutzung

Stress und Schlafstörungen können die Hauterscheinungen ebenfalls verschlimmern. Deshalb sind Entspannungsübungen und Ruhephasen besonders wichtig.
Wer unsicher ist, was die persönlichen Triggerfaktoren sind, kann ihnen mithilfe eines Tagebuchs auf die Spur kommen.

Übrigens: Viele Neurodermitis-Patienten litten als Baby an Milchschorf. Erfahre hier mehr darüber!

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel