Cellulite: Behandlungen gegen Orangenhaut

Auch bei Ärzten bekommen Sie heute Cellulite-Behandlungen. Ob das immer gut ist, lesen Sie hier

Die Angst der Frauen vor der Delle hat Medizinerinnen und Kosmetikerinnen eine neue Verdienstmöglichkeit eingebracht: Anti-Cellulite-Behandlungen mit Hightech-Geräten. Die sind nicht billig, und Dr. Tatjana Pavicic, Hautärztin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Cellulite-Spezialistin, warnt, dass dabei viel falsch gemacht werden kann: "Deswegen sollte man bei geräteunterstützten Behandlungen ausschließlich zu Ärzten und nicht zu Kosmetikerinnen gehen."

Doch auch das kann riskant sein, denn unabhängige Studien zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Methoden der Cellulite-Behandlungen fehlen größtenteils. Und da in Deutschland jeder Arzt die Geräte benutzen darf, ist noch lange nicht klar, ob er die Methode auch wirklich beherrrscht. Am besten kennen sich meist Dermatologen und plastische Chirurgen* aus, die solche Behandlungen regelmäßig durchführen.

Besonders beliebt sind derzeit Radiofrequenzstrom-Behandlungen. Gearbeitet wird dabei mit Geräten, die elektrische Energie in Form von Wärme durch die Haut schicken. Das Gewebe wird stärker durchblutet, Fettzellen werden zerstört sowie die Bindegewebsfasern im Fettgewebe und in der darüberliegenden Hautschicht geschädigt, weil sie auf 60 Grad erwärmt werden. Das kurbelt die körpereigenen Reparaturprozesse an: Neue Fasern bilden sich, was das Bindegewebe stärken soll.

Wer sich für diese Methode entscheidet, sollte sich erkundigen, mit welchem Gerät der Arzt behandelt. Neuere Geräte erzeugen größere Energiemengen (so genannte tripolare Frequenzen) direkt in der tiefen Fettschicht; dadurch werden Risiken der früheren Generationen gemindert - es können oberflächliche Gefäße reißen und blaue Flecke und Besenreiser entstehen. "Eine richtige kontrollierte Studie über Cellulite zu dieser Therapieform fehlt allerdings noch", sagt Dr. Pavicic. "Bislang zeigen klinische Studiendaten, dass man das Verfahren zur Straffung der Oberarme nutzen kann und dass dabei mehr Kollagen gebildet wird. Zudem werden Fettzellen zerstört. Daher klingt diese Methode für mich von allen am vielversprechendsten."

Mithilfe von Ultraschall will die so genannte Ultraschall-Lipolyse Fettzellen zerstören, der gleiche Effekt soll mit akustischen Schallwellen erreicht werden. Das gelöste Fett wird über das Lymphsystem abtransportiert und der Leber als Energie angeboten. Verzichtet man in den ersten Tagen nach Behandlungen dieser Art auf Kohlenhydrate, soll das Fett abgebaut werden, sonst lagert der Körper das verflüssigte Fett an anderer Stelle wieder an, heißt es. Setzt man die Geräte nicht fachgerecht ein, kann es zu Blutergüssen, Schwellungen und Unebenheiten kommen. Wird zu viel Fettgewebe zerstört, behindert das möglicherweise den Abtransport des Fettes, das Risiko besteht, dass sich Ölzysten bilden, die verkapseln. Frauen mit Leber- und Nierenerkrankungen müssen vorher mit ihrem Arzt sprechen, weil es Probleme geben kann, das gelöste Fett abzutransportieren und auszuscheiden. Außerdem wird nur Fett abgebaut, das Gewebe nur wenig gestrafft.

Auch die Injektions-Lipolyse, die so genannte Fett-weg-Spritze, zerstört Fettzellen, und zwar chemisch. Bei ihr wird ein Medikament in die Problemzonen injiziert, das für das Schmelzen von Fettpolstern bisher in Deutschland nicht zugelassen ist. Kritiker bemängeln, dass noch unklar sei, wie es die Fettschichten auflöst und ob es auch andere Gewebe angreift. Die brasilianische Gesundheitsbehörde verbot die Injektions- Lipolyse sogar ganz. Forscher der Universität São Paulo hatten sechs gesunden Schweinen den Wirkstoff ins Fettgewebe gespritzt, zwei Tage später hatten alle Schweine Probleme mit der Leber - ein Schwein starb an Leberentzündung.

Bei der Mesotherapie werden ebenfalls Spritzen gesetzt, und zwar viele kleine. Dabei sollen durchblutungsfördernde, entwässernde und abschwellende Substanzen direkt ins Fettgewebe gebracht werden, um die Haut zu straffen. "Es sind Fälle bekannt", so Dr. Pavicic, "bei denen sich nach einer Mesotherapie schwerste Entzündungen des tiefen Fettgewebes entwickelt haben. In einem anderen Fall gab es Störungen des Schilddrüsenstoffwechsels. Zudem ist kaum untersucht, welche Stoffe bei dieser Methode in den Körper geschleust werden und ob sie überhaupt wirken."

Auch die Liposuktion, also die Fettabsaugung, bleibt gefährlich: Sie ist der ästhetische Eingriff mit den meisten Todesfällen. Als Cellulite-Therapie sollte sie nicht eingesetzt werden, denn wird direkt unter der Haut abgesaugt, können sich tiefe Fettpakete noch besser durchdrücken - die Dellen werden ausgeprägter. Das gleiche Risiko birgt die Laser-Lipolyse, eine Abwandlung der Fettabsaugung, die mit Laser-bestückten Kanülen arbeitet.

Auch die Subcisison hat ihre Tücken: Bei ihr werden mit einer scharfen Kanüle oder einem Skalpell punktuell die Bindegewebsstränge im Fettgewebe zertrennt. "Es kann zu Hautverziehungen kommen", warnt Dr. Pavicic, "außerdem zu Blutergüssen und zu Infektionen."

* Adressen z. B. über die Arbeitsgemeinschaft ästhetische Dermatologie und Kosmetologie (www.dermininform.de, Stichwort "Arztsuche") oder die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (www.derma.de, Stichwort "Hautärzte").

Text: Christine Koischwitz Fotos: Bettina Lewin Ein Artikel aus der BRIGITTE 07/09

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