Was hilft der Haut bei zu viel Pflege? Keine Seife, keine Creme - nur Wasser

Seife, Cremes und Masken sind jeder Haut irgendwann zu viel. BRIGITTE-Redakteurin Lisa van Houtem hat sie drei Wochen auf Pflege-Entzug gesetzt.

Mein Name ist Lisa und ich leide an überpflegter Haut - ein absolutes Luxus-Problem, auch als "Stewardessen-Krankheit" bekannt. Seife, Gesichtswasser, Serum, Creme, Masken, Fluids und Foundation morgens und abends sind jeder Haut irgendwann zu viel. Ich versuche deshalb schon fleißig, so viel wie möglich wegzulassen und wasche mein Gesichts morgens beispielsweise nur mit kaltem Wasser. Dennoch bilde ich mir immer irgendwann ein, meine Haut bräuchte wieder mehr Pflege. Ich habe Angst, sie könnte sonst austrocknen. Dann zaubere ich wieder irgendein Serum aus dem Schrank und creme und pflege, was das Zeug hält. Belohnt wird dies einige Zeit später mit einer Haut, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Will sagen, mit Rötungen und Pickelchen. Diesmal ist mein Plan: Alles in die Tonne und drei Wochen lang möglichst nur noch Wasser ins Gesicht!

Woche 1

In der ersten Woche habe ich es ganz sutsche angehen lassen. Folgende Produkte habe ich weggelassen: Reinigungswaschgel, Tagescreme, Nachtcreme, Maske und Serum. Wovon ich mich bislang nicht trennen konnte, sind Gesichtstonic, eine leichte Feuchtigkeitslotion und Augencreme. Für die komplette Pflege-Askese bin ich seelisch einfach noch nicht soweit. Für das Make-up bedeutet das wiederum, dass ich nur etwas Concealer unter dem Auge und Abdeckstift für kleine Rötungen benutze. Keine Foundation, keine Mascara, keinen Highlighter, kein Puder, kein Rouge. Abgesehen von ein paar peripher irritierenden Kommentaren à la "Mensch, du siehst heute aber ganz schön blass/müde/fertig aus!" geht es mir und meiner Haut eigentlich ziemlich gut. Gespannt hat sie natürlich kräftig. Trotzdem bilde ich mir jetzt schon ein, dass kleine Pickelchen und rötliche Stellen langsam verschwinden. Und das Beste überhaupt ist die Zeit, die man spart. Aufstehen, duschen, los.

Woche 2

Das ist eine ziemlich unspannende Woche. Außer nach dem ausgiebigen Duschen nach der Jogging-Runde und am Samstag, als ich mit einer Freundin in der Sonne saß. Da wurde es dann ein bisschen spannender - auf der Haut. In solchen Situationen habe ich meine Fingerspitzen minimalst in den Creme-Topf getupft und eine verschwindend geringe Menge leicht auf die trockenen Stellen eingeklopft – nur für’s Gefühl. Oder vielleicht auch für die Psyche. Wer weiß das schon genau?

Als ich zu Beginn der zweiten Woche das Gesicht mit Wasser wasche, den Cremetopf links liegen lasse und mich mental auf eine zutiefts empörte Haut einstelle, passiert erstmal nichts. Sie fühlt sich nicht (wie befürchtet) wie die Wüste Gobi an. Im Laufe des Tages wurde das Hautgefühl sogar immer besser, fast so, als würde die Haut sich selbst befeuchten. Genau das hat sie vermutlich auch getan. Kleine Unreinheiten sagen zwischendurch natürlich trotzdem mal Hallo! Die würde ich allerdings auch total vermissen, schließlich lebe ich seit rund 18 Jahren eng mit ihnen zusammen. Dass ich sie nicht abdecken kann und stattdessen mit mehr oder weniger stolz erhobener Stirn vor mir hertragen muss – auch nicht weiter schlimm.

Woche 3

Die dritte Woche beweist, dass es der Haut auch ohne den ganzen Pflege-Schnickschnack gut geht. Ich habe mich mittlerweile an das minimalistische Badezimmerprogramm gewöhnt. Nur einen Aspekt habe ich unterschätzt: Den Pflege-Spaßfaktor. Pflegen macht nämlich verdammt viel Spaß! Schließlich belohnen wir uns in gewisser Weise mit teuren Cremes und Hightech-Seren selbst, nach einem mordsanstrengenden Tag im Büro oder zwei Stunden in der Muckibude. Das fehlt mir irgendwie schon, dieses Ritual. Stattdessen schleichen sich Übersprungshandlungen in Form von sehr viel Mascara oder Lippenstift ein (was sich beides abends nur sehr schwer wieder entfernen lässt).

Das Wichtigste an diesem Selbstversuch aber ist, das sich meine Wahrnehmung wieder in einen gesunden Bereich verschoben hat. Musste sonst jede Rötung sofort abgedeckt werden, ist es mir jetzt relativ schnuppe, wie fleckig mein Teint gerade ist. Außerdem denke ich bei vielen Frauengesichtern, die mir so begegnen: Mit ein bisschen weniger Make-up würde die Dame viel besser aussehen! Dezent geschminkte Gesichter sind einfach tausend Mal schöner, auf eine eigene zerbrechliche Art.

Und wie geht’s jetzt weiter? Auf Seife werde ich weiterhin, so gut es geht, verzichten. An einer Creme mit LSF komme ich aufgrund der Sonnenstrahlen leider nicht vorbei, das sollte dann aber ein ganz leichtes Produkt sein. Mein Fazit: Mission completed!

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