Solarium: Strahlender Verführer

Neue Studien beweisen: Solarien machen Falten und erhöhen das Hautkrebsrisiko. Besonders gefährdet sind Minderjährige, Krebsforscher und Hautärzte fordern seit Jahren ein Solarienverbot für sie. Das Gesetz kommt - aber wann endlich?

Dieter Bohlen als Vorbild? Nein danke, sagt inzwischen die Mehrheit der Deutschen - und findet einen dunkelbraunen Teint Marke Sonnenbank unzeitgemäß. Lieber, so hat eine Umfrage von TNS Infratest herausgefunden, wollen die meisten eine nur leicht gebräunte Haut, wie sie derzeit etwa Topmodel Heidi Klum präsentiert.

Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass sich von den Solariennutzern noch mehr als früher unter die künstliche Sonne legen, um attraktiver zu sein: In der gerade veröffentlichten Sun-Study der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) und der Deutschen Krebshilfe sagten 62 Prozent von ihnen, dass sie im Sonnenstudio schöner werden wollen.

Dabei erreichen sie genau das Gegenteil damit. Dass besonders die langwellige UVA- Strahlung ins Bindegewebe vordringt und dort für eine vorzeitige Hautalterung sorgt (und auch allergische Reaktionen auslösen kann), ist schon seit Jahren bewiesen. Doch deutsche und koreanische Studien bringen jetzt auch die Infrarot-Strahlung in Verdacht, uns schneller alt aussehen zu lassen. Gemeint ist damit nicht die wohlige Wärme, die Infrarot-Lampen erzeugen, sondern die so genannte Infrarot-A-Strahlung: Sie entsteht quasi als "Abfallprodukt", wenn auf einer Sonnenbank die bräunenden UV-Strahlen produziert werden.

"Wir haben nachweisen können, dass das Infrarot A die Haut schneller altern lässt", sagt Jean Krutmann vom Institut für Umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf. Schon früher hatten Krutmann und seine Kollegen an Hautzellen im Labor ihre Vermutung untersucht, dass diese Strahlungsart Faltenbildung fördert. Neue Studien des IUF am Menschen haben dies inzwischen bestätigt. Die Infrarot-A-Strahlung setzt eine regelrechte Zellschädigungs- Kaskade in Gang: Zunächst sorgt sie dafür, dass in unseren Hautzellen mehr freie Radikale entstehen - aggressive Sauerstoffverbindungen, die die Zellen schädigen. Kleinere Schäden kann der Körper zwar reparieren, doch bei andauernder Belastung werden verstärkt Kollagenfasern abgebaut. Und die sind ganz wesentlich dafür zuständig, unser Bindegewebe elastisch zu halten, und sie tragen außerdem zur Fähigkeit des Bindegewebes bei, Feuchtigkeit zu speichern.

Wer sich in jungen Jahren im Solarium sonnt, erhöht sein Krebsrisiko um 75%

Aber die dadurch entstehenden Falten sind für Sonnenbank-Kunden noch das kleinere Übel. Vor allem, wer jünger als 35 ist und sich häufig aufs Solarium legt, erhöht sein Risiko erheblich, am besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs zu erkranken. "Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat gerade Untersuchungen verglichen, in denen ein Zusammenhang zwischen Solariumnutzung und Krebs erforscht wurde", erklärt Rüdiger Greinert, Generalsekretär der europäischen Gesellschaft zur Prävention von Hautkrebs. Das Ergebnis: Wer sich in jungen Jahren einmal pro Monat künstlich sonnt, erhöht sein Krebsrisiko um 75 Prozent. Die aktuelle Sun-Study hat herausgefunden, dass mehr als ein Viertel der Nutzer schon im Alter von 10 bis 17 mit Solarienbesuchen begonnen haben.

Greinert sehnt deshalb ebenso wie die Deutsche Krebshilfe und die ADP ein Sonnenbank- Verbot für Minderjährige herbei. Mit gutem Willen habe man es lange genug versucht, so der Biophysiker - mit sehr mäßigem Erfolg. So habe das Bundesamt für Strahlenschutz gerade erst so genannte "Geprüfte Sonnenstudios" unter die Lupe genommen, eigentlich ein Qualitätszertifikat. Doch selbst von diesen Läden erfüllten nur vier von hundert alle Anforderungen, etliche schickten bedenkenlos auch Kunden unter 18 unter die Röhre. Dass eine gesetzliche Regelung kommt, ist mittlerweile sicher. Doch weil sich die Koalition beim gesamten neuen Umweltgesetzbuch einig sein muss, dessen Teil das Solarienverbot ist, steht der Zeitpunkt immer noch nicht fest. Die Krebsexperten fordern inzwischen ohnehin mehr, als nur Minderjährige zu schützen. Eckhard Breitbart von der ADP will europaweit Solarien-Standards per Gesetz festschreiben lassen: "Wir können uns heute schon ausrechnen, wie viel mehr Hautkrebsfälle wir in den nächsten Jahren sehen werden, wenn wir jetzt nicht reagieren."

Text: Markus Brügge Foto: Gerd Ladebeck Ein Artikel aus der BRIGITTE 05/09

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Markus Brügge

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